Cannabis wird in zwei Arten unterteilt: Cannabis Indica und Cannabis Sativa. Diese Unterarten wurden zunächst nach äußerlichen Merkmale klassifiziert, doch im Laufe der Zeit hat man auch die unterschiedliche Wirkung dieser beiden Arten erkannt. Es gibt viele Unterschiede zwischen diesen beiden Cannabis Sorten, nicht nur im Hinblick auf äußerliche Merkmale. Bezüglich der Wirkung verursacht Indica ein körperliches „High“, wohingegen Sativa vielmehr einen energiegeladenen und kreativen Zustand auslöst. Es wurde erkannt, dass die bloße Annahme, eine bestimmte hervorgerufene Wirkung des Cannabis beruhe auf dem speziellen Inhaltstoff Indica oder Sativa falsch und wissenschaftlich nicht bewiesen ist. Denn die tatsächliche Wirkung der Pflanze ist von unterschiedlichen Faktoren abhängig. Dabei spielen zum Beispiel die Herkunft, vorhandene Lichtverhältnisse sowie die Pflege eine bedeutsame Rolle. In einem kürzlichen Interview behauptet Dr. Ethan Russo, medizinischer Direktor von PHYTECS, es könne derzeit in keiner Weise der biochemische Gehalt einer bestimmten Cannabispflanze aufgrund ihrer Höhe, Verzweigung oder Blattmorphologie bestimmt werden (Piomelli und Russo, 2018).

Forschung der Cannabis-Pflanze

Bei der Recherche verschiedener Cannabis-Sorten wird man mit einer enormen Menge an Informationen konfrontiert. Cannabis wurde schon früh aufgrund seiner positiven Eigenschaften geschätzt und aufgrund seiner entzündungshemmenden Wirkung für medizinische Zwecke genutzt. Das eigentliche Potential der Pflanze wurde jedoch erst nach Entdeckung des Endocannabinoid-Systems (ECS) entdeckt. Dieses System fungiert als Brücke zwischen unserem Körper und Geist und scheint für die menschliche Gesundheit grundlegend zu sein. Der Körper produziert auf natürliche Weise Endocannabinoide, die mit den gleichen Cannabinoid-Rezeptoren wie Tetrahydrocannabinol und Cannabidiol interagieren (zwei der bekanntesten Komponenten, die in der Cannabispflanze zu finden sind, THC und CBD).

Bei der medizinischen Verwendung von Cannabis ist das Gleichgewicht dieser Cannabinoide äußerst wichtig. Vorteilhaft wäre es, könne man die Cannabis-Pflanze und ihre Auswirkungen in zwei leicht verständliche Kategorien aufteilen, was jedoch nicht der Fall ist.

Die folgende Tabelle verdeutlicht einige der bekannten physikalischen Unterschiede zwischen den beiden Unterarten:

Indica

Sativa

Ursprung

Asien, Indien sowie umliegende Gebieten (unter anderem Pakistan, Nepal, Tibet)

Äquatorgebiete, wie Mexiko, Jamaika und Thailand

Erscheinungsbild

kurze Pflanze mit breiten dunklen Blättern, dichten und klebrigen Knospen mit wenig Abstand zwischen den Blüten

große Pflanze mit dünnen, hellen Blättern, luftigen und langen Knospen mit viel Platz zwischen den Blüten

Blühzeit

6 – 8 Wochen

10 – 16 Wochen

Bisher ging man davon aus, dass Indica’s Bestandteile einen größeren Anteil an CBD im Verhältnis zum THC enthält, während der Bestandteil Sativa einen größeren Anteil an THC aufweist (Atakan, 2012). Aus medizinischer Sicht wäre Indica daher bei Angstzuständen oder chronischen Schmerzen anzuwenden und Sativa bei der Therapie von Depressionen. Hierbei müssten Hersteller wiederrum garantieren können, dass das Cannabis stets unter denselben Voraussetzungen gezüchtet worden ist, was jedoch nicht so ist.
In demselben Interview, das bereits zu Anfang erwähnt wurde, schlug Dr. Russo den Gebrauch eines neuen Klassifizierungssystems vor, das nicht nur die Dominanz von THC und CBD unterscheidet, sondern auch das gesamte chemische Profil des Stammes untersuchen soll.

Diese Information sollte jeder Pflanze beigefügt werden, ob für den Freizeitnutzer oder medizinische Zwecke. Es würde die Suche der Patienten nach bestimmten Verhältnissen und Zusammensetzungen erleichtern. Hier wäre es dennoch ratsamer und sicherer die Komponenten einzeln zu kaufen.

Das Öl stellt hierbei die effektivste Lösung dar. Die chemischen Verbindungen werden einzeln extrahiert, was es ermöglicht einzelne spezielle Dosen zu verabreichen. Die meisten Cannabisölproduzenten testen ihr Produkt anhand von Hochleistungsflüssigkeitschromatographie (HPLC). Dieser Prozess wird genutzt, um jede Komponente einer Mischung in seine Einzelbestandteile aufzuspalten, um sie so identifizieren und messen zu können. So lassen sich Aussagen darüber treffen, welches und wie viel von jedem Cannabinoid in einer Pflanze enthalten ist. HPLC sollte von allen Herstellern, die medizinische Öle herstellen, verwendet werden, da dieses Verfahren dem Hersteller ermöglicht Öle unterschiedlicher Stärken herzustellen und dafür eine eindeutige Produktbeschreibung zu erstellen. Bei der Verwendung von Cannabis für medizinische Zwecke ist dies von großer Bedeutung, da ohne diese Informationen nicht immer die wünschenswerte und richtige Behandlung gewählt wird. Unabhängig vom Namen des Stammes ist es daher überaus wichtig, dass diese Analyse bekannt wurde, um den bestmöglichen therapeutischen Effekt zu erreichen.

Referenzen

Piomelli, D. and Russo, E. (2018). The Cannabis sativa Versus Cannabis indica Debate: An Interview with Ethan Russo, MD.

[online] NCBI.

Atakan, Z. (2012). Cannabis, a complex plant: different compounds and different effects on individualsTherapeutic Advances in Psychopharmacology, [online] 2(6), pp.241-254.