Die Zwangsstörung (OCD) ist eine psychische Erkrankung, die durch Angst oder Verzweiflung gekennzeichnet ist, charakterisiert durch das Vorliegen persistenter Gedanken (besser bekannt als Obsessionen). Diese wiederkehrenden Gedanken werden durch neu auftretende Gedanken oder Handlungen unterdrückt, welche als zwanghaft bezeichnet werden. Diese Handlungen werden als Reaktion auf die Besessenheit ausgeführt und zielen darauf ab, die Angst oder die Belastung zu verhindern[1].

Das Wort „refraktär“ wird bei Krankheiten angewendet, die nicht auf eine Behandlung ansprechen. Etwa 60% der Patienten mit Zwangsstörungen sprechen nicht auf eine Erstbehandlung an. In diesen Fällen stehen unter anderem eine Erhöhung der Dosierung oder der Wechsel zu einem anderen Medikament zur Auswahl. In diesem Sinne berichteten neue Erkenntnisse über Patienten mit behandlungsresistenter OCD, die besser auf eine erhöhte Dosis von Medikamenten in Kombination mit medizinischem Cannabis reagieren könnten.

Verbesserung der refraktären Zwangsstörung

Im Jahr 2008 veröffentlichten Forscher einen Artikel im American Journal of Psychiatry. In diesem Artikel stellten die Forscher die Erfahrungen von zwei refraktären OCD-Patienten, einem Mann und einer Frau, nach synthetischer THC-Verabreichung vor.

Für die Patientin hatten die Ärzte 8 Monate lang ein Antidepressivum (selektiver Hemmstoff für die Wiederaufnahme von Serotonin) und eine psychologische Therapie zur Behandlung ihrer Zwangsstörung und schweren Depressionen verschrieben, jedoch ohne Erfolg. Der Wechsel zu einem neuen Antidepressivum (trizyklisches Antidepressivum) führte nach 12 Wochen nur zu einer partiellen Reaktion. Interessanterweise berichtete die Frau, dass, als sie Cannabis rauchte, ihre Symptome gelindert waren. Aufgrund dieser persönlichen Erfahrung wurde beschlossen, ihre derzeitige Behandlung mit synthetischem THC zu ergänzen. In nur 10 Tagen waren ihre OCD-Symptome reduziert, und ihr Krankheitsbild verbesserte sich um 50%.

Beim männlichen Patienten verschrieben die Ärzte auch ohne Erfolg verschiedene Antipsychotika, sowohl in der Monotherapie als auch in Kombination mit einem Antidepressivum (selektiver Hemmstoff für die Aufnahme von Serotonin). Eine partielle Reaktion auf seine psychotischen und refraktären Zwangsstörungen war nur mit einem atypischen antipsychotischen Medikament (Clozapin) in Kombination mit einem Antidepressivum (selektiver Hemmstoff für die Aufnahme von Serotonin) möglich. Später versuchte der Patient, auf ein anderes Antidepressivum (trizyklisches Antidepressivum) und eine zusätzliche Elektrokrampftherapie umzusteigen, aber der Zustand hat sich nicht verbessert. In seinem Fall, nach der Zugabe des synthetischen THC zu der laufenden Medikation, wurden die Symptome seiner refraktären zwanghaften Verhaltensstörung innerhalb von 2 Wochen reduziert und der Schweregrad der Krankheit um 35% verbessert. Bei beiden Patienten wurden keine Nebenwirkungen festgestellt.

Basierend auf diesen beiden Fällen gingen die Forscher daher davon aus, dass Cannabinoide definitiv dabei helfen können, die Symptome von Menschen mit refraktärer OCD zu behandeln.[2]

Im Jahr 2010 wurde anschließend im Journal Behavioral Pharmacology eine klinische Studie veröffentlicht, in der die Wirkung von CBD auf Nagetiere beobachtet wurde (unterworfen einem Tiermodell, das zwanghaftes Verhalten widerspiegeln soll). In dieser Studie fanden die Forscher heraus, dass Cannabidiol (CBD), ein Bestandteil von Cannabis, sowohl bei Tieren als auch beim Menschen nachweislich anxiolytisch wirkt. Dieser Bestandteil könnte die Symptome im Zusammenhang mit stimuliertem zwanghaftem Tierverhalten für einen längeren Zeitraum signifikant reduzieren, da die Effekte von CBD 7 Tage nach der Verabreichung noch vorhanden waren.  Eine ähnliche Abnahme wurde mit dem Benzodiazepin-Diazepam und dem selektiven Hemmstoff für die Aufnahme von Serotonin Paroxetin festgestellt. Die Wirkung von Diazepam war jedoch nach 7 Tagen nicht mehr vorhanden. Die Ergebnisse deuten auf eine mögliche Rolle von Cannabinoiden im Cannabinoidsystem bei der Kontrolle zwanghaften Verhaltens hin[3].

Im Allgemeinen zeigten diese Studien ein therapeutisches Potenzial von Cannabinoiden zur Verringerung refraktärer Zwangsstörungen, aber es sind neue Studien erforderlich, um ihren Nutzen endgültig zu bestätigen.

Hat dir dieser Beitrag gefallen? Mache eine Bewertung. Dieser Beitrag wurde auf der Grundlage vorhandener Recherche bis zum Datum der Veröffentlichung des Artikels erstellt. Aufgrund der zunehmenden Anzahl von Studien, die auf medizinischem Cannabis basieren, können sich die bereitgestellten Informationen im Laufe der Zeit ändern, und wir informieren in weiteren Veröffentlichungen darüber.

[1] Hirschtritt, M. E., Bloch, M. H., & Mathews, C. A. (2017). Obsessive-Compulsive Disorder. JAMA, 317(13), 1358. doi:10.1001/jama.2017.2200

[2] Schindler, F., Anghelescu, I., Regen, F., & Jockers-Scherubl, m. (2008). Improvement in Refractory Obsessive Compulsive Disorder With Dronabinol. American Journal of Psychiatry, 165(4), 536–537.doi:10.1176/appi.ajp.2007.07061016

[3] Casarotto PC, Gomes FV, Resstel LB, Guimaraes FS. Cannabidiol inhibitory effect on marble-burying behaviour: involvement of CB1 receptors. Behav Pharmacol 2010;21:353-358.

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 Cannabinoide bei refraktären Zwangsstörungen
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Cannabinoide bei refraktären Zwangsstörungen
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Können Cannabinoide für die Behandlung refraktärer Zwangsstörungen (OCD) eingesetzt werden? Einige Studien bestätigen dies, aber es bedarf weiterer Forschung
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