Die Haut ist ein lebenswichtiges Organ, das nicht nur eine äußere Abwehrbarriere darstellt, sondern auch ein wichtiges Element für das Funktionieren des Körpers ist. Wenn wir über das Endocannabinoid-System (ECS) in der Haut sprechen, meinen wir, dass dieses viele Funktionen der Haut reguliert. Folglich können Cannabinoide die Gesundheit der Haut beeinflussen, wie die wissenschaftliche Forschung unterstützt. Die  Verwendung von Cannabinoiden wird jetzt in Betracht gezogen, um die Symptome verschiedener Hautkrankheiten zu behandeln oder zu lindern.

 

Das Endocannabinoid-System in der Haut

Was ist die Rolle der Haut?

Die Haut ist nicht nur eine Schutzbarriere gegen Umwelteinflüsse, die Signale von außen aufnimmt und an das Nervensystem und das Immunsystem weiterleitet, sondern sie ist auch ein Neuroendokrin Immunorgan, das mehrere Hormone produziert und ein Thermoregulator

Dieses Abwehrsystem umfasst physikalisch-chemische, immunologische und mikrobiologische Barrieren und funktioniert aufgrund der erfolgreichen Kooperation und Kommunikation zwischen Immunzellen und anderen Zelltypen (Keratinozyten, Fibroblasten, Melanozyten, Sebozyten, Adipozyten…). Diese Zellen exprimieren Rezeptoren, die Krankheitserreger erkennen sollen und produzieren verschiedene antimikrobielle Peptide und Lipide sowie pro- und anti-inflammatorische Zytokine und Chemokine, die die lokale Immunantwort regulieren.

Was ist das Endocannabinoid-System?

Das Endocannabinoid-System ist ein Signalnetzwerk, das aus endogenen Liganden – auch Endocannabinoide wie Anandamid (AEA) genannt – besteht. Die Rezeptoren – hauptsächlich der Typ 1 und Typ 2 Cannabinoidrezeptor (CB1 und CB2) und der damit verbundene enzymatische Komplex, der für die Synthese, Aufnahme und Freisetzung, den Transport und den Abbau der Endocannabinoide verantwortlich ist. Phytocannabinoide, wie Cannabidiol (CBD) und Tetrahydrocannabinol (THC), sind Cannabinoide, die von Natur aus in Cannabis Sativa L. vorkommen und das Endocannabinoidsystem beeinflussen können. Cannabinoide können verschiedene zelluläre Ziele aktivieren, antagonisieren oder hemmen, wie z.B. Cannabinoidrezeptoren, einige temporäre Rezeptor-Potential-Ionenkanäle, Kernrezeptoren, Enzyme und Transporter.

Während THC ein partieller CB1-Agonist ist, ist CBD ein inverser Agonist/Antagonist, je nach Zusammenhang:

Die cannabinoid-Signalisierung

Einige Studien zeigten, dass eine Störung der ECS die Biologie der Haut beeinflussen könnte, da sie einen wichtigen Beitrag zur kutanen Homöostase leistet. Tatsächlich wird die ECS von verschiedenen Zellen der Haut exprimiert, wie Keratinozyten (die 90% der Epidermiszellen ausmachen und Keratin synthetisieren), Melanozyten (die sich in der Epidermis befinden und Melanin synthetisieren), Mastzellen, Fibroblasten, Sebozyten (Epithelzellen, die in der Talgdrüse lokalisiert sind und Talg produzieren), Schweißdrüsenzellen und einigen Haarfollikeln. [1]   Das Verständnis der beteiligten Mechanismen ist der Schlüssel, um gezielt auf die ECS zur Behandlung von Hautkrankheiten einwirken zu können und mögliche negative Auswirkungen auf die Haut auszuschließen.

Die Vorteile des ECS zur Behandlung von Hautkrankheiten nutzen

Hautkrebs

Da das ECS die Aktivität der Hautzellen beeinflusst, könnte es bei der Behandlung von Hautkrebs nützlich sein. Tatsächlich treten CB1 und CB2 bei Melanomen und Nicht-Melanom-Hautkrebs auf. Im Fall von Nicht-Melanom-Hautkrebs, der sich in der Epidermis entwickelt, kamen Studien zu paradoxen Ergebnissen: In Kombination mit langfristigem ultraviolettem V (UBV)-Licht und chemischen Karzinogenen zeigten einige Studien die anti-neoplastischen Effekte hoher Cannabinoidkonzentrationen, die entweder durch CB1/CB2-unabhängige oder -abhängige Mechanismen vermittelt werden, während andere die pro-neoplastischen Eigenschaften niedriger Cannabinoidkonzentrationen nachwiesen. Im Falle von Hautkrebserkrankungen des Melanoms berichtete eine Studie an Mäusen, dass THC nicht nur die Angiogenese, das Tumorwachstum und die Metastasierung verringert, sondern auch die Apoptose innerhalb von Tumoren erhöht.

Pruritus & Entzündung

Mehrere Studien haben die juckreizstillenden Wirkungen von Cannabinoiden gezeigt, die durch die Hemmung von TRPV1 in kutanen Nervenfaserbündeln deren Erregung und damit den juckreizauslösenden Axonreflex verringern würden. Zusätzlich reduziert die Hemmung der FAAH, des für den Abbau von AEA verantwortlichen Hauptenzyms, das den Ionenkanal TRPV1 (der hauptsächlich in den nozizeptiven Neuronen der Schmerzrezeptoren exprimiert wird) hemmt, auch die Juckreizempfindung. Schließlich führte die topische Anwendung von Palmitoylethanolamid (PEA), das das AEA aktiviert, ebenfalls zu einer juckreizhemmenden Wirkung.

Darüber hinaus besitzen Cannabinoide entzündungshemmende Eigenschaften, die durch verschiedene komplexe Mechanismen vermittelt werden, an denen häufig CB1- und CB2-Rezeptoren, chemische Verbindungen und Wechselwirkungen zwischen dem Endocannabinoid-System und dem Immunsystem beteiligt sind. So hat sich beispielsweise gezeigt, dass CBD die Migration, die Proliferation und die Reifung der an Entzündungsreaktionen beteiligten Zellen unterdrückt.

Die entzündungshemmenden Eigenschaften von Cannabinoiden könnten zusammen mit ihren juckreizhemmenden Eigenschaften sehr nützlich sein, um Hautkrankheiten wie allergische Kontaktdermatitis und atopische Dermatitis sowie systemische Sklerose zu behandeln. In der Tat hat eine Studie in Modellgewebe der fibrotischen Haut gezeigt, dass die Aktivierung von CB2 zu einer Modulation der Immunantwort führt, die nicht nur Fibrose, sondern auch die Infiltration von Leukozyten im Gewebe verhindert.

Psoriasis

 

Man könnte auch die Vorteile von Cannabinoiden zur Behandlung von Psoriasis nutzen. Psoriasis ist eine Krankheit, die durch eine Fehlfunktion der Keratinozyten gekennzeichnet ist, die sich übermäßig vermehren. Cannabinoide, insbesondere THC, können die Keratinozytenproliferation hemmen. In einer Studie hat die Aktivierung von CB1 zu einer Herunterregulierung der Keratin (K6 und K16) Expression geführt. Darüber hinaus deuteten andere Studien darauf hin, dass Cannabinoide die Antigenverarbeitung hemmen und die Freisetzung von entzündlichen Zytokinen verhindern könnten, also Substanzen, die vom Immunsystem zur Regulierung der Zellproliferation produziert werden.

Alterung

Cannabinoide üben auch hautverjüngende und Anti-Aging-Eigenschaften aus, da das Endocannabinoid-System in der Haut die Proliferation, Differenzierung und das Überleben der Basalzellen kontrolliert. Eine Studie zeigte, dass die Zerstörung von CB1-Rezeptoren in Mäusen die Alterung verzögert.

Akne Vulgaris

Cannabinoide können sich auch auf die Akne Vulgaris auswirken, indem sie die Sebozyten regulieren. Erstens zeigte eine Studie, dass die Antagonisierung von CB2-Rezeptoren, die auf Sebozyten exprimiert werden, zu einer Unterdrückung der Basallipidproduktion führt. Zweitens wurde festgestellt, dass CBD die Proliferation der Sebozyten durch die Aktivierung des Ionenkanals TRPV4 hemmt. Sie hemmte auch die lipogenen Wirkungen von Arachidon, Linolsäuren und Testosteron, was zu einer Verringerung der Talgproduktion führte. [2] CBD hemmt Berichten zufolge auch die Proliferation von menschlichen Keratinozyten.

Akne wird durch eine erhöhte Talgproduktion und eine Veränderung ihrer Zusammensetzung verursacht, wie z.B. die Entsättigung von Fettsäuren, das Vorhandensein von Lipoperoxiden oder eine Abnahme von Vitamin E. Diese Funktionsstörungen führen zu einer Hyperkeratinisierung und dann zur Komedobildung. Bei geschlossenen Komedos (weiße Flecken) löst die Überbesiedelung mit Bakterien eine Entzündungsreaktion der Talgdrüsen aus, die durch die Veränderungen der Talgzusammensetzung angespornt wird. Die Entzündung selbst führt zu einer erhöhten Talgproduktion, wodurch ein Teufelskreis entsteht. Eine in-vitro-Studie zeigte, dass andere Cannabinoide als CBD interessant sind, wenn es um die Behandlung von Akne geht. Zum Beispiel: „Canabigerol (CBG) und Cannabigerovarina (CBGV) könnten das Potenzial für Erkrankungen der trockenen Haut haben, während Cannabicromeno (CBC), Cannabidivarin (CBDV) und vor allem Tetrahydrocannabivarin (THCV) eine hohe Wirksamkeit versprechen“.[3]

Fokus auf die antioxidativen Eigenschaften der CBD

Die Barriere der Haut ist ständig Umwelteinflüssen ausgesetzt, die zur Bildung von reaktiven Sauerstoffspezies (ROS) führen. Ein hoher ROS-Spiegel verursacht oxidativen Stress, der Zellen schädigt und zu chronischen Entzündungen sowie zu Hautkrankheiten, Hauterkrankungen und Hautalterung führen kann. Um hohe ROS-Werte zu verhindern, übt die gesunde Haut verschiedene Abwehrmechanismen wie Antioxidations- und Entgiftungssysteme aus. CBD induziert die Expression von HMOX1, einem Protein mit antioxidativen Eigenschaften in Keratinozyten. [4]

Das Endocannabinoid-System in der Haut scheint ein starker Hebel zu sein, um die Symptome verschiedener Hautkrankheiten zu behandeln oder zumindest zu lindern. Da es sich um einen komplexen Mechanismus handelt, sind weitere Studien erforderlich, um vollständig zu verstehen, wie die Störung des ECS die Biologie der Haut beeinflusst, um schließlich in der Lage zu sein, die Vorteile der Cannabinoide in der Dermatologie voll auszuschöpfen.

[1] Tóth, K. F., Ádám, D., Bíró, T., & Oláh, A. (2019). Cannabinoid Signaling in the Skin: Therapeutic Potential of the „C(ut)annabinoid“ SystemMolecules (Basel, Switzerland)24(5), 918. doi:10.3390/molecules24050918

[2] Sheriff, T., Lin, M. J., Dubin, D., & Khorasani, H. (2019). The potential role of cannabinoids in dermatology. Journal of Dermatological Treatment, 1–7. doi:10.1080/09546634.2019.1675854

[3] Oláh, A., Markovics, A., Szabó-Papp, J., Szabó, P. T., Stott, C., Zouboulis, C. C., & Bíró, T. (2016). Differential effectiveness of selected non-psychotropic phytocannabinoids on human sebocyte functions implicates their introduction in dry/seborrhoeic skin and acne treatment. Experimental Dermatology, 25(9), 701–707. doi:10.1111/exd.13042

[4] Casares, Laura et al. “Cannabidiol induces antioxidant pathways in keratinocytes by targeting BACH1.” Redox biology vol. 28 (2020): 101321. doi:10.1016/j.redox.2019.101321