In den vergangenen Wochen ist in den sozialen Medien und auf Nachrichtenseiten immer mal wieder die Frage aufgetaucht, ob der Einsatz von Medizinalcannabis bei der Lungenkrankheit COVID-19 einen medizinischen Nutzen haben kann. Tatsächlich verfolgt die Forschung aktuell interessante Ansätze.

Was ist COVID-19?

Als COVID-19 wird die Lungenerkrankung bezeichnet, die von dem Coronavirus Sars-CoV-2 ausgelöst wird. Es handelt sich hierbei um einen neuartigen Virus, der eng mit dem Sars-Virus (Sars-SoV) verwandt ist und erstmals im vergangenen Jahr auf einem chinesischen Markt in der Stadt Wuhan auftrat. Bisher ist nicht bekannt, woher das Virus ursprünglich stammt. Jedoch gelten Fledermäuse und Flughunde als mögliches Virus-Reservoir.

Der Virus Sars-CoV-2 wird durch Tröpfcheninfektion, also beim Sprechen oder Husten, verbreitet. Wie lange das Virus auf verschiedenen Oberflächen überlebt, ist noch unklar. Abhängig von verschiedenen Faktoren, wie zum Beispiel der Oberflächenart, der Feuchtigkeit oder Temperatur, könnte das Virus einige Stunden, aber auch einige Tage überleben. Die Behörden schätzen jedoch die Wahrscheinlichkeit, dass ein mit Sars-CoV-2 infizierter Mensch Oberflächen verunreinigt, als gering ein.

Inkubationszeit und Symptome

Der Zeitraum zwischen der Infektion und dem Beginn der Symptome (Inkubationszeit) beträgt beim Sars-CoV-2-Virus 2 bis 14 Tage. Die Symptome sind unspezifisch und können sich in Form von trockenem Husten, Fieber und Atemproblemen zeigen. Zudem berichten viele Betroffene von dem vorübergehenden Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns.

Einige infizierte Personen zeigen gar keine Symptome, während andere unter einer leichten Erkältungssymptomatik mit Halsschmerzen und Frösteln leiden. Mitunter können Betroffene auch unter Kopfschmerzen und Durchfall leiden.

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und dem Robert-Koch-Institut nehmen etwa 80 Prozent der Fälle einen milden verlauf. Rund 14 Prozent der Betroffenen entwickeln eine schwere Symptomatik mit Atemnot und Lungenentzündung. Bei etwa 5 Prozent kommt es zu einem lebensbedrohlichen Zustand mit septischem Schock, Atemstillstand oder Multiorganversagen.

Besonders gefährdet sind insbesondere ältere Menschen, aber auch Personen mit den folgenden Vorerkrankungen:

  • Atemwegserkrankungen
  • Bluthochdruck
  • Herzkreislauferkrankungen
  • Diabetes

Forschungen zu medizinischem Cannabis und COVID-19

Forscher der kanadischen University of Lethbridge erklären in ihrer Preprint-Studie, dass die Cannabinoide THC und CBD womöglich in der Lage sein könnten, die Ausbreitung des Virus in die Zellen der Lunge zu verhindern. [1]

In der Studie heißt es, dass der Sars-CoV-2-Virus den ACE2-Rezeptor benötigt, um in die menschliche Wirtszelle einzudringen. Dieser Rezeptor findet sich dabei nicht nur im Lungengewebe, sondern auch in den Nieren, im Magen-Darm-Trakt, in den Hoden sowie im Mund- und Nasenschleim.

In ihrer Theorie gehen die Forscher davon aus, dass die Cannabinoide den ACE2-Rezeptor verändern könnten. Vereinfach gesagt bedeutet dies: Befindet sich kein ACE2 im Gewebe, kann der Virus auch nicht eindringen. Infolge dessen wäre der menschliche Wirt weniger anfällig gegenüber dem Virus, sodass sich das Infektionsrisiko verringern könnte.

Forscher weisen auf Cannabisvarianten mit hohem CBD-Gehalt hin

Die kanadischen Forscher weisen insbesondere auf ihre selbst entwickelten Cannabisvarianten mit einem hohen CBD-Anteil hin, da verschiedene Studien gezeigt haben, dass CBD entzündungshemmend wirken kann. Weiter erklären die Forscher laut einem Medienbericht, dass die Extrakte aus ihrer Cannabislinie eine Zusatztherapie für die Behandlung der COVID-19-Erkrankung darstellen könnte. Es existieren jedoch bisher keine aussagekräftigen Studien, die diese Theorie untermauern oder entkräften könnten. [2]

Israelische Forscher planen CBD-Studie

An der Universität Tel Aviv planen die Forscher jetzt die Durchführung von klinischen Studien. Hierin soll die Wirksamkeit von CBD-angereicherten Exosomen zum Inhalieren auf die Lungenkrankheit COVID-19 untersucht werden. Aufgrund der entzündungshemmenden und das Immunsystem regulierenden Eigenschaften könnte CBD dazu beitragen, die geschädigten Zellen in der Lunge mithilfe eines synergetischen Effekts zu reparieren. [3]

In einer weiteren Untersuchung werden die Forscher COVID-19-Patienten eine Kombination aus CBD und Steroiden verabreichen, da sie davon ausgehen, dass CBD womöglich die Wirkung der Steroide verstärken könnte.

Fazit

Da medizinisches Cannabis ein breites Wirkungsspektrum besitzt, verwundert es nicht, dass sich die Forscher nun auch mit dem Einsatz von Medizinalcannabis bei der COVID-19-Erkrankung beschäftigen. Wie schon zu Beginn erwähnt, werden hier interessante Ansätze verfolgt, die weitere Forscher dazu veranlassen, Studien und Untersuchungen durchzuführen.

[1] University of Lethbridge, Kovalchuk et al., 2020, “In Search of Preventative Strategies: Novel Anti-Inflammatory High-CBD Cannabis Sativa Extracts Modulate ACE2 Expression in COVID-19 Gateway Tissues

[2] PraxisVita, Miriam Mueller-Stahl, 2020, “Corona-Studien: Cannabis schützend oder schädlich?

[3] Benzinga, 2020, “Israel Researchers Launch Clinical Trials To Test CBD As COVID-19 Treatment Supplement