News: CBD gegen Schmerzen bei peripherer diabetischer Neuropathie (DNP) im Fuß

Diabetespatienten und -patientinnen leiden häufig unter einer peripheren diabetischen Neuropathie (DNP). Bei dieser Erkrankung kommt es zu schmerzhaften Nervenschädigungen der Hände und Füße, die medikamentös oft unzureichend oder nur gekoppelt mit schweren Nebenwirkungen beherrschbar sind. Ein amerikanisches Forscherteam fand in einer Doppelblindstudie heraus, dass nicht-psychotropes Cannabidiol (CBD) ein effektives und nebenwirkungsarmes Medikament zur Behandlung von Schmerzen bei peripherer DNP der Füße ist. Nach einmonatiger Behandlung mit einer CBD-Sublingualtablette nahmen die Schmerzen signifikant ab. Auch Schlafstörungen und Angstsymptome besserten sich mit einer Steigerung der Lebensqualität.

Was ist eine periphere diabetische Neuropathie (DNP)?

Über die Hälfte aller Diabetes-Patient*innen sind von einer peripheren diabetischen Neuropathie betroffen. Dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte schädigen Nerven an Händen und Füßen. Die damit verbundenen starken Schmerzen schränken die Lebensqualität ein. Etablierte Medikamente gegen DNP lindern die Schmerzen, können jedoch schwerwiegende Nebenwirkungen haben. In Amerika sind folgende Wirkstoffe zugelassen, von denen die beiden erstgenannten auch in Deutschland eine Zulassung besitzen:

  • Pregabalin (krampflösendes Medikament)
  • Duloxetin (selektiver Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer)
  • Tapentadol (Opioid-Analgetikum, selektiver Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer)

Auch andere Medikamente, wie beispielsweise trizyklische Antidepressiva, opiathaltige Schmerzmittel, Paracetamol und nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) können unerwünschte Effekte hervorbringen und wirken oft unzureichend. Physikalische Therapien sind ebenfalls häufig nicht ausreichend.

Doppelblindstudie an 54 Diabetes-Patient*innen mit diagnostizierter peripherer DNP

Das Forscherteam wählte für die Doppelblindstudie zwischen Januar und März 2021 unter Berücksichtigung der Ein- und Ausschlusskriterien 55 Patient*innen mit einer diagnostizierten DNP der Füße aus. Die durchschnittlich 52,62 Jahre alten Betroffenen gaben Nervenschmerzen auf der numerischen Rating-Skala von 0 (schmerzfrei) bis 10 (maximal vorstellbarer Schmerz) mit über 5 an, entsprechend mittelstarken bis starken Schmerzen.Fast alle (96,3 %) Betroffenen hatten zusätzliche Begleiterkrankungen. Mit einem durchschnittlichen Body-Mass-Index (BMI) von 31,97 waren die meisten Teilnehmenden übergewichtig. Die Fußschmerzen wurden individuell sehr unterschiedlich beschrieben: stechend und scharf, kribbelnd, dumpf, brennend, kalt oder drückend. Einer der 55 Teilnehmenden brach die Studie bei den Voruntersuchungen zu Schmerzstärke, Schlaf- und Angstsymptomatik ab, sodass 54 die Medikamenteneinnahme begonnen.

Nach dem Zufallsprinzip wurden die Betroffenen in die CBD- oder die Placebogruppe eingeteilt. Cannabidiol (CBD) wurde als wasserlösliche Sublingualtablette eingenommen, welche unter die Zunge gegeben wird. Das Scheinmedikament war eine wirkstofffreie Sublingualtablette. Die Betroffenen nahmen die Medikamente dreimal täglich im Abstand von 6 Stunden (morgens, mittags, abends) für 28 Tage ein. Die Patient*innen dokumentierten die Behandlung mit einer Smartphone-App. Mit Fragebögen wurden die Auswirkungen auf Schmerzstärke, Schlafqualität, Angstsymptome und Lebensqualität beurteilt. Im Verlauf der Studie schieden weitere 3 Personen aus, sodass 51 Diabetes-Patient*innen die Untersuchungen wie vom Forscherteam geplant abschlossen.

Sehr gutes Sicherheitsprofil von CBD

Ziel des Forscherteams war es, die Sicherheit von Cannabidiol (CBD) bei Behandlung von schmerzhafter peripherer DNP der Füße zu untersuchen. Außerdem beobachteten die Wissenschaftler*innen die Auswirkungen auf Schmerzen, Schlafqualität und Angstsymptome im Vergleich zu Placebo. In der 4-wöchigen Studienphase traten in der mit CBD behandelten Gruppe keine Nebenwirkungen auf. Bei Einnahme der wirkstofffreien Sublingualtablette erlitt ein Teilnehmender Magen-Darm-Beschwerden, worauf die Testperson die Studie abbrach. CBD ist also ein sicheres und gut verträgliches Medikament bei DNP.

Statistisch und klinisch signifikante Schmerzlinderung

Vor Studienbeginn hatten die meisten Patient*innen starke Schmerzen mit einer durchschnittliche Schmerzstärke von 7,31 sowie einer maximalen Schmerzstärke von 8,72. Die CBD-haltigen Sublingualtabletten besserten die Nervenschmerzen. Sowohl durchschnittliche als auch maximale Schmerzstärke gingen signifikant zurück: Nach 28 Tagen nahm der Durchschnittsschmerz um -3,56 auf 3,75 ab, verglichen zu einer Reduktion von -1,74 unter Scheinmedikament. Der Maximalschmerz ging unter CBD um -3,7 auf 5,02 zurück, verglichen mit -1,85 unter Placebo. Die Beschwerden nahmen von Woche zu Woche ab. Das nicht-psychotrope Cannabidiol reduzierte damit die durchschnittliche Schmerzstärke der Patient*innen um fast die Hälfte und den Maximalschmerz um fast ein Drittel.

Klinische Besserung von Schlaf und Angst

Die Schlafqualität wurde mit der sogenannten PSQI-Skala (Pittsburgh Sleep Quality Index) abgefragt. Diese Skala hat 21 Stufen, wobei höhere Werte einen schlechten Schlaf bedeuten. Vor Einleitung der Cannabinoidtherapie schliefen die meisten Patient*innen schlecht (durchschnittlicher PSQI-Wert von 10,72). Sowohl in der CBD- als auch in der Placebogruppe besserte sich der Schlaf: In der CBD-Gruppe fiel der Wert um -3,41 verglichen mit -2,70 in der Personengruppe, die Placebo einnahm.

Angstsymptomen wurde mit der SAS-Skala (Anxiety Self-Assessment Scale von Zung) eingestuft. Die Einschätzung erfolgt auf einer Skala von 20 bis 80, wobei höhere Werte stärkere Angst bedeuten. Vor Behandlungsbeginn hatten die meisten Betroffenen leichte bis mittelschwere Ängste (durchschnittlicher SAS-Wert von 48,91). Auch die Angst ging in beiden Gruppen zurück: In der CBD-Gruppe reduzierte sich der Wert um durchschnittlich -4,37 im Vergleich zu einem Rückgang von -3,11 in der Placebo-Gruppe.

Der Unterschied zwischen CBD- und Placebogruppe in der Besserung von Schlaf und Angst war statistisch nicht signifikant. Es trat jedoch eine klinische Besserung von Schlaf und Angstsymptomen ein. Schmerzlinderung, Besserung des Schlafs und Reduktion von Ängsten tragen zur besseren Lebensqualität der Diabetes-Patient*innen bei.

Weitere Untersuchungen nötig

Die Wissenschaftler*innen weisen jedoch darauf hin, dass die Studie möglicherweise nicht die Wirkung von CBD unter Praxisbedingungen abbildet. Grund hierfür sind die engen Auswahlkriterien der Teilnehmenden. Beispielsweise wurden Personen von der Studie ausgeschlossen, die gleichzeitig andere Neuropathie-Medikamente (z. B. Duloxetin) oder Cannabisprodukte einnahmen. Eine weitere Limitierung ist der sehr strenge Studienablauf (z. B. Dokumentation mit dem Handy), der oft nicht der Realität entspricht. Daher sind in Zukunft Studien mit breiteren Einschlusskriterien nötig.

Quelle:

Kimless D, Caloura MK, Goldner S. (2021) Cannabidiol (CBD) For the Treatment of Painful Diabetic Peripheral Neuropathy of The Feet: A Placebo-Controlled, Double-Blind, Randomized Trial. J Diabetes Metab. 12:870

About Minyi

Minyi Lü leidet an chronischen Schmerzen aufgrund ihrer Fingerarthrose. Ihre Beschwerden behandelt sie seit 2017 sehr erfolgreich mit medizinischem Cannabis. Als PTA und Pharmaziestudentin bringt sie nun ihr Know-how ein, um über die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse rund um Medizinalcannabis zu berichten.