Autismus-Spektrumstörungen (ASDs) sind eine Klasse von neurodevelopmentalen Störungen, die durch eine qualitative Beeinträchtigung der Kommunikation und der sozialen Fähigkeiten definiert sind. Die Krankheit äußert sich durch häufig wiederholte und stereotypische Verhaltens- und Interessenmuster. Diese Symptome werden von den Eltern meistens in den ersten drei Lebensjahren ihres Kindes wahrgenommen. In diesem Artikel erläutern wir, wie medizinisches Cannabis dazu beitragen kann, die Lebensqualität autistischer Kinder zu verbessern.

Symptome, die bei autistischen Kindern auftreten

Komorbide Störungen oder Symptome sind:

  • psychiatrisch (Angst, Depression, Zwangsneurose),
  • verhaltensbedingt (Aggressivität, Reizbarkeit, Selbstverletzung),
  • sensorisch (taktile und auditive Empfindlichkeit),
  • neurologisch (Ticks, Anfälle und Epilepsie),
  • gastrointestinal (gastro-ösophagealer Reflux, Verstopfung, Lebensmittelselektivität),
  • entwicklungsbedingt (kognitiv, Sprache, Hyperaktivität, Hypotonie),
  • und Schlafstörungen

Die Krankheit ASD kann sich als Asperger´s-Syndrom, Autismus und eine nicht anders spezifizierte, tiefgreifende Entwicklungsstörung äußern. Etwa 1 von 150 Kindern leidet an einer ASD, wobei vor allem Jungen betroffen sind. Da die Störungen multifaktoriell und hochgenetisch sind, gibt es keine Heilungsmethoden.[1] Gene, welche die synaptische Reifung beeinflussen, werden einbezogen, indem sie die Verbindungen zwischen den Neuronen verändern und zu einer schlechten Verarbeitung von Informationen im Gehirn führen.[2]

Etwa 40% der Kinder mit ASD sprechen nicht gut auf eine konventionelle medizinische Behandlung an. Folglich sucht ein hoher Prozentsatz der Eltern nach alternativen Hilfsmitteln. Dabei stoßen sie immer häufiger auf die beiden wichtigsten Cannabinoide in der Cannabispflanze: Cannabidiol (CBD) und Tetrahydrocannabinol (THC). Cannabinoide aktivieren das Endocannabinoidsystem und regulieren eine Vielzahl von physiologischen und kognitiven Prozessen.

Medizinische Cannabinoide und ASD

Ein THC-basiertes Medikament (Dronabinol) zeigte nach 6 Monaten follow-up eine Minderung der Vorfälle von behandlungsresistentem Selbstverletzungsverhalten bei jugendlichen Patienten mit geistiger Behinderung.[3] Auch die Behandlung mit Cannabidiol (CBD) zeigt positive Effekte. Das Cannabinoid hat antipsychotische, anxiolytische, antioxidative, entzündungshemmende und antiepileptische Eigenschaften hat und ist zudem nicht psychoaktiv.

Im Jahr 2018 wurde im Journal of Autism and Developmental Disorders ein kurzer Bericht über cannabidiolreiches Cannabis bei Kindern mit Autismus- Spektrumstörungen (ASD) veröffentlicht. Der Autor zeigte in der Studie, dass nach der Einnahme von Cannabis als adjuvante Therapie erhebliche Verbesserungen in Bezug auf das Verhalten (61%), die Angstzustände (39%) und in der Kommunikation (47%) beobachtet wurden.

In der Studie wurde eine Mischung aus CBD und THC im Verhältnis 20:1 über einen Zeitraum von 2-4 Wochen zwei- bis dreimal täglich oral eingenommen, wobei die Dosierungen auf Wirkung und Verträglichkeit angepasst wurden. Unerwünschte Ereignisse wurden durch Anpassung der Abenddosis behoben. Das Alter der Patienten entsprach 5-18 Jahre. Basierend auf den vielversprechenden Ergebnissen schlägt der Forscher weitere Untersuchungen in kontrollierten Studien vor.[4]

Im Jahr 2019 wurde in der Nature ein weiterer wissenschaftlicher Bericht veröffentlicht. Das Ziel der Studie war es, ASD-Patienten unter einer medizinischen Cannabisbehandlung zu beobachten, um die Sicherheit und Wirksamkeit der Behandlung zu bestimmen. Die analysierten Daten von 188 ASD-Patienten wurden zwischen 2015 und 2017 im Rahmen eines Behandlungsprogramms erfasst.

Die Behandlung basierte auf Cannabisöl, das unter der Zunge aufgetragen wurde. Das Öl enthielt 30% CBD und 1,5% THC und wurde bei den meisten Patienten (5 bis 19 Jahre alt) dreimal täglich angewandt. Nach sechs Monaten der Behandlung befanden sich 155 Patienten in aktiver Behandlung und 93 (60%) wurden untersucht: 28 Patienten (30,1%) berichteten über eine signifikante Verbesserung, 50 (53,7%) moderate, 6 (6,4%) leichte und 8 (8,6%) hatten keine Veränderung ihrer Erkrankung. Die Verbesserungen betrafen unter anderem die Lebensqualität, Schlaf, Konzentration, Anfälle, positive Stimmungen und die Fähigkeit, sich selbstständig zu kleiden und zu duschen.

Die häufigsten Begleitmedikamente bei der Einnahme waren Antipsychotika, Antiepileptika, Antidepressiva und Hypnotika. Antipsychotika wurden von 55 (33,9%) Patienten eingenommen, und nach 6 Monaten stellten 11 (20%) Patienten die Einnahme dieses Medikaments ein. Im Allgemeinen wurde bei 23 (34,3%) Patienten ein Rückgang der Medikamenteneinnahme festgestellt. Unruhe wurde als die häufigste Nebenwirkung bei 23 (25,2%) Patienten beobachtet. Der Grund für die Einstellung der Behandlung waren Nebenwirkungen und keine therapeutische Wirkung.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Cannabinoide sicher, wirksam und gut verträglich erscheinen, um die mit ASD verbundenen Symptome zu lindern. Der Mechanismus der Cannabinoideffekte kann Teil der Regulierung der GABA- und Glutamatübertragung sowie der Freisetzung von Vasopressin und Oxytocin sein. Ein Anregungs- und Hemmungsungleichgewicht von GABAergen und glutamatergen Signalen in verschiedenen Gehirnregionen ist durch ASD gekennzeichnet. Auf der anderen Seite sind Vasopressin und Oxytocin Neurotransmitter, die die soziale Interaktion stärken, repetitives Verhalten reduzieren, soziale Informationen kontrollieren und die emotionale Wahrnehmung verbessern. Es wurde heraus gefunden, dass CBD Oxytocin und Vasopressin während sozialer Aktivitäten verbessert, laut Literatur.[5]

Die vorhandenen Studien liefern einen guten Beweis für die Zufriedenheit der Patienten und Eltern mit der Behandlung. Die Ergebnisse sollten jedoch mit Vorsicht interpretiert werden, mehr Studien notwendig für ein besseres Verständnis der Effekte von medizinischem Cannabis auf autistische Kinder und ASD-Patienten im Allgemeinen.

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[1] Landa, R. J. Diagnosis of autism spectrum disorders in the first 3 years of lifeNature Clin. Pract. Neurol. 4, 138–147 (2008).

[2] Levy SE, Mandell DS, Schultz RT. Autism. Lancet. 2009;374(9701):1627-1638.

[3] Kruger, T. & Christophersen, E. An open label study of the use of dronabinol (Marinol) in the management of treatment-resistant self-injurious behavior in 10 retarded adolescent patients. Journal of Developmental & Behavioral Pediatrics 27, 433 (2006).

[4] Aran, A., Cassuto, H., Lubotzky, A., Wattad, N., & Hazan, E. (2018). Brief Report: Cannabidiol-Rich Cannabis in Children with Autism Spectrum Disorder and Severe Behavioral Problems—A Retrospective Feasibility Study. Journal of Autism and Developmental Disorders.doi:10.1007/s10803-018-3808-2

[5] Bar-Lev Schleider, L., Mechoulam, R., Saban, N., Meiri, G., & Novack, V. (2019). Real life Experience of Medical Cannabis Treatment in Autism: Analysis of Safety and Efficacy. Scientific Reports, 9(1).doi:10.1038/s41598-018-37570-y

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Medizinisches Cannabis hilft autistischen Kindern
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Medizinisches Cannabis hilft autistischen Kindern
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Autistische Kinder beginnen in den ersten 3 Lebensjahren Anzeichen der Erkrankung zu zeigen. Viele von ihnen reagieren nicht auf konventionelle Behandlunge und medizinisches Cannabis wird als Alternative untersucht.
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