News: Cannabis wird häufig gegen Symptome von Darmerkrankungen eingesetzt

chronic pain

Eine anonyme Befragung aus Neuseeland unter Menschen, die an einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung leiden und Cannabis konsumieren, ergab: 32 Prozent dieser Personen nutzen Cannabis, um damit die Symptome ihrer Erkrankung zu behandeln.

Umfrage unter Personen mit chronisch entzündlicher Darmerkrankung

Die Anzahl der Menschen, die an chronisch entzündlichen Darmerkrankungen leiden, steigt weltweit. Im Jahr 2017 waren 140 bis 160 von 100.000 Neuseeländer*innen betroffen. Ein wissenschaftliches Team der Dunedin School of Medicine von der University of Otago in Neuseeland untersucht aktuell, wie Medizinalcannabis dazu beitragen kann, diese äußerst belastenden Beschwerden zu lindern.

Die Forscher*innen luden Betroffene über die Post oder das Internet zu einer anonymen Befragung ein. Insgesamt 378 Teilnehmende beendeten die Umfrage, von denen 334 analysiert werden konnten. 61 Prozent gaben als Diagnose Morbus Crohn an. 34 Prozent litten an Colitis ulcerosa.

Knapp über die Hälfte der Befragten (51%) gab an, Cannabis schon einmal probiert zu haben. Von den Personen mit Cannabiserfahrung gaben 63 Prozent an, Cannabis hauptsächlich als Freizeitdroge zu nutzen. 31 Prozent wenden die Pflanze zur Symptomlinderung an. Nach eigenen Angaben der Personen besserten sich vor allem Bauchschmerzen, Krämpfe, Übelkeit, Erbrechen sowie Appetitlosigkeit. 54 Prozent der Befragten gaben an, im Falle einer Legalisierung von Cannabis den offiziellen Weg über eine ärztliche Verschreibung nutzen zu wollen, um medizinisch von Cannabis zu profitieren.

Was ist Morbus Crohn bzw. Colitis ulcerosa?

Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa gehören zu den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Die Beschwerden treten schubförmig auf und äußern sich zum Beispiel als Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall.

Bei Morbus Crohn kann der gesamte Verdauungstrakt betroffenen sein. Am häufigsten findet man entzündete Bereiche im letzten Teil des Dünndarms (Ileum) oder im Dickdarm. Etwa 130.000 Menschen sind in Deutschland betroffen. Meistens beginnt die Erkrankung im jungen Erwachsenenalter zwischen 20 und 30 Jahren, wobei der Krankheitsverlauf individuell unterschiedlich ist. Die genaue Ursache für Morbus Crohn ist derzeit nicht vollständig geklärt. Es scheinen jedoch genetische Faktoren, Infektionen oder eine Fehlleitung des Immunsystems eine Rolle zu spielen.

Bei der Colitis ulcerosa kommt es zu einer Entzündung der Schleimhaut des Dick- und Enddarms, die sich kontinuierlich in Richtung Magen ausbreitet. Üblicherweise werden Patient*innen mit Medikamenten behandelt, die diese Entzündungen reduzieren sollen. Falls diese nicht mehr ausreichend wirken, wird operiert. Auch die Colitis ulcerosa beginnt im jungen Erwachsenenalter.

Weiterführende Studien nötig

Das Forscherteam konnte in ihrer Beobachtungsstudie zeigen, dass viele Patient*innen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen Cannabis konsumieren. Einige wenden es bewusst medizinisch an, um ihre Symptome zu lindern und ihre Lebensqualität zu steigern. Größere klinische Studien sind nötig, um eine gezielte medizinische Therapie mit der besten Dosierung und Applikationsart zu ermöglichen.

Quellen:

  • Attitudes towards and use of cannabis in New Zealand patients with inflammatory bowel disease: an exploratory study. Appleton K, Whittaker E, Cohen Z, Rhodes HM, Dunn C, Murphy S, Gaastra M, Galletly A, Dougherty S, Haren A, Sukumaran N, Aluzaite K, Dockerty JD, Turner RM, Schultz M.  NZ Med J. 2021 Feb 19;134(1530):38-47. PMID: 33651776.
  • The global, regional, and national burden of inflammatory bowel disease in 195 countries and territories, 1990–2017: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2017 Alatab, Sudabeh et al. The Lancet Gastroenterology & Hepatology, Volume 5, Issue 1, 17 – 30

Image:  Holger Langmaier en Pixabay 

About Minyi

Minyi Lü leidet an chronischen Schmerzen aufgrund ihrer Fingerarthrose. Ihre Beschwerden behandelt sie seit 2017 sehr erfolgreich mit medizinischem Cannabis. Als PTA und Pharmaziestudentin bringt sie nun ihr Know-how ein, um über die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse rund um Medizinalcannabis zu berichten.