Cannabinoide

Satz von Molekülen, die mit den Rezeptoren des Endocannabinoid-Systems interagieren

Rufen Sie heute an - +49 (0)30 5093112 60

Cannabinoide

Cannabinoide sind eine Gruppe von Molekülen, die mit den Rezeptoren des Endocannabinoid-Systems in Wechselwirkung treten. Sie lassen sich nach Art ihrer Herkunft unterscheiden: So werden sie als Endocannabinoide bezeichnet, wenn sie in unserem Körper als ein Teil von physiologischen Prozessen auftreten. Haben sie hingegen einen pflanzlichen Ursprung, werden sie als Phytocannabinoide bezeichnet. Außerdem können Cannabinoide künstlich in einem Labor erzeugt werden. In diesem Fall werden sie als synthetische Cannabinoide bezeichnet.

Infografiken zur Wirkungsweise von Cannabinoiden

Endocannabinoide

Endocannabinoide sind Botenstoffe, die von unserem Körper produziert werden. Die wichtigsten Endocannabinoide sind Anandamid und 2-Arachidonoylglycerol (2-AG). Beide werden nur dann synthetisiert, wenn der Körper sie benötigt. Dementsprechend wirken sie nicht auf eine systemische Art und Weise, sondern nur lokal an ihren entsprechenden Rezeptoren.

In den letzten Jahren hat das Wissen über die Wirkung von Cannabinoiden auf verschiedene physiologische Systeme deutlich zugenommen. So wurde herausgefunden, dass das Endocannabinoid-System die drei grundlegenden physiologischen Regulationssysteme beeinflusst: das Neurotransmittersystem, das Immunsystem und das endokrine System.

Untersuchte Endocannabinoide

  • Anandamida (AEA)
  • 2-Araquidonil-glicerol (2-AG),
  • Noladin
  • Virodamid
  • N-Arachidonyl-Dopamin

Möchten Sie mehr über Cannabinoide wissen?

Wir haben ein Team von Spezialisten, die darauf warten, alle Fragen zu beantworten

Phytocannabinoide

In den verschiedenen Cannabissorten können insgesamt etwa 500 verschiedene chemische Komponenten gefunden werden, von denen etwa 100 zur Familie der Phytocannabinoide gehören (Waseeem, 2014). Die am häufigsten auf einen therapeutischen Nutzen untersuchten Cannabinoide sind delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD). In den letzten Jahren haben Forscher allerdings angefangen auch andere Cannabinoide, wie Tetrahydrocannabivarin (THCV) oder Cannabigerol (CBG) zu erforschen. In präklinischen Studien konnte gezeigt werden, dass auch diese Cannabinoide medizinische Eigenschaften besitzen.

In der rohen Cannabispflanze liegen Cannabinoide zunächst in säurehaltiger Form vor. In diesem Zustand hat beispielsweise THC keine psychoaktive Wirkung. Erst durch die Einwirkung von Wärme durchlaufen die Cannabinoide einen Prozess der Decarboxylierung und gehen in ihre aktive Form über.

Neben den Cannabinoiden sind in der Cannabispflanze noch weitere chemische Verbindungen mit therapeutischem Potenzial vorzufinden. Besonders hervorzuheben sind Terpene, denen nachgesagt wird, dass sie zu den organoleptischen Eigenschaften von Cannabis beitragen (McPartland et al., 2014). Weitere Komponenten der Pflanze sind: Flavanoide, Alkaloide und Phytosterole. Allerdings sind diese noch nicht ausreichend untersucht, um endgültig über ihren therapeutischen Nutzen urteilen zu können.

Entourage-Effekt von Cannabinoiden | Kalapa Clinic

Entourage-Effekt von Cannabinoiden

Durch die Vielfalt an Komponenten in der Cannabispflanze können Wechselwirkungen entstehen, die sowohl synergetischer, als auch antagonistischer Natur sein können.

Bei der Untersuchung der Wechselwirkungen der verschiedenen Cannabinoide konnte beobachtet werden, dass Behandlungen mit dem Extrakt aus der kompletten Cannabispflanze, in Hinblick auf Wirksamkeit und Verträglichkeit, vielversprechender sind, als die Behandlungen mit den einzelnen, isolierten Wirkstoffen der Pflanze.

Dieses Phänomen, welches „Entourage-Effekt“ genannt wird, wurde 1998 erstmals von Raphael Mechoulam beschrieben (Ben-Shabbat, 1998; Russo und Taming, 2011). Das beste Beispiel für den Entourage-Effekt ist die Kombination von THC und CBD. Durch die gemeinsame Zunahme, erhöht sich zum einen die Bioverfügbarkeit der Cannabinoide (Der Körper nutzt die verfügbare Menge auf die effizienteste Art und Weise), zum anderen werden die Nebenwirkungen des THC wirkungsvoll reduziert (McPartland et al., 2014). Obwohl es bisher nur wenige Studien zu diesem Thema gibt, wird angenommen, dass der Entourage-Effekt nicht nur aufgrund der Wechselwirkung zwischen den verschiedenen Phytocannabinoiden, sondern auch auf Wechselwirkung zwischen Cannabinoiden und den anderen Komponenten der Pflanze, wie Terpenen und Flavonoiden zurückzuführen ist.

Möchten Sie mehr über Cannabinoide wissen?

Wir haben ein Team von Spezialisten, die darauf warten, alle Fragen zu beantworten

Synthetische Cannabinoide

Synthetische Cannabinoide werden, wie der Name vermuten lässt, künstlich im Labor erzeugt. Bei der künstlichen Herstellung werden die Eigenschaften der Endocannabinoide und Phytocannabinoide „nachgeahmt“, so treten diese zwar auch mit den CB1- und CB2-Rezeptoren in Wechselwirkung, allerdings ist ihre Wirksamkeit nicht mit der Wirksamkeit der Phytocannabinoide oder Endocannabinoide zu vergleichen. (Mechoulam, 2016).

Die ersten synthetischen Cannabinoide wurden in den 70er Jahren mit dem Zweck entwickelt, das Endocannabinoidsystem genauer zu erforschen, um es besser verstehen zu können.

Einige synthetische Cannabinoide, wie Dronabinol und Nabilon, werden zur therapeutischen Behandlung der Symptome einer Chemotherapie verwendet. So sollen sie Übelkeit und Erbrechen reduzieren, welche im Zuge einer Chemotherapie auftreten. Des Weiteren werden sie aufgrund ihrer orexigenen Eigenschaften häufig zur Behandlung von Anorexie (z.B. bei HIV-Patienten) eingesetzt.

Molekülstruktur von Tetrahydrocannabinol und Tetrahydrocannabinsäure
Molekülstruktur von Tetrahydrocannabinol und Tetrahydrocannabinsäure


Quellenverzeichnis

El Sohly M, Waseeem G. Constituents of Cannabis Sativa. In: Pertwee RG, editor. Handbook of Cannabis. Oxford, United Kingdom: Oxford University Press; 2014. p. 3-22.

Ben-Shabat S, Fride E, Sheskin T, Tamiri T, y cols. An entourage effect: inactive endogenous fatty acid glycerol esters enhance 2- arachidonoyl-glycerol cannabinoid activity. Eur J Pharmacol. 1998;353(1):23-31.

Russo EB. Taming THC: potential cannabis synergy and phytocanna- binoid-terpenoid entourage effects. Br J Pharmacol. 2011;163(7):1344-64.

McPartland JM, Russo EB. Non-Phytocannabinoid Constituents of Cannabis and Herbal Synergy. In: Pertwee RG, editor. Hand- book of Cannabis. Oxford, United Kingdom: Oxford University Press; 2014. p. 280-95.

Mechoulam R. Cannabis – the Israeli perspective. J Basic Clin Physiol Pharmacol. 2016, 27(3):181-187

Möchten Sie mehr über Cannabinoide wissen?

Wir haben ein Team von Spezialisten, die darauf warten, alle Fragen zu beantworten