Hepatitis-C-Virus oder HCV ist ein Virus, der Leberzellen angreift und sowohl akute als auch chronische Entzündungen der Leber verursacht. Etwa 15-45% der Patienten können sich innerhalb von sechs Monaten nach der Infektion selbst, ohne Medikamente, von dem Virus befreien. Der Rest entwickelt eine chronische HCV-Infektion und 20 Jahren nach der Infektion kann das Risiko einer Leberzirrhose 15-30% betragen.

Im Allgemeinen sind weltweit mehr als 70 Millionen Menschen von dieser Krankheit betroffen. Der HCV ist ein Virus, der über das Blut übertragen wird. Die häufigsten Infektionswege können durch die gemeinsame Nutzung von Injektionsgeräten bei Drogenkonsumenten, die Transfusion von ungeschütztem Blut und Blutprodukten und die unzureichende Sterilisation von medizinischen Geräten entstehen.

Der Hepatitis-C-Virus kann auch von einer infizierten Mutter auf ihr Baby übertragen werden, dies ist aber weniger verbreitet. Der Virus wird nicht durch Muttermilch, Umarmungen, Küsse oder das Teilen von Getränken und Speisen verbreitet.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es für den Hepatitis-C-Virus?

Medikamente mit direkt wirkenden antiviralen Mitteln wie Sofosbuvir, Daclatasvir und Sofosbuvir/Ledipasvir-Kombination werden von der Weltgesundheitsorganisation empfohlen.

Es gibt 6 Genotypen des Hepatitis C Virus und sie reagieren unterschiedlich auf die Behandlung. Derzeit können antivirale Behandlungen mehr als 95% der Patienten mit einer Hepatitis-C-Infektion heilen. Normalerweise innerhalb von 12 Wochen, aber der Zugang zu Diagnose und Medizin ist nach wie vor eingeschränkt. Inzwischen spielen Ribavirin und pegyliertes Interferon in bestimmten Situationen nach wie vor eine sehr geringe Rolle1. Leider sind Übelkeit, Anorexie, Schlaflosigkeit, Müdigkeit, Kopfschmerzen, depressive Symptome und Gewichtsverlust die häufigsten Nebenwirkungen.

Gibt es alternative Behandlungsmöglichkeiten?

Im Jahr 2008 war es die Medizinische Fakultät der Universität Ottawa, die betonte, dass die Verwendung oraler Cannabinoid-Medikamente HCV-Patienten helfen könnte, die mit Interferon und Ribavirin behandelt wurden. Sie ermöglichten es Einzelpersonen einen Monat nach der Einleitung den Gewichtsverlust zu stabilisieren (durchschnittlich 0,5 kg zusätzlicher Verlust). Anorexie und Übelkeiten wurden effektiv behandelt, was zu einer verminderten Gewichtsabnahme führen konnte.

Cannabinoide aktivieren zwei Hauptrezeptoren, den Cannabinoidrezeptor CB1 und CB2. CB1 ist im peripheren und zentralen Nervensystem (Basalganglien, Kleinhirn und Hippocampus) weit verbreitet. Diese Anpassung trägt zum beobachteten Nutzen bei

[1]. Im Jahr 2006 hat eine Studie der medizinischen Abteilung an der University of California bereits gezeigt, dass der moderate Konsum von Cannabis die Behandlungsunterbrechung der Interferon/Ribavirin-Kombinationstherapie durch Verbesserungen im Symptommanagement verringert.  Darüber hinaus erhöhte Cannabis die nachhaltige virologische Reaktion (SVR) bei Patienten mit HCV. Sowohl Marihuana als auch Ribavirin werden von der gleichen Proteinfamilie, dem Cytochrom P450-System, verstoffwechselt. Diese wurden jedoch nicht evaluiert[2].

Im Jahr 2014 hat eine Studie der University of Sydney bewiesen, dass der Lipidstoffwechsel eng mit der Replikation des Hepatitis-C-Virus (HCV) verbunden ist. Außerdem sorgt der Cannabinoid-1-(CB1)-Rezeptor für einen dynamischen Lipidzustand der zu einem Gleichgewicht in der Leber führt. Bei Patienten mit dem chronischen Hepatitis-C-Virus wird der CB1-Rezeptor übersättigt. Interessanterweise inhibierte in dieser präklinischen Studie die CB1-Blockade durch einen Antagonisten die HCV-Replikation, das Virusprotein, die Virusinfektiosität und die Produktion neuer Viruspartikel. Zusätzlich stimulierte dieser Effekt Gene, die die Lipidoxidation förderten und die Bildung von pro-lipogenen Genen reduzierten. Dies kann durch die AMPK-Aktivierung verursacht werden. Außerdem kann dies eine völlig neue Klasse von Medikamenten darstellen, die gegen HCV wirken. Dennoch sind weitere klinische Untersuchungen erforderlich[3].

Im Jahr 2017 zeigte eine neue Studie (4) von Dr. Lowe von der Maryland School of Medicine, dass Cannabidiol (CBD) zur Behandlung von viraler Hepatitis signifikante Eigenschaften hat. Diese könnten gegen das Hepatitis-C-Virus wirksam sein. Die Forscher kombinierten CBD mit HCV unter Laborbedingungen und konnten zeigen, dass CBD die HCV-Reproduktion um 86,4% hemmt. Sofosbuvir und Interferon wurden als Positivkontrollen verwendet (um die gleiche Wirksamkeit zu vergleichen). CBD aktiviert den CB2-Rezeptor und induziert die Apoptose (eine Form des programmierten Zelltods) in Milzzellen und Thymozyten. Diese hemmt die Vermehrung von T-Zellen und Makrophagen, die entweder die Freisetzung von entzündungsfördernden Proteinen oder den Angriff auf Leberzellen bewirken.

„Der CB2-Rezeptor ist dafür bekannt, die Immunantwort auf Virusinfektionen zu modulieren und Entzündungen zu unterdrücken“. Darüber hinaus ist eine der Folgen der unbehandelten viralen Hepatitis die Leberfibrose, d.h. die Bildung von Narbengewebe als Reaktion auf Leberschäden durch die Aktivierung von hepatischen Sternzellen (HSCs). Es wurde gezeigt, dass CBD bei aktivierten HSCs den Zelltod induziert. Basierend auf diesen Ergebnissen hat CBD das Potenzial als Kombinationstherapie mit den derzeit verfügbaren antiviralen Medikamenten. Allerdings sind weitere klinische Studien erforderlich[4].

Widersprüche zwischen den verschiedenen Studien

Trotz der positiven Ergebnisse in früheren Studien gibt es auch Studien, die negative Auswirkungen des Cannabinoidkonsums bei der Behandlung von Hepatitis C zeigen.

In der Tat zeigte eine Studie aus dem Jahr 2008, dass das tägliche rauchen von Cannabis ein Risikofaktor für den Schweregrad der Steatose bei Patienten mit chronischer Hepatitis C ist. CB1-Rezeptoren sind nicht nur im peripheren und zentralen Nervensystem weit verbreitet, sondern auch in Organen wie der Leber, die den Energiehaushalt steuern. Steatose ist ein Prozess, der eine abnormale Speicherung von Fett in den Leberzellen durch Aktivierung der CB1-Rezeptoren beschreibt. Darüber hinaus produziert die virale Replikation in Leberzellen einige undefinierte Proteine, die mit diesen Fetten interagieren und den Zustand verschlechtern. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein starker Cannabiskonsum die konventionelle HCV-Behandlung stört[5].

Im Gegensatz dazu bewiesen Forscher der University of Ottawa 2014, dass der Cannabiskonsum bei Hepatitis-C-Infektionen keine Steatose, Entzündung oder Fibrose fördert. Es ist ungewiss, warum die Ergebnisse unterschiedlich sind, aber die Menge des Alkoholkonsums und der Body-Mass-Index können dazu beigetragen haben. Die Ergebnisse zeigten auch, dass nachhaltige virologische Reaktionsraten bei Marihuana Konsumenten nicht erhöht wurden. Dies steht auch im Widerspruch zu den Erkenntnissen aus früheren Studien. Dennoch scheint Marihuana wieder den Appetit zu steigern und die Nebenwirkungen bei der Behandlung zu lindern, insbesondere bei Patienten mit Ribavirin- und Interferon-basierter Behandlung[6].

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Forscher aufgrund dieser Widersprüche weitere Studien anstreben. Sie versuchen, die Wirksamkeit von Cannabinoiden als Behandlung gegen den Hepatitis-C-Virus zu untersuchen.

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[1] Costiniuk, C. T., Mills, E. & Cooper, C. L. Evaluation of oral cannabinoid-containing medications for the management of interferon and ribavirin-induced anorexia, nausea and weight loss in patients treated for chronic hepatitis C virus. Can. J. Gastroenterol. 22, 376–380 (2008).

[2] Sylvestre, D. L., Clements, B. J., & Malibu, Y. (2006). Cannabis use improves retention and virological outcomes in patients treated for hepatitis C. European Journal of Gastroenterology & Hepatology, 18(10), 1057–1063.doi:10.1097/01.meg.0000216934.22114

[3] Shahidi, M., Tay, E. S. E., Read, S. A., Ramezani-Moghadam, M., Chayama, K., George, J., & Douglas, M. W. (2014). Endocannabinoid CB1 antagonists inhibit hepatitis C virus production, providing a novel class of antiviral host-targeting agents. Journal of General Virology, 95(Pt_11), 2468–2479. doi:10.1099/vir.0.067231-0

[4] Lowe HIC, Toyang NJ, McLaughlin W. Potential of cannabidiol for the treatment of viral hepatitis. Pharmacognosy Res (2017) 9:116–8. doi:10.4103/ 0974-8490.199780

[5] Hézode, C., Zafrani, E. S., Roudot–Thoraval, F., Costentin, C., Hessami, A., Bouvier–Alias, M., … Mallat, A. (2008). Daily Cannabis Use: A Novel Risk Factor of Steatosis Severity in Patients With Chronic Hepatitis C. Gastroenterology, 134(2), 432–439.doi:10.1053/j.gastro.2007.11.039

[6] Liu T, Howell GT, Turner L, et al. Marijuana use in hepatitis C infection does not affect liver biopsy histology or treatment outcomesCan J Gastroenterol Hepatol. 2014;28:381–384.

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Ist medizinisches Cannabis zur Behandlung des Hepatitis-C-Virus nützlich? Mehrere Studien bestätigen das therapeutische Potenzial von CBD für diesen Zustand, während andere es nicht empfehlen.
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