News: Umfrage – CBD reduziert chronische Schmerzen bei den meisten Betroffenen

chronische Schmerzen

Das nicht-psychotrope Cannabinoid Cannabidiol (CBD) erfreut sich bei Patient*innen mit chronischen Schmerzen zunehmender Beliebtheit. Eine Umfrage an Schmerzpatient*innen in Amerika ergab: Cannabisbasierte Medikamente und CBD reduzierten chronische Schmerzen bei einem Großteil der Betroffenen. Auch stark wirksame opiatbasierte Schmerzmittel konnten in ihrer Dosis gesenkt werden.

Umfrage in sieben Schmerzkliniken

Das amerikanische Forscherteam befragte insgesamt 253 Betroffene im Alter von durchschnittlich 45,4 Jahren aus sieben Schmerzzentren in Südkalifornien. Die Patient*innen wurden zwischen Dezember 2018 und Februar 2019 über Plakate und Flyer zur Teilnahme an der Umfrage aufgerufen.

152 Personen (62,0 %) gaben an, Erfahrung mit CBD-Produkten zu haben. Die am häufigsten behandelten Schmerzerkrankungen waren Rückenschmerzen (67,3 %), Nervenschmerzen (46,7 %) und Nackenschmerzen (44,7 %). In 56,3 Prozent der Fälle enthielt das CBD-Produkt auch das psychotrope und ebenfalls schmerzlindernde Tetrahydrocannabinol (THC).

Zu den behandelten chronischen Schmerzerkrankungen gehörten unter anderem:

  • Rückenschmerzen
  • Neuropathische Schmerzen
  • Nackenschmerzen
  • Migräne
  • Gliederschmerzen
  • Fibromyalgie

CBD wurde am häufigsten durch Inhalation (62,9 %) angewendet, gefolgt von essbaren Cannabisprodukten – sogenannten Edibles (54,3 %) – und oralen Cannabistinkturen (52,3 %). Die meisten der CBD-Anwender*innen haben Erfahrung mit mehreren Darreichungsformen.

Die verwendeten Darreichungsformen waren unter anderem:

  • Inhalation bzw. Rauchen
  • Edibes
  • Orale Tinkturen
  • Topische Cannabiszubereitungen (Creme, Salbe, Öl)
  • Kapseln
  • Spray

Besserung und reduzierte Schmerzmittel bei den meisten Betroffenen

59 Prozent der Befragten gaben eine Schmerzlinderung durch Anwendung von CBD an. Darüber hinaus konnten rund zwei Drittel (67,6 %) die Dosis anderer Schmerzmedikamente reduzieren. Knapp über die Hälfte (53,7 %) konnte auch stark wirksame opiathaltige Medikamente verringern.

Die Erfahrungen aus dem Umfeld der Befragten waren ebenfalls überwiegend positiv: 78,1 % der Teilnehmenden gaben an, Personen aus Familie, Freundeskreis oder Nachbarschaft zu kennen, die ihre Beschwerden erfolgreich mit CBD behandeln. Die Verträglichkeit war größtenteils gut: Lediglich 7,3 % der Patient*innen kennen Personen, die von unerwünschten Nebenwirkungen berichtet haben.

Der überwiegende Großteil, nämlich 91,9 % gab an, mehr über die medizinische Anwendung von CBD lernen zu wollen.

Studienlage von CBD bei chronischen Schmerzen

Die wissenschaftliche Forschung zur Wirkung von CBD bei chronischen Schmerzen steht noch am Anfang. Als gesichert gilt, dass reines CBD ein niedriges Missbrauchspotenzial hat. Ganz im Gegenteil: Eine amerikanische Studie aus dem Jahr 2019 zeigte, dass Epidiolex®, ein CBD-haltiges Medikament, Suchtdruck und Angst bei abstinenten heroinabhängigen Patient*innen reduzieren kann.

Aktuellen Daten sprechen dafür, dass bei chronischen Schmerzen, speziell neuropathischen Schmerzen, THC stärker schmerzlindernd wirkt als CBD. Möglicherweise trägt daher auch der verbleibende minimale THC-Gehalt in Vollspektrumextrakten zur analgetischen Wirkung von CBD-Produkten bei. Daher ist es wichtig, dass Anwender*innen CBD- und THC-Gehalt der Cannabisprodukte kennen.

In einer weiteren amerikanischen Studie aus dem Jahr 2020 zeigte sich, dass chronische Schmerzpatient*innen nach 8-wöchiger Behandlung mit CBD ihre opiathaltigen Schmerzmittel reduzieren konnten. Cannabisbasierte Medikamente können also unabhängig davon, ob sie THC oder CBD enthalten, schmerzhafte Beschwerden bessern.

Schwierigkeiten bei der Einnahme von CBD-Produkten

Menschen, die CBD anwenden wollen, sollten nur CBD-Produkte mit einem geprüften Wirkstoffgehalt verwenden. Viele Produkte auf dem Markt erfüllen diese Qualitätsanforderungen nicht. Der schwankende Cannabinoidgehalt in Verbindung mit der oft fehlenden Erfahrung der Anwender*innen macht die gezielte Therapie mit CBD-Präparaten schwierig. Darüber hinaus ist oft unbekannt, ob und wie viel THC in Vollspektrumextrakten enthalten ist. Dies kann bei erhöhten Konzentrationen die Gefahr eines positiven Drogentests mit sich bringen.

Die Erfahrungen der Umfrageteilnehmer*innen mit cannabisbasierten Medikamenten und CBD sind überwiegend positiv. Um Klarheit darüber zu schaffen, ob CBD bei den verschiedenen Schmerzerkrankungen eine effektive Behandlungsoption sein kann, sind weiterführende wissenschaftliche Studien nötig. Ebenfalls sollte die Forschung weiter die Unterschiede zwischen CBD-Isolaten und Vollspektrumextrakten untersuchen. Um die Problematik der oft fehlerhaften CBD-Konzentration zu verbessern, sind Qualitätsrichtlinien für CBD-haltige Präparate mit Kontrolle des CBD- und THC-Gehalts sinnvoll.

Quelle:

Schilling JM, Hughes CG, Wallace MS, Sexton M, Backonja M, Moeller-Bertram T. Cannabidiol as a Treatment for Chronic Pain: A Survey of Patients’ Perspectives and Attitudes. J Pain Res. 2021;14:1241-1250 https://doi.org/10.2147/JPR.S278718

About Minyi

Minyi Lü leidet an chronischen Schmerzen aufgrund ihrer Fingerarthrose. Ihre Beschwerden behandelt sie seit 2017 sehr erfolgreich mit medizinischem Cannabis. Als PTA und Pharmaziestudentin bringt sie nun ihr Know-how ein, um über die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse rund um Medizinalcannabis zu berichten.