Das Humane Immundefizienz-Virus (HIV) betrifft weltweit etwa 36 Millionen Menschen. An der Krankheit, die durch den Kontakt mit Körperflüssigkeiten (z.B. Blut, Sperma und Vaginalsekret) übertragen wird und sich durch die Zerstörung der Zellen des Immunsystems auszeichnet, sind seit ihrer Entdeckung in den 1980er Jahren etwa 35 Millionen Menschen gestorben.  Die Tatsache, dass die WHO-Region Europa der einzige Kontinent ist, auf dem die Zahl der Neuinfektionen weiter ansteigt, unterstreicht, dass HIV auch heute kein weniger ernstzunehmendes Problem ist.

Obwohl intensiv geforscht wird, ist HIV bis heute weder heilbar, noch gibt es eine Impfung. Allerdings existiert mit der hochaktiven antiretroviralen Therapie (HAART) eine Behandlungsform, die Patienten ein weitgehend normales Leben und eine hohe Lebenserwartung ermöglicht. Nichtsdestotrotz bleibt eine Reihe von Beschwerden bestehen, mit denen HIV Patienten zu kämpfen haben. In diesem Zusammenhang hat sich Cannabis als ein hilfreiches Mittel erwiesen.

Es existiert eine Vielzahl von Studien, in denen die potenziell positiven Effekte einer Cannabis-Behandlung für Menschen mit HIV dokumentiert wurden. So können Cannabinoide zum Beispiel die oft von HIV Patienten beklagten Muskel- und Gelenkschmerzen, Appetitlosigkeit (und damit verbunden Anorexie und Kachexie) und Übelkeit reduzieren. Darüber hinaus kann Cannabis auch positive Effekte in Bezug auf Depressionen haben, mit denen viele Patienten zu kämpfen haben.

Cannabis könnte zum Erhalt der mentalen Leistungsfähigkeit beitragen

Neben diesen bereits bekannten positiven Eigenschaften der Cannabinoide in der HIV Behandlung, hat eine Studie von Forschern der University of Michigan nun eine weitere Entdeckung gemacht:

Cannabis könnte der Abnahme der mentalen Leistungsfähigkeit entgegenwirken, die bei ca. 50 % aller Patienten im Laufe der Krankheit auftritt. Es wird davon ausgegangen, dass diese Abnahme der kognitiven Fähigkeiten zum Teil einer chronischen Entzündung im Gehirn geschuldet ist, die auftritt, da das Immunsystem permanent stimuliert wird.

Im Rahmen der Studie der University of Michigan konnte diesbezüglich nachgewiesen werden, dass Cannabinoide aufgrund ihrer entzündungshemmenden Eigenschaften in der Lage sind, die Anzahl entzündeter weißer Blutzellen (Monozyten) zu reduzieren.

Diese Verringerung der entzündeten Zellen könnte, so folgern die (leitenden) Forscher, den entzündlichen Prozess im Gehirn verlangsamen oder sogar gänzlich stoppen. HIV Patienten könnte es auf diese Weise ermöglicht werden, ihre kognitiven Fähigkeiten deutlich länger zu erhalten.

Zu diesem Ergebnis kamen die Forscher durch die Entnahme von Blutproben von 40 HIV-Patienten, die angegeben hatten, ob sie Cannabis konsumieren oder nicht. Nach der Isolation der weißen Blutzellen jedes Spenders ermittelten sie die Zahl der entzündeten Zellen. Das Ergebnis: Cannabis konsumierende Patienten hatten ein deutlich geringeres Level an entzündeten Zellen als Nichtkonsumenten.

Michael D. Rizzo, Co-Autor der Studie, sagt man werde den Zusammenhang zwischen Cannabis und Entzündungen im Gehirn weiter erforschen. Davon verspreche man sich nicht nur weitere Erkenntnisse für die HIV Behandlung, sondern auch für andere das Gehirn betreffende Krankheiten, wie Alzheimer und Parkinson.

Die Forscher der University of Michigan sind jedoch nicht alleine in ihren Bestrebungen, das medizinische Potenzial von Cannabis in der HIV Behandlung weiter zu erforschen.

Robert L. Cook, Professor für Epidemiologie an der University of Florida, hat kürzlich eine Förderungszusage über 3,2 Millionen Dollar für eine großangelegte Studie über die Effekte von Cannabis Konsum bei HIV Patienten erhalten.

Diese soll 400 Teilnehmer umfassen und über 5 Jahre nicht nur die Wirkung von Cannabis auf die Gehirne der Patienten dokumentieren, sondern auch Erkenntnisse darüber liefern, ob Cannabis möglicherweise sogar dabei hilft, das HI-Virus zu unterdrücken.