Heutzutage wächst der Gebrauch von medizinischem Cannabis immer weiter. Mit der älter werdenden Bevölkerung nimmt auch die Anzahl an älteren Patienten, die mit medizinischem Cannabis behandelt werden, zu. Ziel dieses Artikels ist es, die Eigenschaften von älteren Personen, welche die Vorteile von medizinischem Cannabis nutzen, abzuschätzen und die Sicherheit und Wirkung dieser Behandlung zu beurteilen.
Aufgrund der sowohl in Entwicklungsländern als auch in entwickelten Ländern stetig älter werdenden Bevölkerung werden kognitive Beeinträchtigungen im Gesundheitswesen immer relevanter. Kognitive Beeinträchtigungen sind eine der häufigsten Krankheiten von älteren Personen und können zu Behinderungen oder Tod führen

[1].
Eine kognitive Beeinträchtigung kann ein Anzeichen für Demenz sein. Die sogenannten „neuropsychiatrischen Symptome“ (NPS) für Demenz reichen von Wahnvorstellungen, Unruhe oder Depression bis hin zu Angstzuständen. Sobald diese Symptome anhalten, kann dies zu einer signifikanten Reduzierung der kognitiven Fähigkeiten und somit der Qualität des Lebens führen. Die übliche Herangehensweise für die betroffenen Personen sind psychosoziale Behandlungen, wie beispielsweise personenzentrierte Betreuung, Sinnesinterventionen und Aufklärung der Angehörigen, auch wenn diese nur geringen Einfluss haben.
Außerdem werden für die symptomatische Therapie Antipsychotika verwendet. Die Effizienz dieser Methode ist jedoch nicht sehr wirksam. Und es gibt relevante und ernstzunehmende Nebeneffekte, wie zum Beispiel Stürze, Herzerkrankungen, Schlaganfälle und im schlimmsten Falle den Tod.
Aber auch Psychopharmaka, die regelmäßig konsumiert werden, z.B. Antidepressiva, Antiepilepktikum oder Benzodiazepin können schwerwiegende Nebeneffekte bei gefährdeten Demenzpatienten haben, weshalb sie keine angemessene Alternative darstellen.

Konditionen für die Behandlung von älteren Patienten

Demenz ist weltweit einer der häufigsten Gründe für die Behinderung und Abhängigkeit älterer Personen. Sie ist gekennzeichnet durch einen wachsenden Rückgang von verschiedenen neuropsychologischen und kortikalen Funktionen, unter anderem der Erinnerung, der Orientierung oder des Urteilsvermögens. Diese Einschränkungen beeinflussen die sozialen und funktionalen Fähigkeiten der betroffenen Personen. Es gibt unterschiedliche Formen von Demenz, wovon Alzheimer die meist verbreitete ist (60-70%), gefolgt von vaskulärer Demenz. Mit steigendem Alter können zusätzliche unterschiedliche Arten von Demenz auftreten.
THC, die relevanteste psychoaktive Substanz der Cannabis Pflanze (Cannabis Sativa L.) spielt aufgrund ihrer psychologischen sowie physiologischen Wirkung eine besondere Rolle in der Wissenschaft. Beispielsweise werden Cannabinoide bereits als symptomatische Behandlung von Multiple Sklerose genutzt. Darüber hinaus belegen einige Studien die Wirkung von Cannabinoiden auf unterschiedliche Symptome wie beispielsweise Schmerz, durch Chemotherapie verursachte Übelkeit und Brechreiz oder Appetitlosigkeit. Andererseits gab es Fälle, in denen THC Nebeneffekte wie Schwindel, Müdigkeit und Gleichgewichtsprobleme aufzeigt, weshalb es vor einem umfassenden Gebrauch noch weitere Studien geben sollte.

Studien über die Sicherheit und Wirkung von Tetrahydrocannabinol (THC) Behandlung

Obwohl Cannabinoide für den umfangreichen Einsatz zur therapeutischen Behandlung verschiedener Krankheiten studiert wurden, können die Ergebnisse dieser Studien von jungen Patienten nicht einfach auf ältere übertragen werden, vor allem nicht auf ältere Patienten mit kognitiven Beeinträchtigungen.
Ein Bericht[2] von Geke A.H. et al (Kapitel 2) untersucht die Wirkung, Sicherheit, Hinweise und Pharmakokinetik von medizinischen Cannabinoiden für ältere Patienten.
Die im nachfolgenden Text vorgestellten Studien behandelten drei grundsätzliche Themen:

  1. Behandlung der aktuellen Literatur über die Wirkung von medizinischen Cannabinoiden auf ältere Patienten
  2. Beurteilung der Wirkung von oralem Tetrahydrocannabinol (THC) in der Behandlung von Demenz verursachten neuropsychiatrischen Syndromen (NPS)
  3. Beurteilung der Sicherheit von oralem THC für ältere Personen und Patienten mit Demenz

In der ersten Studie[3], welche in 5 Kapitel unterteilt ist, wurden ausschließlich Teilnehmer ab 65 Jahren mit einer geringen oralen Dosis THC behandelt. Obwohl keine Wirkung gegen Dyskinesie, Atemnot oder Chemotherapie (und somit Übelkeit oder Brechreiz) gezeigt werden konnte, könnte die Behandlung mit THC bei Stimmungsschwankungen von Demenzerkrankten Personen oder Magersucht durchaus helfen. Außerdem traten häufig Behandlungsschäden während der Cannabinoid Behandlung in Form von Sedierung auf. In zwei Fällen traten Herzrhythmusstörungen und ein Schlaganfall auf, obwohl keine Verbindung zu den Medikamenten hergestellt werden konnte. Dieses Kapitel zeigt, dass die Behandlung – speziell von älteren Patienten – mit Cannabinoiden mit Vorsicht zu behandeln ist, weil es aufgrund von einer zu kleinen Stichprobe zu Abweichungen kam.
Anschließend führten Wissenschaftler in Kapitel 3[4] und 4 zwei weitere Studien mit Demenzkranken Personen und Patienten mit NPS durch. Diesmal wurde eine höhere, aber noch immer recht geringe Dosis an THC (unter 3mg) eingesetzt. Doch auch mit der erhöhten Dosis an THC, konnte keine Verbesserung des Neuropsychiatrischen Inventars (NPI) erzeugt werden. Und auch beunruhigtes Verhalten konnte nicht beeinflusst werden. Die Ergebnisse zeigen zusätzlich, dass eine Langzeit-Behandlung mit einer geringen Dosis an THC gut verträglich ist und keinen Einfluss auf die Wahrnehmung, die Beweglichkeit oder das Körpergewicht hat. Außerdem konnten keine Effekte bezüglich Stimmungsschwankungen oder Belastung der Angehörigen gefunden werden.
In Kapitel 4[5] wurde die Wirkung der Behandlung von Stimmungsschwankungen und Schmerz von Patienten mit leichter bis schwerer Demenz mit einer täglichen Dosis von 4,5mg THC behandelt. Die Resultate zeigen, dass THC weder den NPI-Wert signifikant reduziert, noch Einfluss auf Beunruhigung, Alltagsverhalten oder Qualität des Lebens hat. Trotzdem wurde THC von den betroffenen Patienten gut angenommen.
Außerdem wurde eine andere Studie[6], welche die Eigenschaften älterer Personen, die mit medizinischem Cannabis behandelt werden, herausfinden sollte, durchgeführt. Die Wirkung und Sicherheit von Kurz- sowie Lang-Zeit-Behandlung sollten hierbei untersucht werden. Die betrachtete, mit Cannabis behandelte Gruppe empfand nach einem halben Jahr dieser Therapie deutlich weniger Schmerz als zuvor, was an der Reduzierung des Median von 8 Punkten auf 4 Punkte des Schmerzempfindens (maximal 10 Punkte) zu erkennen ist. Die grundsätzliche Bewertung der Lebensqualität konnte durch die Behandlung ebenfalls verbessert werden. Zusätzlich zur verbesserten Lebensqualität nahm die Mehrheit der Patienten die Behandlung als erfolgreich an. Insgesamt war die Behandlung bei 708 von 1198 Patienten (59,1%) erfolgreich, während bei 31,7% innerhalb eines halben Jahres Nebenwirkungen eintraten. Die meist verbreitetsten Nebenwirkungen waren Schwindelgefühl und Mundtrockenheit.
In einer zusammenfassenden Bewertung bestätigt der Autor, dass die Studien genutzt werden können, um zu zeigen, dass die Behandlung älterer Patienten mit medizinischem Cannabis das Schmerzgefühl lindern und somit die Lebensqualität verbessern kann. Außerdem konnten keine gravierenden Nebeneffekte gefunden werden und nur ein geringer Teil führte zum Abbruch der Behandlung.

Studien zur Wirkung und Sicherheit von Cannabidiol (CBD)

Die meisten Behandlungen, bei denen Cannabinoide verwendet werden, beinhalten die größte nicht-psychotropische Substanz der Cannabispflanze, Cannabidiol (CBD). Cannabidiol hat viele pharmakologische Wirkungen, unter anderem Anxiolykum, Antipsychotikum, Antiemetikum und entzündungshemmende Bestandteile.
Laut einer vom Institut für klinische und toxologische Analysen und Ernährungswissenschaften der São Paulo Universität in Brasilien durchgeführte Studie[7] ist CBD ungiftig und liegt in unveränderten Zellen liegt. Deshalb wird die Nahrungsaufnahme nicht beeinflusst. Außerdem besagt die Studie, dass CBD weder Katalepsie hervorruft, noch Einfluss auf physiologische Paramter (Herzschlag, Blutdruck, Körpertemperatur) hat. Es gäbe keine Magen-Darm-Beschwerden und sowohl psychomotorische als auch psychologische Funktionen würden nicht verändert werden. Auch eine langwierige Einnahme oder Dosen von CBD bis zu 1.500mg/Tag können vom menschlichen Körper verarbeitet werden.
Den oben genannten Studien und aktuellen Fortschritten in Cannabinoid Verabreichungen zufolge, könnte die kontrollierte Behandlung von Mensch und Tier mithilfe von CBD und THC hilfreich sein. Trotzdem sind weitere Studien notwendig, um mögliche Nebenbedingungen solcher Behandlungen aufzuzeigen.

Hat dir dieser Beitrag gefallen? Mache eine Bewertung

[1] Laura Fratiglioni, Diana De Ronchi, and Hedda Agüero-Torres. “Worldwide Prevalence and Incidence of Dementia”. Drugs & Aging 1999 Nov; 15 (5): 365-375

[2] Geke Aloysia Hendrikus van den Elsen. “Tetrahydrocannabinol in the treatment of neuropsychiatric symptoms in dementia”.

[3] Geke A.H. van den Elsen, Amir I.A. Ahmed; Michiel Lammers; Cornelis Kramers; Robbert Jan Verkes; Marjolein A. van der Marck; Marcel G.M. Olde Rikkert. “Efficacy and safety of medical cannabinoids in older subjects: a systematic review”. Ageing Research Reviews, 2014, 14:56-64

[4] “Tetrahydrocannabinol in behavioural disturbances in dementia: a crossover randomized controlled trial”. American Journal of Geriatric Psychiatry

[5] “Tetrahydrocannabinol for neuropsychiatric symptoms in dementia: a randomized controlled trial” Neurology, 2015, 84:2338-46

[6] Ran Abuhasira, Lihi Bar-Lev Schleider, Raphael Mechoulam, Victor Novack. “Epidemiological characteristics, safety and efficacy of medical cannabis in the elderly”. European Journal of Internal Medicine 49 (2018) 44–50

[7] Mateus Machado Bergamaschi, Regina Helena Costa Queiroz, José Alexandre S. Crippa, and Antonio Waldo Zuardi. “Safety and Side Effects of Cannabidiol, a Cannabis sativa Constituent”. Current Drug Safety, 2011, 6, 000-000