Flavonoide sind in jeder Pflanze enthalten. Sie haben bestimmte medizinische Eigenschaften und sind wichtig um den „Entourage Effekt“ von medizinischem Cannabis Produkten zu erreichen. Der „Entourage Effekt“ bedeutet, dass die unterschiedlichen Stoffe sich gegenseitig verstärken und durch die Kombination eine verbesserte medizinische Wirkung entsteht.

Was sind Flavonoide?

Die Gruppe der Flavonoide beinhaltet mehr als 10 000 Stoffe. Sie bilden eine der größten Gruppen der natürlichen Verbindungen in Pflanzen. Sie besitzen eine breite Palette pharmakologischer Eigenschaften zur Hemmung oder Aktivierung spezifischer Enzyme, einschließlich Cyclooxygenase und Lipoxygenase, Chemoprävention und Entgiftung von Karzinogenen. Deshalb sind sie vor allem für die Förderung der Gesundheit in der Human- und Tiernahrung anerkannt.

Darüber hinaus sind Flavonoide antioxidative Wirkstoffe und können Tetrahydrocannabinol (THC) durch einen gemeinsamen Mechanismus von Cannabidiol (CBD) modulieren: die Hemmung von P450-Enzymen (Proteine, die für den THC-Stoffwechsel verantwortlich sind). 1

Flavonoide tragen außerdem zu den vielfältigen Farben von Obst und Gemüse bei.

Innerhalb der Pflanze sind die Flavonoide die phenolischen Verbindungen und können als Phenylpropanoide bezeichnet werden.  Diese phenolischen Verbindungen können in Pflanzen als Antioxidantien wirken und sie vor oxidativem Stress schützen. Es wurden etwa 20 verschiedene Flavonoide in Cannabis identifiziert, einige davon sind: Apigenin, Luteolin, Quercetin, Kaempferol, Cannflavin A, Cannflavin B (nur bei Cannabis), β-Sitosterol, Vitexin, Isovitexin und Orientin.

Ähnlich wie die Terpene (die Verbindungen, welche die Gerüche von Pflanzen erzeugen), haben viele der Flavonoidverbindungen auch entzündungshemmende, neuroprotektive und krebshemmende Wirkungen gezeigt. Apigenin hat zum Beispiel anxiolytische Eigenschaften und hemmt TNF-α, dass an zahlreichen Entzündungszuständen beteiligt ist.

Cannflavin A und B haben ebenfalls entzündungshemmende Wirkungen, wobei Cannflavin A nachweislich PGE-2 (ein proinflammatorisches Mittel) 30 Mal stärker hemmt als Aspirin.  2 Zusätzlich wurde für Cannflavin B sowohl eine antimikrobielle als auch eine anti-leishmanische Wirkung nachgewiesen. 3

„Darüber hinaus isolierten Forscher mehrere neue Nicht-Cannabinoid-Bestandteile aus Cannabis sativa L., auch bekannt als Hanf, was zur Entdeckung von Cannflavin C führte. Diese Verbindung scheint auch eine moderate anti-leishmanische Aktivität, zusammen mit einer starken antioxidativen Aktivität, zu besitzen“ 4

Welchen Nutzen haben Flavonoide für medizinisches Cannabis?

Um den Nutzen von Flavonoiden in medizinischen Cannabis zu verstehen, müssen wir zuerst mit dem „Entourage Effekt“ vertraut sein.

Was ist der Entourage Effekt?

Erstens gibt es einen Grund, warum Obst, Gemüse, Vollkorn und andere pflanzliche Lebensmittel viele gesundheitliche und medizinische Vorteile enthalten.  Dies ist das Ergebnis der Synergien zwischen den verschiedenen Nährstoffen und bioaktiven Verbindungen in den Nahrungsmitteln und nicht einer einzigen Verbindung.  Daher enthält Cannabis durch die synergistischen Wechselwirkungen zwischen Cannabinoiden, Terpenen, Flavonoiden und anderen Verbindungen viele medizinische Eigenschaften.  Diese Synergien und Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Verbindungen werden als „Entourage-Effekt“ bezeichnet.

Bei früheren Untersuchungen wurden nur die wichtigsten Cannabinoide wie THC und CBD untersucht, während kleinere Cannabinoide, Terpene und Flavonoide im Allgemeinen ignoriert wurden.  Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass diese Bestandteile eine bedeutende Rolle bei der gegenseitigen Beeinflussung und der Zusammenarbeit spielen.  Daraus ergibt sich ein breites Spektrum an Vorteilen für den Konsumenten bei Arzneimitteln mit unterschiedlichen Verhältnissen dieser Komponenten.

Es gibt Belege für den therapeutischen Nutzen von Flavonoiden und Cannabinoiden (wie THC, CBD, THC/CBD) bei vielen Symptomen und Krankheiten, insbesondere bei der Behandlung von chronischen Schmerzen, Migräne und Kopfschmerzen. Es sind jedoch weitere Studien erforderlich, um zu ermitteln, welche die wirksamsten therapeutischen Verhältnisse von Cannabinoiden, Terpenen, Flavonoiden und anderen Verbindungen sind. 2

Zusammenfassend kann man davon ausgehen, dass Flavonoide wichtige Eigenschaften enthalten, welche die Ergebnisse von Therapien mit medizinischem Cannabis optimieren können. Allerdings muss mehr Forschung bezüglich der Nicht-Cannabinoid-Verbindungen betrieben werden, da sie die Komponenten sind, welche die Vorteile der wichtigsten Cannabinoid-Verbindungen, THC und CBD, verstärken.

1.- Pollastro, F., et alt. (2018). Cannabis Phenolics and their Bioactivities. Current Medicinal Chemistry, 25(10), 1160–1185. doi:10.2174/0929867324666170810164636

2.- Baron, E. P. (2018). Medicinal Properties of Cannabinoids, Terpenes, and Flavonoids in Cannabis, and Benefits in Migraine, Headache, and Pain: An Update on Current Evidence and Cannabis Science. Headache: The Journal of Head and Face Pain, 58(7), 1139–1186. doi:10.1111/head.13345

3.- Radwan, M., et alt. (2008). Isolation and Characterization of New Cannabis Constituents from a High Potency Variety. Planta Medica, 74(3), 267–272. doi:10.1055/s-2008-1034311

4.- Radwan, M. et alt. (2008). Non-cannabinoid constituents from a high potency Cannabis sativa variety. Phytochemistry, 69(14), 2627–2633. doi:10.1016/j.phytochem.2008.07.010