{"id":61172,"date":"2023-07-13T09:18:07","date_gmt":"2023-07-13T08:18:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kalapa-clinic.com\/?p=61172"},"modified":"2023-07-13T09:18:09","modified_gmt":"2023-07-13T08:18:09","slug":"ptbs-posttraumatische-belastungsstoerung-und-cannabis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kalapa-clinic.com\/de\/ptbs-posttraumatische-belastungsstoerung-und-cannabis\/","title":{"rendered":"PTBS (Posttraumatische Belastungsst\u00f6rung) und Cannabis"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Extreme Erfahrungen wie <strong>Unf\u00e4lle, lebensbedrohliche Erkrankungen, Krieg, Vergewaltigung oder Naturkatastrophen<\/strong> k\u00f6nnen eine Posttraumatische Belastungsst\u00f6rung (PTBS) nach sich ziehen. <strong>Flashbacks, Albtr\u00e4ume, st\u00e4ndige Anspannung<\/strong> und weitere Beschwerden wie <strong>Angst, Schlafst\u00f6rungen und Fatigue<\/strong> bestimmen den Alltag der Patient*innen. Da Betroffene oft Situationen und Orte meiden, die an das Trauma erinnern, leben viele sozial zur\u00fcckgezogen. Weitere psychische Erkrankungen wie <strong>Angstst\u00f6rungen, Depressionen und Suchterkrankungen<\/strong> k\u00f6nnen dazukommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Psychotherapien und Medikamente wie Antidepressiva reichen oft nicht aus, um den Betroffenen zu helfen, und bringen Nebenwirkungen mit sich. Studien zeigen, dass unser<strong> Endocannabinoidsystem <\/strong>(ECS) wichtig ist, um unangenehme Erinnerungen zu &#8222;vergessen&#8220;. Daher kann Medizinalcannabis bei PTBS unterst\u00fctzen. Viele Betroffene mit PTBS verwenden Cannabinoide. Das psychotrope Tetrahydrocannabinol (THC) kann \u00c4ngste lindern, aber auch verschlimmern. Daher eignet sich Cannabis nicht f\u00fcr alle Betroffenen. <strong>In einer Doppelblindstudie reduzierte das synthetische Cannabinoid Nabilon Albtr\u00e4ume. <\/strong><strong>Das nichtberauschende Cannabidiol (CBD) verbesserte kombiniert mit Psychotherapie und anderen Medikamenten in einer Fallserie zahlreiche PTBS-Symptome: Angst, Albtr\u00e4ume, Konzentration, Schlaf und Stimmung. <\/strong>Wie stark CBD die Beschwerden reduziert, h\u00e4ngt auch von der Ursache des Traumas ab: Eine Doppelblindstudie zeigte, dass CBD bei nicht-sexuellen Trauma-Erfahrungen \u00c4ngste signifikant lindern kann, w\u00e4hrend bei sexuelle Traumen CBD nicht wirksam war.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">PTBS durch Pandemie h\u00e4ufiger geworden<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Covid-19-Pandemie hat das Leben der gesamten Weltbev\u00f6lkerung negativ beeinflusst. <strong>Eine 2022 ver\u00f6ffentlichte \u00dcbersichtsarbeit zeigt, dass die Pr\u00e4valenz (Krankheitsh\u00e4ufigkeit) in Zeiten von Corona bei \u00fcber 17 Prozent lag. Damit sind wesentlich mehr Menschen von PTBS betroffen als vor der Pandemie.<\/strong> PTBS betrifft nicht nur Covid-19-Infizierte (15 Prozent), sondern auch medizinisches Personal (17 Prozent) und die Allgemeinbev\u00f6lkerung (17 Prozent). Besonders stark betroffen sind Mitarbeitende auf Covid-19-Stationen (31 Prozent), Krankenpfleger*innen (28 Prozent) und Europ\u00e4er*innen (25 Prozent) [1].<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">PTBS \u2013 Was ist das?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Posttraumatische Belastungsst\u00f6rung (PTBS) ist eine seelische Erkrankung, die infolge <strong>extremer Belastungen <\/strong>auftritt. Solche <strong>traumatischen Erlebnisse<\/strong> oder <strong>Traumen<\/strong> k\u00f6nnen beispielsweise <strong>Krieg, Unf\u00e4lle, sexueller Missbrauch, Naturkatastrophen oder schwere Erkrankungen<\/strong> (z. B. Krebs) sein. Das Erlebte kann PTBS-Betroffene lebenslang beeintr\u00e4chtigen, sie durchleben das Drama in Gedanken immer wieder. Auch Augenzeugen traumatischer Situationen k\u00f6nnen an PTBS erkranken [2,3].<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Symptome der PTBS<\/strong> sind [2,3,4]:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Belastende Erinnerungen (Flashbacks): Das Schreckensszenario wird in Gedanken und Albtr\u00e4umen immer wieder erlebt. Typisch sind durch Schl\u00fcsselreize ausgel\u00f6ste Flashbacks. Betroffene f\u00fchlen sich pl\u00f6tzlich in das Trauma zur\u00fcckversetzt und erleben es erneut.<\/li>\n\n\n\n<li>Vermeidungsverhalten: Um Flashbacks vorzubeugen, meiden Betroffene oft Situationen, Orte oder T\u00e4tigkeiten, die mit dem Trauma zusammenh\u00e4ngen. Auch Ger\u00e4usche und Ger\u00fcche k\u00f6nnen traumatische Erinnerung erwecken.<\/li>\n\n\n\n<li>R\u00fcckzug und Teilnahmslosigkeit: Viele Betroffene ziehen sich sozial zur\u00fcck und empfinden keine Freude mehr.<\/li>\n\n\n\n<li>Nervosit\u00e4t und Anspannung (Hyperarousal): Menschen mit PTBS sind st\u00e4ndig in Alarmbereitschaft, obwohl rational betrachtet keine Gefahr droht. Sie leiden oft unter Schlaf- und Angstst\u00f6rungen. Betroffene sind \u00fcberm\u00e4\u00dfig wach (Hypervigilanz).<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu weiteren Symptomen der PTBS geh\u00f6ren<strong> Angst, Schlaflosigkeit, Fatigue, Wut und Aggression<\/strong> [4]. Oft kommen weitere <strong>psychische Erkrankungen <\/strong>dazu wie <strong>Angstst\u00f6rungen, Depressionen, Abh\u00e4ngigkeitserkrankungen<\/strong> [2,3].<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Behandlung der PTBS<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die wichtigste Behandlungsmethode bei PTBS ist die <strong>Psychotherapie<\/strong>. Am wirksamsten ist die sogenannte <strong>Trauma-fokussierte Psychotherapie<\/strong>, die daher allen Erkrankten empfohlen wird. Zus\u00e4tzlich werden verschiedene Medikamente und weitere Verfahren wie Ergotherapie angewendet [2,3].<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bisher sind lediglich Antidepressiva aus der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnehmehemmer (z. B. Sertralin oder Paroxetin) bei PTBS zugelassen. Bei einigen Betroffenen wirken sie jedoch nicht, sodass mit atypischen Antipsychotika [5] oder antiadrenergen Wirkstoffen [6] kombiniert wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kognitive Verhaltenstherapien helfen sie Angst &#8222;auszul\u00f6schen&#8220; sind jedoch bei der H\u00e4lfte der Patient*innen nicht wirksam. Auch nach erfolgreicher Behandlung treten die Symptome der PTBS oft erneut auf [7].<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Therapiem\u00f6glichkeiten<\/strong> bei PTBS [2,3]:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Trauma-fokussierte Psychotherapie: Trauma-fokussierte Kognitive Verhaltenstherapie (TF-KVT), EMDR-Methode (Eye Movement Desensitization and Reprocessing)<\/li>\n\n\n\n<li>Medikamente: Sertralin, Paroxetin, Venlafaxin<\/li>\n\n\n\n<li>Zus\u00e4tzliche Verfahren: z. B. Ergo-, Kunst-, Musik-, K\u00f6rper- und Bewegungstherapie<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entwicklung weiterer Behandlungsverfahren ist wichtig, da viele bei PTBS eingesetzte Psychopharmaka nicht ausreichend wirken und oft ein ung\u00fcnstiges Nebenwirkungsprofil haben [6].<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Cannabis bei PTBS<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie eine PTBS entsteht, ist nicht komplett gekl\u00e4rt. Wissenschaftler*innen gehen davon aus, dass viele Faktoren an der Pathophysiologie beteiligt sind. Darunter das Endocannabinoidsystem (ECS), welches \u00fcber Cannabinoid-1-Rezeptoren (CB-1-Rezeoptoren) im Gehirn beim L\u00f6schen von Erinnerungen beteiligt ist \u2013 weshalb vermutet wird, dass auch traumatische Erfahrungen &#8222;vergessen&#8220; werden. Diese Rezeptoren modulieren die Freisetzung von Neurotransmittern, um \u00fcberm\u00e4\u00dfige neuronale Aktivit\u00e4ten zu verhindern. Das ECS ist beteiligt an <strong>Schmerzlinderung, Entz\u00fcndungshemmung, Kontrolle von Bewegung und K\u00f6rperhaltung, Regulation von Sinneswahrnehmungen, Ged\u00e4chtnis und kognitiver Funktionen<\/strong> [6].<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele Menschen mit PTBS verwenden Cannabis zur Beschwerdelinderung. <strong>Tetrahydrocannabinol (THC)<\/strong>, der psychotrope Wirkstoff der Cannabispflanze, wirkt \u00fcber CB1-Rezeptoren <strong>angstl\u00f6send<\/strong>. Das <strong>Endocannabinoidsystem (ECS)<\/strong> spielt eine entscheidende Rolle bei <strong>angstbezogenen Lern- und Ged\u00e4chtnisvorg\u00e4ngen [8].<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2013 zeigte eine Studie mit bildgebenden Verfahren, dass<strong> Betroffene mit PTBS eine verminderte Aktivit\u00e4t des ECS in verschiedenen Gehirnregionen aufweisen<\/strong>, vor allem Amygdala, Hippocampus, Gro\u00dfhirnrinde (Cortex) und Striatum [9].<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei <strong>bedrohlichen Situationen sind verschiedene Gehirnregionen<\/strong> aktiv [8].<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Amygdala<\/li>\n\n\n\n<li>Medialer pr\u00e4frontaler Cortex (mPFC)<\/li>\n\n\n\n<li>Rostraler anteriorer cingul\u00e4rer Cortex (rACC: adjacent rostral anterior cingulate cortex)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Patient*innen mit PTBS weisen oft eine Fehlfunktion dieser Gehirnregionen auf. Diese Dysfunktion kann dazu beitr\u00e4gt, dass akute Stressreaktionen nach traumatischen Situationen andauern und zu psychischen Erkrankungen f\u00fchren. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigten eine ver\u00e4nderte Zusammenarbeit zwischen Amygdala und Gro\u00dfhirnrinde beim Verarbeiten von Bedrohungen bei PTBS-Betroffen im Vergleich zu gesunden Testpersonen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So reagiert die Amygdala bei Menschen mit PTBS verst\u00e4rkt auf traumatische Trigger wie Bilder, Ger\u00e4usche, Ger\u00fcche, Fotos, Worte und bedrohliche Gesichter. Eine verminderte Regulierung der Amygdala durch die Gro\u00dfhirnrinde kann dies erkl\u00e4ren. Dies f\u00fchrt zu Hyperarousal (\u00dcbererregung des autonomen Nervensystems). Betroffene sind au\u00dferdem unf\u00e4hig, ihre Aufmerksamkeit und Reaktion auf traumatische Trigger zu unterdr\u00fccken.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">THC (Tetrahydrocannabinol) bei PTBS<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Angstverarbeitende Gehirnregionen enthalten viele CB-1-Rezeptoren. Bildgebende Untersuchungen haben gezeigt, dass bei gesunden Versuchspersonen THC die Aktivit\u00e4t der Amygdala und mPFC\/rACC moduliert. Niedrig dosiertes orales THC reduziert die Amygdala-Aktivit\u00e4t, gleichzeitig nimmt die Kopplung zwischen Amygdala und mPFC\/rACC bei Bedrohungen zu. Die Ergebnisse legen nah, dass Cannabinoide die Dysfunktion dieser Gehirnregionen bei PTBS und anderen stressbedingten Erkrankungen beheben k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wichtig:<\/strong> Andere Studien zeigten, dass <strong>THC &#8211; insbesondere bei hohen Dosen (\u00fcber 10mg) &#8211; die Amygdala aktiviert, wodurch Angst und Erregung auf Bedrohungen zunehmen k\u00f6nnen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie THC die Angstverarbeitung beeinflusst, ist sehr komplex und h\u00e4ngt von der Dosierung ab, wissenschaftlich wird vom biphasischen Effekt gesprochen: Niedrige Dosen THC wirken oft angstl\u00f6send (anxiolytisch), w\u00e4hrend hohe Dosen das Gegenteil bewirken, also angstausl\u00f6send (anxiogen) wirken k\u00f6nnen [8].<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Cannabis eignet sich nicht f\u00fcr alle PTBS-Betroffenen. Patient*innen sollten mit niedrigen Dosen THC beginnen und die Auswirkungen genau beobachten. Die Dosierung wird langsam gesteigert, bis die \u00c4ngste optimal kontrolliert sind. Dadurch kann m\u00f6glichen Panikattacken durch \u00dcberdosierungen vorgebeugt werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Doppelblindstudie: Nabilon lindert Albtr\u00e4ume bei Soldaten<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele PTBS-Patient*innen haben <strong>Schlafst\u00f6rungen<\/strong>. Besonders belastend sind <strong>Albtr\u00e4ume,<\/strong> welche Betroffene erneut traumatisieren k\u00f6nnen. Eine 2015 ver\u00f6ffentlichte kanadische Doppelblindstudie untersuchte den Effekt des synthetischen Cannabinoids <strong>Nabilon, ein THC-Abk\u00f6mmling, <\/strong>auf <strong>H\u00e4ufigkeit und Intensit\u00e4t von Albtr\u00e4umen<\/strong> bei Soldaten mit PTBS. Eine Standardbehandlung konnte bei den zehn teilnehmenden M\u00e4nnern die Albtr\u00e4ume nicht bessern. Die durchschnittlich 44-j\u00e4hrigen M\u00e4nner hatten einen Schweregrad der PTBS von 3,3 (Global Impression of Secerity of PTBS), wobei 4 schwerste Beschwerden bedeuten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Studie fand im Cross-Over-Design statt, sieben Wochen lang nahmen die Teilnehmer Nabilon oder Placebo ein. Nach einer zweiw\u00f6chigen Therapiepause wurde in die jeweils andere Therapiegruppe gewechselt. Die Dosierung wurde langsam erh\u00f6ht, bis die Albtr\u00e4ume nachlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>In der Nabilon-Gruppe gingen Albtr\u00e4ume signifikant zur\u00fcck. F\u00fcnf von zehn Personen berichteten unter Nabilon von deutlicher Besserung i<\/strong>m Vergleich zu lediglich einem Teilnehmer unter Scheinmedikament. Die Symptomreduktion gemessen durch &#8222;CAPS Recurring and Distressing Dream Scores&#8220; betrug unter Nabilon -3,6, unter Scheinmedikament lediglich -1,0. Die mittlere Gesamtverbesserung (mean global improvement) wurde mittels &#8222;Clinical Global Impression of Change (CGI-C)&#8220; gemessen und zeigte unter Nabilon (CGI-C von 1,9) deutliche Besserungen, unter Placebo (CGI-C von 3,2) geringf\u00fcgige Besserungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese kleine Studie zeigt, dass Nabilon Albtr\u00e4ume beim PTBS reduzieren kann. <strong>Eine Cannabinoidtherapie kann eine vielversprechende Behandlungsm\u00f6glichkeit bei von Albtr\u00e4umen geplagten Patient*innen sein, bei denen andere Therapien nicht helfen. <\/strong>Es sind jedoch Studien mit gr\u00f6\u00dferen Personengruppen n\u00f6tig. Auch die Beeinflussung anderer PTBS-Symptome wie Schlaflosigkeit, Wiedererleben des Traumas und Hypervigilanz (erh\u00f6hte Wachsamkeit) sollte untersucht werden [9].<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">CBD (Cannabidiol) bei PTBS<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das nichtpsychotrope CBD hat verschiedene physiologische Wirkungen, da es nicht nur das ECS aktiviert, sondern auch andere Rezeptoren wie Serotonin-, Adenosin- und Opioid-Rezeptoren moduliert. Die <strong>angstl\u00f6sende, neuroprotektive und antidepressive Wirkung<\/strong> von CBD k\u00f6nnte \u00fcber Serotoninrezeptoren (5-HT1A-Rezeptoren) vermittelt werden. Im Gegensatz zu THC aktiviert CBD die CB1-Rezeptoren kaum. Jedoch <strong>hemmt CBD das k\u00f6rpereigene Enzym Fetts\u00e4ureamid-Hydrolase (FAAH), wodurch mehr Endocannabinoide wie Anandamid verf\u00fcgbar sind, <\/strong>was CB1-Rezeptoren indirekt aktiviert. Tierversuche deuten darauf hin, dass die Aktivierung der CB1-Rezeptoren dazu f\u00fchren kann, dass Erinnerungen &#8222;vergessen&#8220; werden, daher kann CBD bei PTBS helfen. Fallberichte zeigen, dass CBD bei PTBS angstl\u00f6send wirken und den Schlaf verbessern kann. Umfangreiche klinische Studien am Menschen stehen jedoch noch aus [6].<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Retrospektive Fallserie: CBD lindert verschiedene PTBS-Symptome<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Amerikanische Wissenschaftler*innen analysierten zwischen Februar 2016 und Mai 2018 retrospektiv Krankenakten von 11 PTBS-Patient*innen, die orales aus Nutzhanf extrahiertes CBD erhielten. Die meisten der durchschnittlich 40-j\u00e4hrigen Betroffenen erhielten Psychotherapie und integrative Therapien wie Ern\u00e4hrungsumstellung, pflanzliche Medikamente, Neurofeedback und Vitamine. Im Schnitt wurden drei Psychopharmaka, darunter Antidepressiva, Stimmungsstabilisierer, Angstl\u00f6ser und Stimulanzien eingenommen. Eine Person konsumierte t\u00e4glich Cannabis. Zu den Begleitsymptomen der Betroffenen geh\u00f6rten <strong>Angst, Stimmungs-, Pers\u00f6nlichkeits- und Schlafst\u00f6rungen<\/strong>. CBD wurde individuell in Kapsel- oder Sprayform dosiert. Die Schwere der Beschwerden wurde vor Studienbeginn sowie nach vier und acht Wochen mittels standardisierter Frageb\u00f6gen (PCL-5) abgefragt. Dieser besteht aus 20 Fragen, die von den Patient*innen jeweils mit Werten zwischen 0 und 4 bewertet werden, woraus sich 80 Punkte f\u00fcr maximale Beschwerden ergeben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ergebnisse der Datenerhebung zeigten, dass<strong> fast alle Betroffenen (10 von 11 Personen) durch CBD ihre PTBS-Symptome lindern <\/strong>konnten. Nach vier Einnahmewochen fielen die Punkte im Fragebogen um 21 Prozent (R\u00fcckgang von 51,82 auf 40,73). Nach acht Wochen nahmen die Werte weiter ab (R\u00fcckgang auf 37,14), was einen R\u00fcckgang um ein Drittel (28 Prozent) bedeutet. Eine Person jedoch erlebte verschlimmerte PTBS-Beschwerden. Vier Betroffene nahmen CBD l\u00e4nger als neun Monate ein und profitierten von langanhaltender Beschwerdelinderung. <strong>Die Ergebnisse zeigten auch bei einigen Betroffenen eine subjektive Besserung von Albtr\u00e4umen, weniger Angst und Besserung von Schlaf, Konzentration und Stimmung. <\/strong>CBD war meistens gut vertr\u00e4glich, vereinzelt traten Fatigue, M\u00fcdigkeit und Verdauungsbeschwerden auf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die retrospektive Datenanalyse zeigt, dass orales CBD zus\u00e4tzlich zu Psychotherapie und Medikamenten PTBS-Beschwerden lindern kann.<\/strong> Doppelblindstudien sind n\u00f6tig, um das Potenzial weiter zu untersuchen. Weitere Forschung wird auch zeigen, ob CBD bei Albtr\u00e4umen helfen kann [6].<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Doppelblindstudie: Angstl\u00f6sende Wirkung von CBD abh\u00e4ngig von Art des Traumas<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einer 2022 ver\u00f6ffentlichten Doppelblindstudie teilten Forschende der Universit\u00e4t von Sao Paulo, Brasilien, 31 PTBS-Betroffene in zwei Gruppen auf. Eine erhielt orales CBD, die andere ein Placebo. Die Teilnehmenden h\u00f6rten dann eine Audioaufnahme eines vorher aufgenommenen Berichts \u00fcber ihr Trigger-Ereignis.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um Auswirkungen auf die PTBS-Symptome zu untersuchen, wurden vor und nach Anh\u00f6ren subjektive und physiologische Messungen durchgef\u00fchrt. Das wissenschaftliche Team beobachtete, dass die Betroffenen beim Anh\u00f6ren der Audioaufnahme, also beim Denken an das Trauma, verst\u00e4rkte <strong>Angst, Wachsamkeit, Unbehagen und kognitive Einschr\u00e4nkungen<\/strong> erleben. Zus\u00e4tzlich stiegen <strong>Blutdruck und Herzfrequenz<\/strong>. Die Forscher*innen untersuchten, ob es bei sexuellen und nicht-sexuellen Traumen Unterschiede in der Wirkung von CBD gab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ergebnis: In der Gruppe mit nicht-sexuellen Traumen wurden signifikant geringere Unterschiede bei den Messungen vor und nach dem Anh\u00f6ren mit CBD als mit Placebo beobachtet. Ebenso zeigen sich mit CBD geringere Unterschiede bei Angstzust\u00e4nden und kognitiver Beeintr\u00e4chtigung. <strong>CBD zeigte also bei Traumen nicht-sexueller Ursache st\u00e4rkere Effekte. Bei sexuellen Traumen<\/strong> <strong>dagegen konnten weder CBD noch Placebo die PTBS-Beschwerden signifikant lindern, was sich durch die besonders starke Symptomatik erkl\u00e4ren l\u00e4sst [10].<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vieles zu PTBS liegt noch im Dunkeln. Psychotherapie ist die wichtigste Behandlung der PTBS, da es bis heute au\u00dfer Antidepressiva keine zugelassenen Medikamente gibt. Hier ist weiter Grundlagenforschung n\u00f6tig. Forschungen zufolge hilft das Endocannabinoidsystem dabei, Ged\u00e4chtnisinhalte zu &#8222;vergessen&#8220;, weswegen Medizinalcannabis auch PTBS-Betroffenen helfen kann. <strong>Fallberichte und erste kleinere Studien zeigen, dass THC und <a>CBD \u00c4ngste<\/a> lindern k\u00f6nnen. Weitere Beschwerden wie Albtr\u00e4ume, Schlafst\u00f6rungen, Konzentrations- und Stimmungsst\u00f6rungen k\u00f6nnen ebenfalls von Medizinalcannabis profitieren. Da THC auch Panik ausl\u00f6sen kann, sollte die Behandlung unter \u00e4rztlicher \u00dcberwachung erfolgen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gr\u00f6\u00dfere klinische Studien laufen gerade. Eine 2020 begonnene Doppelblindstudie der University of Texas at Austin untersucht die Wirkung von CBD an 150 PTBS-Betroffenen. Die Forscher*innen werden die Auswirkungen der Behandlung auf die Schwere der PTBS-Symptome sowie auf verschiedene Begleitsymptome wie Depression, Gesamtbehinderung, Angst, Lebensqualit\u00e4t und Alkoholkonsum untersuchen. In dieser Studie wird erstmals ein CBD-Isolat mit einem CBD-Breitspektrumextrakt und Placebo verglichen. Die Ergebnisse werden im Mai 2024 erwartet und werden dazu beitragen, das Verst\u00e4ndnis zur Cannabistherapie bei PTBS zu verbessern [11,12].<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Quellen:<\/strong><strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[1] Yunitri N, Chu H, Kang XL, et al. <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC8585564\/\">Global prevalence and associated risk factors of posttraumatic stress disorder during COVID-19 pandemic: A meta-analysis<\/a>.&nbsp;<em>Int J Nurs Stud<\/em>. 2022;126:104136. doi:10.1016\/j.ijnurstu.2021.104136<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[2] SCH\u00c4FER, I., GAST, U., HOFMANN, A., KNAEVELSRUD, C., LAMPE, A., LIEBERMANN, P., LOTZIN, A., MAERCKER, A., ROSNER, R., W\u00d6LLER, W. (2019) S<a href=\"https:\/\/register.awmf.org\/assets\/guidelines\/155-001l_S3_Posttraumatische_Belastungsstoerung_2020-02_1.pdf\">3-LEITLINIE POSTTRAUMATISCHE BELASTUNGSST\u00d6RUNG.<\/a> SPRINGER VERLAG, BERLIN.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[3] <a href=\"https:\/\/register.awmf.org\/assets\/guidelines\/155_Deutschsprachige_G_f_Psychotraumatologie\/155-001ki_S3_Posttraumatische_Belastungsstoerung_2021-11.pdf\">https:\/\/register.awmf.org\/assets\/guidelines\/155_Deutschsprachige_G_f_Psychotraumatologie\/155-001ki_S3_Posttraumatische_Belastungsstoerung_2021-11.pdf<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[4] Sadeghi M, McDonald AD, Sasangohar F. <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC9116643\/\">Posttraumatic stress disorder hyperarousal event detection using smartwatch physiological and activity data<\/a>. <em>PLoS One<\/em>. 2022;17(5):e0267749. Published 2022 May 18. doi:10.1371\/journal.pone.0267749<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[5] Volz, HP. <a href=\"https:\/\/link.springer.com\/article\/10.1007\/s15202-017-1818-0\">PTBS: Wenn der SSRI allein nicht ausreicht &#8230;.<\/a> <em>DNP<\/em> <strong>18<\/strong>, 24 (2017). https:\/\/doi.org\/10.1007\/s15202-017-1818-0<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[6] Elms L, Shannon S, Hughes S, Lewis N. <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC6482919\/\">Cannabidiol in the Treatment of Post-Traumatic Stress Disorder: A Case Series<\/a>. <em>J Altern Complement Med<\/em>. 2019;25(4):392-397. doi:10.1089\/acm.2018.0437<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[7] Lee, B., Pothula, S., Wu, M. <em>et al.<\/em> <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41380-022-01498-7\">Positive modulation of N-methyl-D-aspartate receptors in the mPFC reduces the spontaneous recovery of fear.<\/a> <em>Mol Psychiatry<\/em> <strong>27<\/strong>, 2580\u20132589 (2022). https:\/\/doi.org\/10.1038\/s41380-022-01498-7<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[8] Rabinak CA, Blanchette A, Zabik NL, et al. <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC7244361\/\">Cannabinoid modulation of corticolimbic activation to threat in trauma-exposed adults: a preliminary study<\/a>. <em>Psychopharmacology (Berl)<\/em>. 2020;237(6):1813-1826. doi:10.1007\/s00213-020-05499-8<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[9] Jetly R, Heber A, Fraser G, Boisvert D. <a href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/25467221\/\">The efficacy of nabilone, a synthetic cannabinoid, in the treatment of PTSD-associated nightmares: A preliminary randomized, double-blind, placebo-controlled cross-over design study<\/a>. <em>Psychoneuroendocrinology<\/em>. 2015;51:585-588. doi:10.1016\/j.psyneuen.2014.11.002<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[10] Bolsoni LM, Crippa JAS, Hallak JEC, Guimar\u00e3es FS, Zuardi AW. <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC9169481\/\">The anxiolytic effect of cannabidiol depends on the nature of the trauma when patients with post-traumatic stress disorder recall their trigger event<\/a>.&nbsp;<em>Braz J Psychiatry<\/em>. 2022;44(3):298-307. doi:10.1590\/1516-4446-2021-2317<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[11] Telch MJ, Fischer CM, Zaizar ED, Rubin M, Papini S. <a href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/36154908\/\">Use of Cannabidiol (CBD) oil in the treatment of PTSD: Study design and rationale for a placebo-controlled randomized clinical trial<\/a>.&nbsp;<em>Contemp Clin Trials<\/em>. 2022;122:106933. doi:10.1016\/j.cct.2022.106933<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[12] <a href=\"https:\/\/clinicaltrials.gov\/ct2\/show\/NCT04197102\">https:\/\/clinicaltrials.gov\/ct2\/show\/NCT04197102<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Extreme Erfahrungen wie Unf\u00e4lle, lebensbedrohliche Erkrankungen, Krieg, Vergewaltigung oder Naturkatastrophen k\u00f6nnen eine Posttraumatische Belastungsst\u00f6rung (PTBS) nach sich ziehen. 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