Die Schlafapnoe ist eine schlafbezogene Atemstörung, die immense gesundheitliche Folgen nach sich ziehen kann. Die Betroffenen leiden nicht nur unter starker Tagesmüdigkeit aufgrund des Schlafmangels, auch die Lebenserwartung ist durch Herz-Kreislaufprobleme und Bluthochdruck eingeschränkt. Meist wird das Schlafapnoe-Syndrom mit einem Atemgerät behandelt, das auch allgemein gute Wirkung zeigt. Allerdings empfinden viele Patientinnen und Patienten diese Masken als störend und nutzen sie daher nicht wie vorgeschrieben. Bisher gibt es keine Medikamente gegen die obstruktive Schlafapnoe. Eine Studie zeigt allerdings, dass Dronabinol eine alternative Behandlungsform oder Begleittherapie werden könnte.

Was ist eine Schlafapnoe?

Das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) ist eine nächtliche Atemstörung mit Beeinträchtigung der oberen Atemwege. Durch das Erschlaffen der Muskeln im Mund und Rachen kann der Befehl des Gehirns, Luft zu holen, nicht umgesetzt werden kann. Der eingeengte Raum im Schlund führt zu dem typischen Schnarchen. Außerdem kommt es zu Atempausen, die von 10 Sekunden bis zu wenigen Minuten dauern können und mehrmals pro Stunde auftreten.

Symptome der obstruktiven Schlafapnoe:

  • lautes und unregelmäßiges Schnarchen mit Atemaussetzern
  • starke Tagesschläfrigkeit
  • verminderte Leistungsfähigkeit (Sekundenschlaf)
  • morgendliche Kopfschmerzen
  • nächtliches Erwachen aus dem Schlaf
  • Depressionen, Angstzustände, Potenz- und Libidostörung

Das Schlafapnoe-Syndrom tritt vor allem bei Männern über 40 Jahren auf. Darüber hinaus ist ein hoher BMI ein Risikofaktor. Die meisten Patienten mit Schlafapnoe sind adipös, also sehr stark übergewichtig. Die Angaben, wie viele Menschen in Deutschland an einer Schlafapnoe leiden, schwanken teilweise erheblich. Das liegt unter anderem daran, dass die Erkrankung meist gar nicht erst diagnostiziert wird: Schätzungen zufolge trifft das auf 80 bis 90 Prozent der Fälle zu. Experten gehen aber davon, dass 4 bis 9 Prozent der Bevölkerung betroffen sind. [1]

Mediziner unterscheiden zwischen dem obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom und dem zentralen Schlafapnoe-Syndrom. Dabei ist die erste Form mit Abstand die häufigere: 90 Prozent der Patienten leiden an der OSAS. Das zentrale Schlafapnoe-Syndrom dagegen, an dem weniger als zehn Prozent der Schlafapnoe-Betroffenen leiden, zeichnet sich durch das Fehlen der Beeinträchtigung (Obstruktion) der oberen Atemwege aus.

Schlafapnoe: Auswirkungen auf die Gesundheit und Therapieoptionen

Eine unbehandelte Schlafapnoe stellt eine große Belastung für die Betroffenen dar. [2] Durch den unterbrochenen Nachtschlaf fehlen den Patienten die Tiefschlafphasen. Der Körper kann sich nicht ausreichend erholen, sodass die Betroffenen unter Tagesmüdigkeit leiden, die wiederum zu Konzentrationsproblemen und Leistungsdefiziten führt. Durch eventuell auftretenden Sekundenschlaf ist das Unfallrisiko erhöht.

Die gesundheitlichen Langzeitrisiken des obstruktiven Schlafapnoe-Syndroms sind enorm. Sie schließen Bluthochdruck und Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes, Schlaganfall und Depressionen ein. In letzter Konsequenz führt die Erkrankung somit zu einem früheren Tod. [2] [3] [4]

Damit es nicht soweit kommt, ist es wichtig, dass Patienten zunächst die Risikofaktoren reduzieren. In der Regel bedeutet dies bei der OSAS eine konsequente Gewichtsreduktion. Darüber hinaus sollten die Betroffenen Nikotin und Alkohol meiden. Die Behandlung von bestehenden Grunderkrankungen und die Einstellung des Blutdrucks sind essentiell.

Darüber hinaus kann der Einsatz eines Beatmungsgerätes (CPAP) das Mortalitätsrisiko auf das Niveau der gesunden Bevölkerung senken. Es verringert die Tagesschläfrigkeit, senkt den Blutdruck und verringert die Zahl der Krankenhauseinweisungen. Allerdings ist der Einsatz des Beatmungsgerätes nur erfolgreich, wenn die Patienten es wie vorgeschrieben anwenden und die Behandlung durch regelmäßige Schlafuntersuchungen überwacht wird.

Leider ist die Atemmaske aber für viele Menschen schwer zu tolerieren. Sie tragen sie daher nur unregelmäßig oder nur für einige Stunden während der Nacht. Die Abbruchrate bei dieser Therapie ist hoch. Da bisher keine Medikamente gegen die Schlafapnoe zur Verfügung stehen, ist der Bedarf einer Alternativbehandlung groß. [5]

Dronabinol – eine Therapie gegen Schlafapnoe?

Der synthetische Cannabis-Wirkstoff Dronabinol erzielte in einer Phase II Studie interessante Ergebnisse bei der Behandlung des obstruktiven Schlafapnoe-Syndroms. Die Doppelblindstudie der University of Illinois in Chicago und der Northwestern University wurde Placebo-kontrolliert und an verschiedenen Zentren durchgeführt. Laut der Wissenschaftler zeigt diese Untersuchung aus dem Jahr 2018, “dass Dronabinol bei Teilnehmern mit mittelschwerer bis schwerer OSAS sicher und gut verträglich ist.”  [5]

Da es bisher nur wenige Therapieoptionen bei der Schlafapnoe gibt, ist die vorliegende Studie sehr interessant. Die Forscher erklären dazu: “Es besteht nach wie vor ein wichtiger und ungedeckter Bedarf an voll wirksamen und akzeptablen Behandlungen der obstruktiven Schlafapnoe (OSAS). Gegenwärtig gibt es keine zugelassenen medikamentösen Behandlungen.” [5]

Die Studie wurde mit 73 Erwachsenen mit mittelschwerer oder schwerer obstruktiver Schlafapnoe durchgeführt. Nach dem Zufallsprinzip erhielten diese entweder ein Placebo, 2,5 mg Dronabinol oder 10 mg Dronabinol täglich. Das Cannabis-Medikament nahmen sie bis zu 6 Wochen lang eine Stunde vor dem Schlafengehen ein. Dronabinol erzielte in der Studie in der höheren Dosierung ein besseres Ergebnis. Teilnehmer, die 10 mg Dronabinol pro Tag erhielten, äußerten die höchste Gesamtzufriedenheit mit der Behandlung.

“Dronabinol reduzierte dosisabhängig die Anzahl der Atemaussetzer und verbesserte die selbstberichtete, aber nicht objektive Schläfrigkeit (…)”. [5]

Für die Wissenschaftler steht fest, dass größere klinische Studien erforderlich sind, um den besten möglichen Therapieansatz für die Behandlung mit Cannabinoiden bei OSAS zu finden.

Innovativer Ansatz der Cannabinoidtherapie

Die medikamentöse Behandlung der Schlafapnoe ist ein neuer Ansatz, da sie auf das Gehirn und nicht auf das physische Problem der Atemwege abzielt. Das erklärt Prof. Phyllis Zee, eine an der Studie beteiligte Forscherin gegenüber der Zeitschrift Sleep Review. Dies spiegele die Überzeugung wider, dass die Schlafapnoe nicht nur ein physisches Problem ist, sondern durch mehrere Faktoren verursacht werden kann. Einer davon sei die schlechte Regulierung der Muskeln der oberen Atemwege durch das Gehirn, so Zee.

„Das CPAP-Gerät zielt auf das körperliche Problem, aber nicht auf die Ursache“, erklärt Zee. „Das Medikament zielt auf das Gehirn und die Nerven, die die Muskeln der oberen Atemwege regulieren. Es verändert die Neurotransmitter aus dem Gehirn, die mit den Muskeln kommunizieren. Ein besseres Verständnis davon wird uns helfen, wirksamere und individuell angepasste Behandlungen für Schlafapnoe zu entwickeln“.

Cannabinoide: eine neue Behandlung für Schlafapnoe?

Obwohl Atemgeräte bei der Therapie der obstruktiven Schlafapnoe sehr wirksam sind, kommen viele Patientinnen und Patienten damit nicht zurecht. Eine medikamentöse Behandlung dieser Erkrankung würde daher für die Betroffenen einen enormen Nutzen bringen.

Die Forschung hat positive Ergebnisse mit THC (Dronabinol) bei Schlafapnoe erzielt. Die Atemaussetzer konnten reduziert werden und das subjektive Allgemeinbefinden und die Tagesmüdigkeit verbesserte sich. Dieser Ansatz ist innovativ, da er nicht nur das körperliche Problem behandelt, sondern auf die Ursache der Atemaussetzer abzielt.

Für die Wissenschaftler ist es allerdings unwahrscheinlich, “dass eine medikamentöse Behandlung bei allen Menschen mit OSAS voll wirksam sein könnte.”  [5] Weitere große Studien könnten dabei helfen zu verstehen, welche Betroffenen von der Cannabinoidbehandlung profitieren und wie eine individuell optimale Therapie bei der obstruktiven Schlafapnoe aussehen könnte.

[1] Zausig, Y., Arzt, M. Perioperative Versorgung von Patienten mit obstruktiver Schlafapnoe. Pneumologe 11, 386–393 (2014). https://doi.org/10.1007/s10405-014-0791-y

[2] Young T, Palta M, Dempsey J, Peppard PE, Nieto FJ, Hla KM. Burden of sleep apnea: rationale, design, and major findings of the Wisconsin Sleep Cohort study. WMJ. 2009;108(5):246-249.

[3] Hale CS. Obstructive sleep apnea and cardiovascular disease and mortality: the argument for causality. J Insur Med. 2005;37(4):272-282.

[4] Parish JM, Adam T, Facchiano L. Relationship of metabolic syndrome and obstructive sleep apnea. J Clin Sleep Med. 2007;3(5):467-472.

[5] Carley DW, Prasad B, Reid KJ, et al. Pharmacotherapy of Apnea by Cannabimimetic Enhancement, the PACE Clinical Trial: Effects of Dronabinol in Obstructive Sleep Apnea. Sleep. 2018;41(1):zsx184. doi:10.1093/sleep/zsx184