Cannabis bei Arthritis und Arthrose

Rheumatische Erkrankungen – auch “Rheuma” genannt – sind ein Sammelbegriff verschiedener Erkrankungen des Bewegungsapparats. Neben Gelenken können auch Muskeln, Sehnen, Knochen und Bindegewebe beteiligt sein. Arthrose (Gelenkverschleiß) bedeutet fortschreitende Gelenkknorpel-Zerstörung. Arthritis (Gelenkentzündung) tritt oft bei rheumatischen Erkrankungen wie Fibromyalgie, Rheumatoide Arthritis, Gicht, Lupus oder akuten Arthrosen auf. Mögliche Beschwerden bei Gelenkentzündung und -verschleiß sind Morgensteifigkeit, Ruhe- und Bewegungsschmerzen, Schwellungen und Schlafstörungen. Medizinalcannabis kann bei diesen Beschwerden unterstützen. Cannabis wirkt als natürliches Gemisch verschiedener Pflanzeninhaltsstoffe: Phytocannabinoide wie psychotropes Tetrahydrocannabinol (THC) und nicht-psychotropes Cannabidiol (CBD), Terpene und Flavonoiden.

Umfragen und Übersichtsarbeiten mit Betroffenen verschiedener rheumatischen Erkrankungen wie Rheumatoider Arthritis oder Daumengrundgelenkarthrose zeigen, dass THC und CBD Schmerzen und Entzündungen lindern sowie den Schlaf verbessern können. Aktuelle Umfragen belegen, dass Medizinalcannabis bei rheumatischen Erkrankungen immer häufiger verwendet wird.

Arthrose und Rheumatoide Arthritis (Rheuma) – die häufigsten Gelenkerkrankungen

Arthrose (Gelenkverschleiß), auch Osteoarthrose genannt, ist die häufigste rheumatische Erkrankung mit über 5 Millionen Betroffenen in Deutschland. Sie kann jedes Gelenk betreffen. Diese degenerative Gelenkerkrankung führt zum fortscheitenden Abnutzen des Gelenkknorpels, weshalb besonders ältere Personen betroffen sind: Bei den über 65-Jährigen leidet die Hälfte der Frauen und ein Drittel der Männer an Arthrose. Auch jüngere Personen können erkranken, beispielsweise durch angeborener Fehlstellungen, Unfälle oder Schwerarbeit [1]. Andere Gelenkerkrankungen können als Folgeerkrankung zu Gelenkverschleiß führen.

Arthritiden (Gelenkentzündungen) können ebenfalls an jedem Gelenk auftreten. Die Ursachen können vielfältig sein, wie Infektionen, rheumatische Erkrankungen, Stoffwechselerkrankungen sowie aktivierte Arthrose (akut entzündliche Arthrose). Zu den meist chronisch-entzündlichen Erkrankungen gehören über 100 Krankheitsbilder. Oft handelt es sich um Autoimmunerkrankungen: Das fehlgeleitete Immunsystem greift also körpereigenes Gewebe an – wie in diesem Fall den Gelenkknorpel. Am häufigsten ist die Rheumatoide Arthritis, die mit schmerzhafter Synovitis (Gelenkschleimhautentzündung) einhergeht und 0,5 bis 0,8 der Erwachsenen in Deutschland betrifft [2].

Arthrose

Fachleute unterscheiden Primärarthrose, der keiner eindeutigen Ursache zugrunde liegt, und Sekundärarthrose, eine Folgeerkrankung anderer Gelenkerkrankungen und -verletzungen. Übergewicht, schweres Heben und körperlich anstrengende Arbeit erhöhen das Arthrose-Risiko. Oft ist nur eine Gelenk (Monoarthrose) oder wenige Gelenke (Polyarthrose) erkrankt [3].

Erste Anzeichen einer beginnenden Arthrose sind Bewegungseinschränkungen und Schmerzen. Entzündungen treten zunächst nicht auf, daher sprechen Fachleute von latenter Arthrose. Typisch sind steife Gelenke am Morgen und Anlaufschmerzen (Schmerzen bei Bewegungsbeginn). Mit fortschreitender Gelenkzerstörung werden schmerzhafte Entzündungsphasen, sogenannte aktivierte Arthrosen,immer häufiger. Die entzündete Gelenkschleimhaut führt zu Schwellungen, Schmerzen, Überwärmung, Rötung, Spannungsgefühl und zunehmenden Funktionseinschränkungen. Kalte und nasse Wetterlagen verschlimmern oft die Beschwerden. Typisch ist der Wechsel zwischen beschwerdearmen und entzündlichen Krankheitsphasen, was jahrelang bestehen bleibt. Bis schließlich das Gelenk so stark zerstört ist, das dauerhafte Schmerzen und starke Funktionsstörungen die Folge sind. Experten sprechen nun von dekompensierter Arthrose. Schon kleinsten Bewegungen schmerzen. Auch Ruheschmerzen und chronische Schmerzen können auftreten [3].

Arthrose betrifft häufig Knie-, Hüft- und Fingergelenke. Folgende Gelenke können betroffen sein [1,3]:

  • Kniegelenk (Gonarthrose)
  • Hüftgelenk (Coxarthrose)
  • Schultergelenk (Omarthrose)
  • Wirbelgelenke (Spondylarthrose)
  • Fingermittelgelenk (Bouchard-Arthrose)
  • Fingerendgelenk (Herberden-Arthrose)
  • Daumensattelgelenk (Rhizarthrose)

Arthritis

Arthritis äußert sich in schmerzhaft geschwollenen Gelenken, oft liegt ein Druckschmerz vor. Ursache ist eine Gelenkschleimhautentzündung (Synovialitis). Auch ein Gelenkerguss (vermehrte Flüssigkeitsansammlung im Gelenk) kann vorliegen. Das Gelenk ist gerötet und warm. Autoimmunerkrankungen wie Rheumatoide Arthritis sind häufige Auslöser einer Gelenkentzündung, daher treten Beschwerden – im Gegensatz zur Arthrose – auch unabhängig von körperlicher Belastung auf. Lediglich bei aktivierter Arthrose liegt ebenfalls eine Gelenkentzündung vor [4].

Rheumatoide Arthritis (RA) betrifft oft Hand-, Finger- und Fußgelenke [4]. Typische Beschwerden sind starke Morgensteifigkeit (über eine Stunde andauernd) sowie grippeähnliche Symptome. Oft liegt eine chronische Polyarthritis vor, es sind also mehrere Gelenke symmetrisch auf beiden Körperseiten entzündet. Betroffene haben oft sogenannte Rheumaknoten (Verdickungen unter der Haut) und zeigen charakteristische Veränderungen im Röntgenbild [2]. Rheumatische Erkrankungen können auch andere Organe wie Haut und Augen betreffen, Fachleute sprechen von sogenannten extraartikulären Manifestationen. So liegt bei der Psoriasis-Arthritis auch eine Schuppenflechte (Psoriasis) der Haut vor.

Einige rheumatologische Erkrankungen, die mit Gelenkentzündung einhergehen können, sind [2,5,6]:

  • Rheumatoide Arthritis (RA)
  • Rückenschmerzen degenerativer Ursache
  • Osteoarthritis
  • Fibromyalgie
  • Systemischer Lupus erythematodes (SLE)
  • Ankylosierende Spondylitis (Morbus Bechterew) [2,5]
  • Arthrose [6]
  • Gicht [6]
  • Psoriasis-Arthritis [6]
  • Juvenile idiopathische Arthritis [6]

Cannabis bei Rheuma

Cannabinoide werden seit Jahrtausenden medizinisch verwendet. Bereits 2.800 vor Christus verwendeten die Menschen Cannabis bei Rheuma. Heute stützen viele Daten die positiven Effekte zur Schmerzlinderung. Die Vielzahl an Pflanzeninhaltstoffen, neben Phytocannabinoiden insbesondere Terpene und Flavonoide, wirken synergistisch oder antagonistisch zusammen. Phytocannabinoide wie THC und CBD wirken auf Cannabinoid-Rezeptoren des Endocannabinoid-Systems: Cannabinoid-Rezeptoren kommen im zentralen Nervensystem und auf peripheren Geweben vor. Zentral sind sie unter anderem an Schmerzwahrnehmung beteiligt, peripher dienen sie auf nozizeptiven Nerven zur Schmerzweiterleitung. Über Aktivierung der dort zahlreich vorkommenden CB1-Rezeptoren können viele therapeutische Effekte wie Schmerzlinderung erreicht werden. Dagegen werden CB2-Rezeptoren hauptsächlich auf Immunzellen ausgebildet, welche unter anderem Entzündungen kontrollieren [7]. Durch Aktivierung der Cannabinoid-Rezeptoren kann Medizinalcannabis Schmerzen und Entzündungen bei rheumatischen Erkrankungen lindern.

Medizinalcannabis bei Arthritis

Übersichtsarbeit: Viele Betroffene mit rheumatischen Erkrankungen verwenden Cannabis

Französische Forscher*innen analysierten in einer 2021 veröffentlichten Übersichtsarbeit die Studienlage zu Medizinalcannabis bei schmerzhaften rheumatischen Erkrankungen. Bis Juni 2020 publizierte Studien in englischer oder französischer Sprache wurden ausgewertet. Das Wissenschaftsteam stellte fest, dass Cannabis immer häufiger eingesetzt wird: Von 10.873 Personen berichteten 2.900 Betroffene (etwa 20 Prozent) davon, Erfahrungen mit Cannabis zur Beschwerdelinderung zu haben. Einer von sechs Rheuma-Betroffenen (15,3 Prozent) verwendet derzeit Cannabinoide mit gutem schmerzlinderndem Effekt. Cannabisanwender*innen hatten eine höhere Schmerzintensität und waren im Schnitt jünger (58,4 Jahre im Vergleich zu 63,6 Jahre) als Betroffene ohne Cannabisanwendung.

Insbesondere Betroffene mit Fibromyalgie verwenden häufig Cannabinoiden: In vier Studien zu Fibromyalgie verwendeten Zweidrittel der Personen (68,2 Prozent bei 611 Personen) Cannabis, während es in sieben Studien mit an Rheumatoider Arthritis und Lupus erkrankten Personen ein Viertel (26 Prozent bei 8.168 Personen) waren. Betroffene mit Cannabisanwendung berichteten von verringerter Schmerzintensität: Gegenüber dem Ausgangswert gingen die Beschwerden auf der Analogskala (von 0 bis 10) von 8,2 auf 2,9 deutlich zurück. Rheumapatient*innen verwenden Cannabis aus verschiedenen Gründen: Zur Schmerzlinderung, Angstlösung, bei Schlafstörungen oder zu Freizeitzwecken. Der häufigere Gebrauch bei Fibromyalgie könnte mit psychischen Begleitsymptomen wie Angst und Alexithymie (Gefühlsblindheit) zusammenhängen. Schlafstörungen sind bei Rheuma-Patient*innen ein besonders großes Problem: Eine Studie zeigte, dass Zweidrittel mit Schlaflosigkeit zu kämpfen hat und ein Fünftel Schlafstörungen hat. Daher sollte besonders die Wirkung von Cannabinoiden auf Schlafstörungen erforscht werden [8].

Doppelblindstudie: THC und CBD verbessern Schmerzen, Schlafqualität und Entzündungsaktivität bei Betroffenen mit rheumatoider Arthritis

Eine 2005 veröffentlichte englische Doppelblindstudie zeigte, dass Sativex, ein THC- und CBD-haltiges Mundspray, Schmerzen bei Rheumatoider Arthritis lindert. Die 58 Teilnehmenden nahmen über fünf Wochen abends Cannabinoid- oder Placebospray unter der Zunge (sublingual) ein. Am nächsten Morgen wurden Schlafqualität, Morgensteifigkeit, Ruhe- und Bewegungsschmerzen sowie Nebenwirkungen abgefragt.

Die Bewegungs- und Ruheschmerzen gingen deutlich zurück: Cannabis konnte den Bewegungsschmerz von anfänglich 7,0 auf 4,8 sowie den Ruheschmerz von 5,3 auf 3,1 senken. Bewegungs- und Ruheschmerz nahmen unter Cannabistherapie also um 2,2 ab. Unter Placebo dagegen gingen Bewegungsschmerzen lediglich um 1,4 sowie Ruheschmerzen um 1,2 zurück. Auch die Krankheitsaktivität profitierte vom entzündungshemmenden Effekt: Die Krankheitsaktivität (gemessen mittels DAS28) nahm unter Cannabinoidspray von 5,9 auf 5,0. Dies deutet darauf hin, dass Cannabis das Immunsystem beeinflusst. In der Placebogruppe konnte nur ein Rückgang um 0,1 (Senkung von 6,0 auf 5,9) verzeichnet werden. Diese Daten deuten darauf hin, dass Cannabinoide periphere Bewegungsschmerzen lindern und zentral Ruheschmerzen dämpfen. Auf Morgensteifigkeit konnte jedoch kein Effekt festgestellt werden.

Teilnehmende der Cannabisgruppe schliefen darüber hinaus besser: Während sich Schlafstörungen unter Cannabis von 5,7 auf 3,4 besserten, besserte sich unter Scheinmedikament der Schlaf lediglich von 5,8 auf 4,6. Die Wissenschaftler*innen nehmen an, dass Cannabis die Schlafqualität durch Linderung nächtlicher Beschwerden verbessert.

Die Therapie war gut verträglich mit leichten bis mittleren Nebenwirkungen: Die häufigsten waren Schwindel, Kopfschmerzen und Mundtrockenheit. Leichte und vorübergehende Schwindelgefühle traten bei 26 Prozent (8 von 31 Personen auf). Insgesamt zeigte sich, dass Cannabismedikamente bei Rheumatoider Arthritis unterstützen können. Sativex konnte Schmerzen und Krankheitsaktivität signifikant zurückdrängen. Die abendliche Einnahme hat dem Forscherteam zufolge den Vorteil, dass Nebenwirkungen “verschlafen” werden. Es sind jedoch größere und längere Studien nötig [9].

Medizinalcannabis bei Arthrose

Umfrage: Betroffene mit Daumengrundgelenkarthrose berichten von Schmerzlinderung durch orale und topische Cannabinoide

Forschende der University of Virginia untersuchten in einer 2021 veröffentlichten Umfrage den Cannabisgebrauch bei Patient*innen mit Osteoarthrose des Daumengrundgelenks (thumb basal joint arthritis). Das Forscherteam interessierten besonders Erfahrungen zu Medizinalcannabis wie schmerzlindernde Wirkung und unterschiedliche Darreichungsformen sowie Unterschiede der Krankheitsmerkmale zwischen Patient*innen mit und ohne Cannabisnutzung. Dazu wurden Betroffene zwischen Mai und Juni 2020 zur Umfrage aufgerufen, die von 103 Personen abgeschlossen wurden. Zusätzlich wurden vorliegende ärztliche Unterlagen ausgewertet, um Faktoren wie Erstdiagnose, Alter und Vortherapie zu erfassen.

Jede vierte beziehungsweise fünfte befragte Person berichtete darüber, Cannabisprodukte zur Beschwerdelinderung verwendet zu haben: Mit oralen Cannabismedikamenten haben ein Viertel (25 Prozent) Erfahrung, etwa ein Fünftel (21 Prozent) probierte topische, also äußerliche angewandte Cannabisprodukte.

Ein Großteil der befragten Cannabispatient*innen berichtete von rückläufigen Schmerzen: Fast die Hälfte der Betroffenen (12 von 25 Personen) berichtete, dass orale Cannabinoide Arthroseschmerzen lindern. Bei einem Drittel (7 von 21 Personen) konnten topische Cannabiszubereitungen die Schmerzen bekämpfen.

Eine deutliche Mehrheit ist einer Cannabistherapie gegenüber aufgeschlossen: Orale Cannabismedikamente würden 69 Prozent der Befragten einnehmen, während eine topische Cannabinoid-Behandlung sogar für 80 Prozent infrage kommt. Das Forscherteam fasste zusammen, dass zahlreiche Patient*innen mit schmerzhafter Daumengrundgelenkarthrose Cannabisprodukte verwenden. Es ist daher weitere Forschung nötig [10].

Doppelblindstudie: Cannabidiol (CBD) lindert Beschwerden bei Haushunden mit Arthrose

Amerikanische Forscher*innen fanden 2020 in einer Doppelblindstudie mit 20 Haushunden mit tierärztlich diagnostizierter Arthrose heraus, dass Cannabidiol (CBD) beschwerdelindernd wirkt. Vor Studienbeginn führte das Wissenschaftsteam Untersuchungen an tierischen und menschlichen Zellkulturen sowie eine Mausstudie durch. An gesunden Testpersonen wurde eine Bioäquivalenz-Studie mit verschiedenen CBD-Zubereitungen durchgeführt.

  • CBD reduziert bei tierischen und menschlichen Zellkulturen weißer Blutkörperchen die Produktion des Entzündungsbotenstoffs TNF-alpha: Mit Lipopolysacchariden (LPS) – entzündungsfördernde Bakterienbestandteile – wurden „im Reagenzglas“ Entzündungen ausgelöst, wodurch TNF-alpha ansteigt. Die Behandlung der menschlichen Zellen mit CBD verhinderte den Anstieg von TNF-alpha je nach Zelltyp um bis zu 97 Prozent.
  • CBD reduziert im Mausmodell lokale und systemische Entzündungen: Durch Auftragen von Crotonöl auf das Mäuseohr wurden lokale Entzündungen ausgelöst, die sich durch Rötungen (Erythem), Schwellungen (Ödeme), Einwandern von weißen Blutkörperchen und einem TNF-alpha-Anstieg äußern. Zwei bzw. vier Stunden nach Auftragen von CBD gingen Entzündungszeichen (Myeloperoxidase und TNF-alpha) und Schwellungen deutlich zurück. In einem weiterem Mausmodell wurden durch intraperitoneal (in das Bauchfell) gespritzte Lipopolysaccharide systemische Entzündungen auszulösen, wodurch die auch bei Arthritis beteiligten Entzündungsstoffe TNF-alpha und Interleukin stark anstiegen. Sowohl intraperitoneales als auch topisches CBD reduzierte dosisabhängig die Entzündungsbotenstoffe.
  • Liposomale CBD-Medikamente werden nach oraler Einnahme vom Körper besser aufgenommen, haben also eine höhere Bioverfügbarkeit als herkömmliche CBD-Formulierungen: Da Cannabinoide fettlöslich sind, werden sie oral schlecht aufgenommen, was therapeutische Wirkungen reduzieren kann. Pharmazeutische Technolog*innen haben Techniken entwickelt, um die orale Bioverfügbarkeit fettlöslicher Medikamente zu verbessern: Wirkstoffe werden dazu in sogenannte Liposomen “verpackt” – nanometergroße Kugeln aus Phospholipiden (z. B. aus Sonnenblumen gewonnen) mit zugleich fettlöslichen und wasserlöslichen Eigenschaften. Im Mausversuch linderte die liposomale CBD-Zubereitung durch Lipopolysaccharide (LPS) ausgelöste Entzündungen effektiver als “normales” CBD, ein Hinweis auf die bessere Aufnahme der Liposomen-Zubereitung. Dieser Vorteil zeigte sich auch beim Menschen: Fünf gesunde Testpersonen erhielten an zwei Studientagen jeweils die gleiche Dosis CBD als „normale“ oder liposomale Formulierung. Eine Stunde später ergab liposomales CBD signifikant (bis 17-fach) höhere Cannabinoid-Spiegel.
  • CBD verbessert Lebensqualität von Haushunden mit diagnostizierter Osteoarthritis bei gutem Sicherheitsprofil: 20 an Arthrose erkrankte Haushunde erhielten entweder Placebo, eine herkömmliche CBD-Formulierung (niedrige oder hohe Dosis) oder niedrigdosiertes liposomales CBD. Tierhalter*innen und behandelnde Tierärzt*innen beurteilten das Beschwerdebild vor Studienbeginn und regelmäßig im Verlauf. Die Studie zeigte, dass Placebo und niedrigdosiertes CBD nicht signifikant lindernd wirkt. Dagegen konnte hochdosiertes CBD sowie niedrigdosiertes liposomales CBD die Schmerzen signifikant reduzieren, wobei die Wirkung nach Absetzen weitere 15 Tage anhielt. Tierärztliche Untersuchungen belegten eine Besserung beim Aufstehen aus Sitzhaltung bzw. Liegen, Gehen und Rennen.

Das Forscherteam kam zum Schluss:

“Eine Extrapolation dieser Ergebnisse legt nahe, dass CBD zur Behandlung von Schmerzen und zur Verbesserung der Lebensqualität bei Menschen mit einer bestätigten Diagnose von Osteoarthritis und/oder anderen entzündlichen Zuständen nützlich sein könnte, die durch eine Verringerung der proinflammatorischen Zytokine und der pathologischen Neutrophilenaktivität gelindert werden könnten.”

Außerdem zeigt die Untersuchung zur Bioverfügbarkeit von CBD verglichen mit liposomalem CBD:

“Die Daten zeigten einen 17-fachen Anstieg des bioverfügbaren zirkulierenden CBD nach oraler Verabreichung der liposomalen Formulierung im Vergleich zu dem nackten Isolat [11].”

Fazit: Rheuma und Cannabis

Viele Betroffene mit rheumatischen Erkrankungen verwenden Cannabis, um Schmerzen und Entzündungen bei Arthrose und Arthritis zu lindern. Ein THC- und CBD-haltiges Cannabinoidspray kann Morgensteifigkeit, Schmerzen und Schlafqualität bei Rheumatoider Arthritis bessern, sowie das Entzündungsgeschehen zurückdrängen [9]. Umfragen bei Patient*innen mit Daumengrundgelenkarthrose zeigen, dass orale und topische Cannabinoide Schmerzen lindern können [10]. Eine tiermedizinische Studie an Haushunden legt dar, dass nichtpsychotropes CBD – insbesondere als besser bioverfügbare liposomale Formulierung – Beweglichkeit und Lebensqualität bei Osteoarthrose verbessert [11]. Aktuelle Übersichtsarbeiten zeigen eine weit verbreite Anwendung von Cannabinoiden bei verschiedensten rheumatischen Erkrankungen, darunter Rheumatoide Arthritis, Lupus und Fibromyalgie. Betroffene profitierten von den schmerzlindernden und schlaffördernden Wirkungen von Cannabis [8]. So stellen auch die Wissenschaftler*innen um George Habib fest, dass Cannabis bei jeder chronischen Schmerzerkrankung ernsthaft in Betracht gezogen werden sollte, wenn die anerkannten Behandlungsmethoden nicht ausreichen, um die Schmerzen und Schlafprobleme der Betroffenen zu lindern [12].

Quellen:

[1] Pharmazeutische Zeitung. Knorpel und Knochen in Bedrängnis, Abruf 1.8.2022

[2] Robert Koch Institut. Entzündlich-rheumatische Erkrankungen, Abruf 1.8.2022

[3] Robert Koch Institut. Arthrose, Abruf 1.8.2022

[4] AWMF. Interdisziplinäre Leitlinie. Management der frühen rheumatoiden Arthritis, Abruf 1.8.2022

[5] Guillouard M, Authier N, Pereira B, Soubrier M, Mathieu S. Cannabis use assessment and its impact on pain in rheumatologic diseases: a systematic review and meta-analysis. Rheumatology (Oxford). 2021;60(2):549-556. doi:10.1093/rheumatology/keaa534

[6] https://www.gelbe-liste.de/rheumatologie/rheumatische-erkrankungen

[7] Blake DR, Robson P, Ho M, Jubb RW, McCabe CS. Preliminary assessment of the efficacy, tolerability and safety of a cannabis-based medicine (Sativex) in the treatment of pain caused by rheumatoid arthritis. Rheumatology (Oxford). 2006;45(1):50-52. doi:10.1093/rheumatology/kei183

[8] Guillouard M, Authier N, Pereira B, Soubrier M, Mathieu S. Cannabis use assessment and its impact on pain in rheumatologic diseases: a systematic review and meta-analysis. Rheumatology (Oxford). 2021;60(2):549-556. doi:10.1093/rheumatology/keaa534

[9] Blake DR, Robson P, Ho M, Jubb RW, McCabe CS. Preliminary assessment of the efficacy, tolerability and safety of a cannabis-based medicine (Sativex) in the treatment of pain caused by rheumatoid arthritis. Rheumatology (Oxford). 2006;45(1):50-52. doi:10.1093/rheumatology/kei183

[10] Fader L, Scharf Z, DeGeorge BR Jr. Assessment of Medical Cannabis in Patients With Osteoarthritis of the Thumb Basal Joint [published online ahead of print, 2021 Dec 7]. J Hand Surg Am. 2021;S0363-5023(21)00691-2. doi:10.1016/j.jhsa.2021.10.018

[11] Verrico CD, Wesson S, Konduri V, et al. A randomized, double-blind, placebo-controlled study of daily cannabidiol for the treatment of canine osteoarthritis pain. Pain. 2020;161(9):2191-2202. doi:10.1097/j.pain.0000000000001896

[12] Habib, G., Khazin, F., & Artul, S. The Effect of Medical Cannabis on Pain Level and Quality of Sleep among Rheumatology Clinic Outpatients. Pain Research and Management, 2021, 1–6. https://doi.org/10.1155/2021/1756588

About Minyi Lü

Minyi Lü suffers from chronic pain due to her finger arthritis. She has been treating her complaints very successfully with medicinal cannabis since 2017. As a pharmacist in internship, she now brings her know-how to report on the latest scientific findings around medicinal cannabis.