Morbus Crohn und medizinisches Cannabis

Morbus Crohn (MC) ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED), die den ganzen Verdauungstrakt betreffen kann. Die Erkrankung bringt starke, krampfartige Bauchschmerzen und Durchfälle mit sich. Häufig verlieren die Betroffenen ihren Appetit, was zu Leistungseinbußen und einer eingeschränkten Lebensqualität führt. Der Leidensdruck durch Morbus Crohn ist meist enorm groß. Viele Patient*innen mit CED wenden bereits cannabisbasierte Medikamente an. Studien zeigen, dass die Cannabinoide Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) Beschwerden bei Morbus Crohn lindern können. Durchfälle und Schmerzen gehen zurück, außerdem verbessern sich Schlaf und Appetit. CBD konnte in Laborstudien durch entzündungshemmende Effekte die Darmbarriere unterstützen.

CED wie Morbus Crohn immer häufiger

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, zu denen unter anderem Morbus Crohn (MC) und Colitis ulcerosa (CU) gehören, werden weltweit immer häufiger. Besonders oft kommen sie in Industriestaaten vor, weswegen CED zu den Zivilisationserkrankungen gezählt werden. Eine 2017 veröffentlichte Übersichtsarbeit zeigte, dass die meisten Betroffenen in Europa und Nordamerika leben. Im Jahr 2017 waren in Deutschland 322 von 100.000 und in den Vereinigten Staaten 319 von 100.000 Personen von MC betroffen. Auch in Schwellenländern (z. B. in Asien oder Afrika) nehmen die Neuerkrankungen seit der Jahrtausendwende immer weiter zu. Diese Entwicklung macht deutlich, dass wesentlich mehr Forschung zu CED nötig ist [1].

Was ist Morbus Crohn?

Morbus Crohn (MC) beginnt ebenso wie Colitis ulcerosa (CU) meist im jungen Erwachsenenalter, kann jedoch in jeder Altersgruppe auftreten. Die genauen Ursachen von CED sind aktuell noch unklar. Während Fachleute in der Vergangenheit von einer reinen Autoimmunerkrankung ausgingen, spielen nach derzeitigem Wissensstand viele Faktoren eine Rolle. Dazu gehören genetische Risikofaktoren wie eine Mutation des Gens NOD2 [2]. Diese genetische Veränderung führt zu einer verminderten Produktion von antimikrobiellen Defensinen, die normalerweise schädliche Keime im Verdauungstrakt bekämpfen. Dadurch wandern vermehrt Bakterien in die Darmschleimhaut und bewirken eine Entzündung [3]. Besonders Dickdarm und Zwölffingerdarm sind reich mit an sich friedlichen Bakterien besiedelt (Mikrobiom) und häufig bei MC betroffen [2].

Zwillingsstudien zeigten, dass diese Mutation das Risiko erhöht, an MC zu erkranken [4]. Zusammen mit anderen Abwehrstörungen kommt es zur Fehlregulation der Darmflora. Weitere Umweltfaktoren wie Rauchen und häufige Antibiotikabehandlungen im Jugendalter erhöhen das Risiko ebenfalls. Auch das Immunsystem und die Ernährung sind involviert [2].

Symptome und Krankheitsverlauf bei Morbus Crohn

Morbus Crohn betrifft meist Dünn- und Dickdarm, kann jedoch im ganzen Verdauungstrakt von Mund bis Enddarm auftreten. Die Entzündungen können sich über alle Schleimhautschichten ausbreiten. Typischerweise treten chronische Durchfälle auf, die im Unterschied zur Colitis ulcerosa meist unblutig und ohne Schleim sind. Häufig kommt es bei MC darüber hinaus zu Schleimhautveränderungen wie Strikturen, Fisteln und Abszesse [2].

20 bis 40 Prozent der MC-Patient*innen leiden zusätzlich an Beschwerden außerhalb des Verdauungstrakts, sogenannten extraintestinalen Manifestationen. Jeder Fünfte mit der Diagnose CED leidet zusätzlich an Blutarmut, beispielsweise durch Mangel an Eisen, Vitamin B12 und Folsäure. Gelenke, Haut und Augen können ebenfalls entzündet sein. Diese begleitenden Beschwerden sind teilweise so belastend, dass die Behandlung der Verdauungsprobleme in den Hintergrund rückt. In diesen Fällen ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit von Fachkreisen aus Gastroenterologie, Rheumatologie, Dermatologie und Augenheilkunde sinnvoll [5].

Wie andere CED verläuft Morbus Crohn schubartig. Krankheitsphasen mit hoher Entzündungsaktivität wechseln sich mit Ruhephasen – sogenannten Remissionsphasen – ab. Dann treten nur leichte Beschwerden auf oder die Patient*innen sind sogar ganz beschwerdefrei.

Da MC derzeit nicht heilbar ist, können jedoch jederzeit erneute Schübe mit Wiederaufflammen der Entzündungen auftreten. Im ersten Jahr nach Erreichen der Remission beträgt die Rückfallhäufigkeit 30 bis 60 und im zweiten Jahr 40 bis 70 Prozent. Mit einer Langzeittherapie können diese beschwerdearmen Phasen verlängert und die Abheilung der Schleimhaut gefördert werden [5].

Aktiver und auch passiver Nikotinkonsum können zu einem komplizierten Krankheitsverlauf führen [3]. Daher wird empfohlen, auf Rauchen zu verzichten, um das Schubrisiko zu halbieren [5].

Mögliche Symptome von Morbus Crohn [2-4]:

  • Chronische Durchfälle
  • Krampfartige Bauchschmerzen
  • Gewichtsverlust
  • Fieber
  • Abgeschlagenheit, Leistungsverlust
  • Schleimhautveränderungen im Bereich des Enddarms (Abszesse, Fisteln, Analfissuren)
  • Blutarmut
  • Entzündungen von Gelenken, Haut und Augen

Die Beschwerden bei CED sind oft unspezifisch und ähneln anderen Darmerkrankungen wie infektiösen Durchfallerkrankungen oder medikamentenbedingten Nebenwirkungen (z. B. Antibiotika, nicht-steroidale Antiheumatika). Daher dauert es oft viele Jahre bis eine Diagnose gestellt wird. Die Abgrenzung zwischen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa ist manchmal schwierig oder nicht möglich [5]. Auch Mischformen kommen vor.

Medikamentöse Behandlung von Morbus Crohn

Medikamentöse sowie operative Therapien können Morbus Crohn zwar nicht heilen, jedoch die Lebensqualität verbessern. Ziel der Therapie ist es, die Ruhephasen (Remission) zu erhalten und Komplikationen zu vermeiden, die Klinikaufenthalte oder Operationen nötig machen würden.

Die Behandlung richtet sich nach der Stärke der Entzündungen und den betroffenen Abschnitten des Verdauungstrakts, wobei verschiedene Wirkstoffe und Darreichungsformen zum Einsatz kommen: Zäpfchen, Klysmen und Schäume entfalten ihre Wirkung lokal in Darm, während bei oraler Einnahme die Wirkung im ganzen Körper, also systemisch erfolgt. Durch die Akutbehandlung des Schubs soll die Entzündung schnell zurückgedrängt und eine Remission herbeigeführt werden.

  • Akute leichte Schüben werden beispielsweise mit Mesalazin und Budenosid behandelt. Budesonid ist ein hauptsächlich örtlich im Darm wirksames Corticosteroid.
  • Bei stärkeren Schüben oder bei Entzündungen des oberen Magen-Darm-Trakts (z. B. Magen, Speiseröhre und Zwölffingerdarm) sind oftmals systemische Steroide wie Prednisolon nötig. Bei starkem Befall des Dünndarms, dem wichtigsten Aufnahmeort für Nährstoffe, drohen sonst Mangelerscheinungen. Werden entzündete Dünndarmabschnitte operativ entfernt, steigt durch die kürzere Darmpassage ebenfalls das Risiko für Nährstoffmangel. Fachleute sprechen vom Kurzdarmsyndrom.

Hat die Akuttherapie die Beschwerden eingedämmt, wird eine Langzeitbehandlung eingeleitet. Steroide sollten hierfür nicht eingesetzt werden, da eine Dauerbehandlung mit schweren Nebenwirkungen verbunden ist.

Mögliche langfristige Nebenwirkungen von Corticosteroiden sind:

  • Osteoporose
  • Gewichtszunahme
  • Steroiddiabetes
  • Hautverdünnung

Ziel ist es daher, eine steroidfreie Remission zu erreichen. Bei einem milden Krankheitsverlauf und günstiger Prognose reicht oft ein Nikotinverzicht ohne medikamentöse Behandlung aus. Bei schwereren Verläufen werden zur Langzeitbehandlung immunsuppressive Medikamente (z. B. Azathioprin, Methotrexat) sowie TNF-alpha-Antikörper (zz. B.Infliximab) eingesetzt. Diese Wirkstoffe unterdrücken das Immunsystem und wirken entzündungshemmend [6]. Dadurch steigt jedoch die Anfälligkeit gegenüber Pilz- und Virusinfektionen.

Bei gesunden Personen brechen diese Infektionen normalerweise nicht aus, können bei Immungeschwächten jedoch schwerwiegende Folgen haben [7]. Für immunsupprimierte Patient*innen ist daher ein vollständiger Impfschutz gegen die wichtigsten Erreger sinnvoll. Hinzu kommen, abhängig vom Wirkstoff, weitere teils schwerwiegende Nebenwirkungen [6].

Medizinalcannabis bei Morbus Crohn

Cannabinoidrezeptoren sind im Verdauungstrakt weit verbreitet. CB1-Rezeptoren, die durch das psychotrope Tetrahydrocannabinol (THC) aktiviert werden, kommen auf Nervengeflechten vor, die Darmbewegungen, sekretorische Aktivität sowie Darmdurchblutung steuern. THC wirkt so Durchfall entgegen, indem die Darmbewegungen verlangsamt und die Drüsensekretion reduziert wird. Durch Wirkung an CB1-Rezeptoren im Gehirn, Rückenmark und peripheren schmerzleitenden Nervenfasern lindert THC Bauchschmerzen.

Cannabinoide wirken auch entzündungshemmend. Cannabidiol (CBD) aktiviert CB2-Rezeptoren, die hauptsächlich auf Immunzellen und im Magen-Darm-Trakt vorkommen und reduziert so die entzündliche Aktivität. Entzündungsfördernde Botenstoffe (proinflammatorische Zytokine) werden weniger gebildet und die Produktion entzündungshemmender Botenstoffe (antiinflammatorischer Zytokine) gefördert. Inwiefern der CB1-Rezeptor bei Entzündungen bei CED beteiligt ist, ist derzeit nicht vollständig geklärt [8].

Fallbericht: Dosisreduktion von Schmerzmitteln und verbesserter Appetit

In einem 2020 veröffentlichtem Fallbericht konnte Dronabinol – synthetisch hergestelltes THC – den Bedarf an Schmerzmitteln reduzieren. Der 35-jährige Patient litt trotz Einnahme von Tilidin – einem opioidbasiertem Schmerzmittel – und Amitriptylin weiterhin an Schmerzen, die insbesondere nach dem Essen auftreten. Wegen der starken Schmerzen, die der Patient mit 4 bis 8 auf einer numerischen Analogskala von 0 (kein Schmerz) bis 10 (stärkster vorstellbarer Schmerz) angab, aß er nur wenig. Psychischer Stress führten darüber hinaus zu starken Durchfällen und Übelkeit.

Da auch das stärkere Opioid Fentanyl keine Besserung ergab und mit Nebenwirkungen wie Verstopfung verbunden war, wurde eine Cannabinoidtherapie eingeleitet. Bereits eine Woche nach Therapiebeginn berichtete der Betroffene über eine Schmerzreduktion bei der Nahrungsaufnahme und einen besseren Schlaf. Das Opioid konnte wegen nächtlich stärkerer Beschwerden nicht komplett abgesetzt, aber deutlich in der Dosis verringert werden. Durch den appetitsteigernden Effekt von THC konnte der Patient sein Essen wieder genießen. Cannabinoide können also Schmerzen bei Morbus Crohn lindern und damit Opioide einsparen. Die oft mangelernährten Betroffenen profitieren außerdem von der appetitsteigernden Wirkung von THC [9].

Deutsche Patient*innen mit CED verwenden Cannabis

Ein deutsches Forscherteam analysierte 2021 in einer Querschnittsumfrage den Cannabisgebrauch bei Patient*innen mit CED. Die Fragebögen mit insgesamt 71 Fragen wurden an eine repräsentative Stichprobe von 1.000 Personen versandt, 417 Fragebögen wurden ausgefüllt. 54,7 Prozent der Befragten litten an Morbus Crohn. Weitere 43,4 Prozent waren von Colitis ulcerosa betroffen. Mehr als jeder sechste der Patient*innen (17,5 %) gab einen vergangenen Cannabiskonsum zu Genusszwecken an. 18 Personen (4,3 %) gaben an, Cannabis zur Symptomlinderung anzuwenden.

Den Umfrageergebnissen zufolge brachte Cannabis unter anderem folgende Besserungen mit sich: Weniger Bauchschmerzen, verbesserter Schlaf, Linderung von Unruhe sowie Ängsten. Mehr als die Hälfte der Befragten (52,9 %) verwendeten Cannabisprodukte vom Schwarzmarkt, welches im Gegensatz zu Medizinalcannabis keinerlei Qualitätskontrollen unterliegt. Die Ergebnisse zeigen, dass Cannabis von Betroffenen mit CED verwendet wird und weiterer Forschungsbedarf besteht [10].

THC-dominante Cannabisblüten lindern Schmerzen und verbessern Appetit

Israelische Wissenschaftler*innen untersuchten in einer 2013 veröffentlichten Doppelblindstudie die Wirkung von inhalierten Cannabisblüten bei 21 Patient*innen mit Morbus Crohn. Steroide, Immunmodulatoren und TNF-alpha-Blocker waren bei den Betroffenen nicht ausreichend wirksam. Die klinische Symptomatik, gemessen mittels CDAI (Crohn’s Activity Index), lag über 200. Elf Teilnehmende erhielten THC-reiche Cannabisblüten zur Inhalation. Patient*innen der Placebogruppe verwendeten Cannabisblüten, denen die Cannabinoide entfernt wurden. Krankheitsaktivität und Laborparameter wurden während der 8-wöchigen Studienphase engmaschig überwacht.

Durch Anwendung von THC erreichten 5 von 11 Patient*innen (45 %) eine komplette Remission entsprechend einer CDAI kleiner 150. Dagegen kam es unter Scheinmedikament nur bei 10 Prozent zur Remission. Der Unterschied war jedoch statistisch nicht signifikant. Fast alle Teilnehmende der Cannabinoidgruppe (10 von 11 Personen) berichteten jedoch von klinischen Besserungen: THC  besserte Schlaf und Appetit. Unterschiede bei den Entzündungswerten (C-reaktives Protein) zwischen Placebo- und Cannabisgruppe konnten nicht festgestellt werden [11,13].

CBD-reiches Cannabisöl verbessert klinische Symptome und Lebensqualität

Eine weitere israelische Doppelblindstudie aus dem Jahr 2021 zeigte, dass auch CBD-reiches Cannabis-Öl die Beschwerden und Lebensqualität bei Morbus Crohn verbessern kann. Die Studienmedikation enthielt neben CBD auch eine geringe Dosis THC. 56 Patient*innen im Alter von durchschnittlich 34,5 Jahren nahmen an der Untersuchung teil. Nach dem Zufallsprinzip wurden 30 Personen der Cannabinoid- und 26 der Placebogruppe zugeordnet.

Nach 8-wöchiger Behandlung kam es in der Gruppe, die Cannabisöl einnahm, zu deutlichen Besserungen von Krankheitsaktivität und Lebensqualität. Die klinische Symptomatik wurde mit dem CDAI (Crohn’s Activity Index) bewertet: Unter Cannabis nahm die Aktivität von 282 signifikant auf 166 ab, verglichen mit einer Besserung von lediglich 264 auf 237 in der Placebogruppe. Die Lebensqualität wurde mit QOL (quality of life) erfasst: Vor Behandlungsbeginn lag sie in beiden Gruppen bei 74. Unter Cannabisöl besserte sie sich auf 91, während unter Scheinmedikament mit 75 praktisch keine Auswirkung feststellbar war. Die Ergebnisse der endoskopischen Untersuchungen besserten sich jedoch nicht wesentlich. Ebenso blieben die Entzündungswerte CRP (C-reaktives Protein) und Calprotectin unverändert [12].

In-vitro-Studie: CBD wirkt entzündungshemmend

2021 untersuchte ein italienisches Forscherteam die Effekte der Cannabinoide CBD, CBDA, THC und CBDA im “Reagenzglas”. Als Modell verwendeten die Wissenschaftler*innen Caco-2-Zellen, die zu einer Linie menschlicher Darmkrebszellen gehören und die Eigenschaften der Darmbarriere gut nachstellen. Um die Effekte der Cannabinoide unter normalen und krankhaften Bedingungen zu bewerten, wurden die Darmzellen mit unterschiedlichen Substanzen behandelt: Die Zytokine IFN-gamma und TNF-alpha lösen Entzündungen aus und Wasserstoffperoxid bewirkt oxidativen Stress. Anschließend wurden unterschiedlich konzentrierte Cannabinoide auf die Zellschicht aufgebracht und der Zustand der Darmbarriere durch Messungen und Experimente beurteilt.

  • Oxidativer Stress trägt zur Entstehung von CED Dabei gebildete reaktive Sauerstoffspezies (ROS) greifen die Darmschleimhaut an. An intakten Caco-2-Zellen zeigte sich, dass bestimmte Konzentrationen THC, CBD und CBDA die Bildung dieser Sauerstoffradikale reduzierte. Die Versuche wurden anschließend unter oxidativen Bedingungen, also nach Behandlung mit Wasserstoffperoxid wiederholt: Bei oxidativem Stress minderten THC, THCA und insbesondere CBD die Radikalbildung signifikant. CBD konnte in jeder untersuchten Konzentration die Radikale eindämmen.
  • Um die Barrierefunktion zu beurteilen, wurden die Caco-2-Zellen mikroskopisch untersucht. Sogenannte Tight Junctions halten die Darmwand dicht. Genetische Ursachen, entzündungsfördernde Zytokine (INF-gamma und TNF-alpha) und oxidativer Stress stören die Funktion der Tight Junctions, wodurch die Darmwand undicht wird: Experimentell ist das erkennbar in einer Erhöhung des transepithelialen elektrischen Widerstands (TEER: Transepithelial Electrical Resistance) und erhöhter parazellulärer Permeabilität. Bakterien, Toxine und Antigene wandern so leichter in die Darmwand ein und lösen Entzündungen aus, welche die Tight Junctions stören. CBD wirkt entzündungshemmend und beugt daher Schäden der Darmwand vor. Die Tight Junctions bleiben intakt und die Barrierefunktion bleibt erhalten.

Die Ergebnisse der In-vitro Studie zeigen, dass CBD Entzündungen bei CED über verschiedene Wege modulieren kann: Es werden weniger Sauerstoffradikalen gebildet und die normale Durchlässigkeit der Darmwand wird auch unter entzündlichen und oxidativen Stressbedingungen aufrecht erhalten. Nicht-psychotropes CBD kann daher die Behandlung der CED unterstützen [14].

Das psychotrope Cannabinoid THC wirkt ebenfalls oxidativem Stress entgegen [14], kann die Lebensqualität von Patient*innen mit CED verbessern und Schmerzmittel bei Morbus Crohn einsparen. Chronische Bauchschmerzen gehen zurück, Schlaf und Appetit bessern sich [9, 11, 13].

Fazit

Viele Patient*innen mit Morbus Crohn verwenden bereits Cannabisprodukte. Bisherige randomisierte Doppelblindstudien konnten jedoch keinen signifikanten Einfluss auf die Aktivität der Krankheit und die Entzündungsparameter belegen. Cannabinoide scheinen also keine Remission herbeiführen zu können. THC und CBD können jedoch belastende Beschwerden wie Übelkeit und Bauchschmerzen lindern. Die appetitsteigernde Wirkung des psychotropen THC sorgt dafür, dass Betroffene wieder mit Genuss Essen können. Größere klinische Studien sind nötig, um die Wirkung von Cannabinoiden bei Morbus Crohn tiefer gehend zu untersuchen. Die weltweit zunehmende Verfügbarkeit von Medizinalcannabis erleichtert die zukünftige Forschung. Insbesondere entzündungshemmendes CBD kann möglicherweise die Krankheitsaktivität beeinflussen und kann in Zukunft ein wichtiger Wirkstoff zur Behandlung von CED sein. Daher kann es sinnvoll sein, die Behandlung von Morbus Crohn mit CBD zu beginnen.

Quellen:

[1] Worldwide incidence and prevalence of inflammatory bowel disease in the 21st century: a systematic review of population-based studies Ng, Siew C et al. The Lancet, October 16 – 2017, Volume 390, Issue 10114, 2769 – 2778

[2] Wehkamp J, Götz M, Herrlinger K, Steurer W, Stange EF: Inflammatory bowel disease: Crohn’s disease and ulcerative colitis. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 72–82. DOI:  10.3238/arztebl.2016.0072

[3] Vetter, C. (2004): Morbus Crohn – Bakterieninvasion durch Defensin-Mangel. In: Dtsch Arztebl 2004; 101(22): A-1608

[4] Kaczmarek-Ryś M, Hryhorowicz ST, Lis E, et al. Crohn’s Disease Susceptibility and Onset Are  – Strongly Related to Three NOD2 Gene Haplotypes. J Clin Med. 2021;10(17):3777. Published – 2021 Aug 24. doi:10.3390/jcm10173777

[5] Aktualisierte S3-Leitlinie „Diagnostik und Therapie des Morbus Crohn“ der Deutschen Gesell-schaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) August 2021 – AWMF-Registernummer: 021 004; https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/021-                         004l_S3_Morbus_Crohn_Diagnostik_Therapie_2021-08.pdf

[6] Aktualisierte S3-Leitlinie „Diagnostik und Therapie des Morbus Crohn“ der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) August 2021 – AWMF-Registernummer: 021-004

[7]  Salzberger, B., Witzke, O. Opportunistische Infektionen. Internist 60, 667–668 (2019). https://doi.org/10.1007/s00108-019-0624-5

[8] Perisetti, A., Rimu, A. H., Khan, S. A., Bansal, P., & Goyal, H. (2020). Role of cannabis in inflammatory bowel diseases. Annals of gastroenterology, 33(2), 134–144. https://doi.org/10.20524/aog.2020.0452

[9] Bialas, P. (2020): Medizinisches Cannabis bei Morbus Crohn. Schmerzmittelreduktion. In: MMW – Fortschritte in der Medizin Sonderheft 8/2020 (2020)

[10]  Neufeld T, Pfuhlmann K, Stock-Schröer B, Kairey L, Bauer N, Häuser W, Langhorst J. Cannabis use of patients with inflammatory bowel disease in Germany: a cross- sectional survey. Z Gastroenterol. 2021 Oct;59(10):1068-1077. English. doi: 10.1055/a-1400-2768. Epub 2021 Jun 22. PMID: 34157755.

[11] Naftali T, Bar-Lev Schleider L, Dotan I, Lansky EP, Sklerovsky Benjaminov F, Konikoff FM. Cannabis induces a clinical response in patients with Crohn’s disease: a prospective placebo-controlled study. Clin Gastroenterol Hepatol. 2013 Oct;11(10):1276-1280.e1. doi: 10.1016/j.cgh.2013.04.034. Epub 2013 May 4. PMID: 23648372.

[12] Timna Naftali, Lihi Bar-Lev Schleider, Shlomo Almog, David Meiri, Fred M Konikoff, Oral CBD-rich cannabis induces clinical but not endoscopic response in patients with Crohn’s disease, a randomized controlled trial, Journal of Crohn’s and Colitis, 2021; jjab069, https://doi.org/10.1093/ecco-jcc/jjab069

[13]Buckley MC, Kumar A, Swaminath A. Inflammatory Bowel Disease and Cannabis: A Practical  Approach for Clinicians. Adv Ther. 2021;38(7):4152-4161. doi:10.1007/s12325-021-01805-8

[14] Cocetta V, Governa P, Borgonetti V, et al. Cannabidiol Isolated From Cannabis sativa L. Protects Intestinal Barrier From In Vitro Inflammation and Oxidative Stress. Front Pharmacol. 2021;12:641210. Published 2021 Apr 28. doi:10.3389/fphar.2021.641210

About Minyi Lü

Minyi Lü leidet an chronischen Schmerzen aufgrund ihrer Fingerarthrose. Ihre Beschwerden behandelt sie seit 2017 sehr erfolgreich mit medizinischem Cannabis. Als Pharmazeutin im Praktikum bringt sie nun ihr Know-how ein, um über die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse rund um Medizinalcannabis zu berichten.

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