Hanf, Cannabis, Marihuana: Was sind die Unterschiede?

Cannabis, Hanf, Marihuana, Haschisch, Gras, Weed  – es existieren zahlreiche Begriffe rund um die Cannabispflanze. Zwar sind viele davon für den medizinischen Einsatz von Cannabis nicht relevant, dennoch ist es interessant, diese zu kennen und unterscheiden zu können.

Was ist der Unterschied zwischen Cannabis und Hanf?

Hanf ist eine Pflanzengattung, die zu der Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae) gehört. Dabei ist die Hanfpflanze eine der ältesten Nutzpflanze auf der Erde. Cannabis ist die lateinische Bezeichnung für Hanf.

Die Bezeichnung Hanf wird umgangssprachlich häufig dann genutzt, wenn es um die Produktion von Verbrauchsgütern (z. B. Hanfpapier oder Hanfkleidung) oder Lebensmitteln (z. B. Hanföl oder CBD-Öl) geht. Mediziner und Wissenschaftler gebrauchen eher den Begriff Cannabis. Ebenso bezeichnet Cannabis das Rauschmittel (illegale Droge) für den Freizeitkonsum.

Hanf (Cannabis) wird seit Jahrhunderten gezüchtet und gekreuzt. Im Jahr 1753 klassifizierte erstmals der schwedische Naturforscher Carl von Linné den „gewöhnlichen Hanf“ (Cannabis Sativa L.). Rund 32 Jahre später entdeckte der französischen Botaniker Jean-Baptiste Pierre Antoine de Monet, Chevalier de Lamarck, den Indischen Hanf (Cannabis Indica). Dieser unterscheidet sich von den Sativa-Sorten nicht nur von der Wuchsform, sondern auch dahingehend, dass er weniger THC-haltig ist und eine größere Menge an CBD produziert.

Der russische Botaniker Dmitrij E. Janischewsky beschrieb 1926 eine weitere Gattung von Cannabis, und zwar den Ruderal-Hanf (Ruderalis). Im Vergleich zu den Sativa-Sorten weist der Ruderal-Hanf ebenso wie der Indische Hanf einen hohen CBD- und niedrigen THC-Gehalt auf.

Unterschiede zwischen Cannabis Sativa, Indica und Ruderalis

Seit Langem heißt es, dass die Cannabis-Pflanze Sativa sowohl eine belebende als auch eine erhebende, zerebrale und psychoaktive Wirkung entfalten kann. Hingegen werden Indica und Ruderalis ein entspannender Effekt nachgesagt und weniger ein High-Gefühl (berauschende Wirkung). Neueste Studien (1) zeigen jedoch, dass sich das Wirkungsspektrum der einzelnen Sorten nicht so leicht differenzieren lässt.

Das unterschiedliche Aussehen der Sorten Sativa, Indica und Ruderalis ist laut den Cannabisforschern in erster Linie auf die Anbauart und die Züchtung zurückzuführen. Hier die Unterschiede im Überblick:

Cannabissorten und ihre medizinische AnwendungDas Wirkungsspektrum hängt von unterschiedlichen Faktoren ab, und zwar vom jeweiligen THC- und CBD-Gehalt sowie dem Vorkommen verschiedener anderer Cannabinoide, Terpene und Flavonoide.

Die Wirkstoffe in Medizinalcannabis wie die Cannabinoide THC und CBD interagieren mit den körpereigenen Cannabinoid-Rezeptoren. Je nach Zusammensetzung und Gehalt der Cannabinoide kann Cannabis unterschiedlich wirken. So können beispielsweise Patienten mit chronischen Schmerzen von Sorten mit einem hohen THC-Gehalt und einem niedrigen CBD-Gehalt profitieren. Aber auch bei Übelkeit und Erbrechen sowie Appetitlosigkeit finden diese Sorten Anwendung.

Sorten mit einem hohen CBD-Gehalt und niedrigem THC-Gehalt können hingegen eine beruhigende Wirkung entfalten und werden beispielsweise bei Angststörungen und ADHS eingesetzt. Da CBD entzündungshemmend wirken kann, werden diese Sorten auch oft bei Patienten mit chronischen Darmentzündungen verordnet.

Generell ist das Wirkungsspektrum von Cannabis sehr komplex. Hinzu kommt, dass jeder Patient unterschiedlich auf Cannabinoide reagiert. Nicht selten müssen Patienten zunächst verschiedene Sorten ausprobieren und mit den Dosierungen experimentieren, bis sie eine Sorte finden, dessen Cannabinoidprofil auf ihre individuellen Beschwerden wirkt. (2)

Was ist Nutzhanf?

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, was eigentlich Nutzhanf (Industriehanf) ist, der zur kommerziellen Nutzung angebaut wird. So kann beispielsweise aus den geernteten Hanfsamen Hanföl und aus den Hanfblüten/-blättern ätherisches Hanföl gewonnen werden. Auch das frei verkäufliche CBD-Öl wird aus THC-armen Nutzhanf hergestellt.

Für den Nutzanbau existieren 52 unterschiedliche EU-zertifizierte Hanfsorten. Diese weisen einen hohen Faseranteil zwischen 30 und 40 Prozent sowie einen THC-Gehalt von weniger als 0,2 Prozent auf. Aus diesem Grund sind die Nutzhanfsorten nicht zur Erzeugung von medizinischem Cannabis oder Marihuana geeignet. Vielmehr wird hieraus beispielsweise Hanfsamenöl oder CBD-Öl hergestellt.

Was ist Marihuana?

Als Marihuana werden die getrockneten Blütentrauben und blütennahen Blätter der weiblichen Cannabispflanze bezeichnet. Diese besitzen im Vergleich zu anderen Pflanzenteilen die meisten Harzdrüsen mit dem berauschenden Cannabinoid Tetrahydrocannabinol (THC).

In der Regel werden beim Anbau feminisierte Cannabissamen genutzt. Dies verhindert, dass sich die Pflanzen gegenseitig bestäuben. Infolge dessen produzieren die Hanfpflanzen dann unbefruchtete und trichomreiche Blüten mit einem hohen THC-Gehalt.

Freizeitkonsumenten verwenden für Marihuana auch die Begriffe Gras, Dope und Weed. In den USA wird hingegen häufig der Begriff „Mary Jane“ genutzt. Marihuana wird hier von dem mexikanisch-spanischen Wort „Maria Juana“ abgeleitet.

Illegales Marihuana und Gesundheitsrisiken

Wenn Marihuana auf dem Schwarzmarkt verkauft wird, kann dieses eine minderwertige Qualität aufweisen. Häufig werden unter die getrockneten Blüten Pflanzenteile („Hecke“) gemischt, die keinerlei Wirkung entfalten.

Besonders gefährlich ist es, wenn die Blüten mit unterschiedlichen Substanzen wie Kaliumdünger, Blei, Sand, Zucker oder Haarspray gestreckt wurden. Dies kann ein erhebliches Gesundheitsrisiko darstellen. Insbesondere dann, wenn zum Strecken das sogenannte Brix, eine Kombination aus flüssigem Kunststoff, Zucker und Hormonen, verwendet wird. Die getrockneten Blüten werden in diese Mischung getaucht, sodass sich ein Kunststofffilm darüberlegt. Zu erkennen ist verbrixtes Marihuana, wenn die Blüten nur schwer verbrennen und Rückstände hinterlassen.

Was ist Haschisch?

Haschisch wird umgangssprachlich auch als Hasch, Pott oder Shit bezeichnet. Es handelt sich hierbei um das Harz, das aus den Harzdrüsen der weiblichen Cannabispflanze gewonnen wird. Anschließend wird das goldgelbe-braune Harz zu Platten oder Blöcken gepresst. Einzelne Stücke davon bezeichnen Freizeitkonsumenten als „Piece“.

Die Qualität und der Wirkstoffgehalt können erheblich variieren. Haschisch kann ebenso wie Marihuana mit Streckmitteln versetzt sein. In den traditionellen Anbauländern wird das Haschisch oftmals mit Henna, Damiana, Sand, Gummi, Wachs oder sogar tierischem Fett vermengt. In den 1970er Jahren wurden die bekanntesten Haschisch-Sorten nach der Farbe und den Anbaugebieten unterteilt.

So beispielsweise der „Schwarze Afghane“. Die schwarzen Sorten stammen dabei aus Ländern wie Pakistan, Indien und Nepal. Hier wird das Harz der Pflanze so lange geknetet und verdichtet, bis die Harzdrüsen aufplatzen und eine schwarze Farbe aufweisen.

Bekannt ist zudem der „Rote Libanese“. Hier werden die Pflanzen erst dann geerntet, wenn die Harzdrüsen eine goldgelbe bis rötliche Farbe annehmen. Anschließend werden die Pflanzen abgeschnitten und an Gefäßen abgeklopft, sodass die Harzdrüsen abbrechen.

Darüber hinaus gehört auch der „Grüne Türke“ zu den traditionellen Haschisch-Sorten. Nach der Ernte werden die Blüten getrocknet und mehrmals gesiebt. Infolge dessen kann das Haschisch verschiedene Qualitätsstufen erreichen. Je mehr grünes, grobes Pflanzenmaterial entsteht, desto geringer ist die Qualität.

(1) The Genetic Structure of Marijuana and Hemp, 2015, Department of Plant and Animal Sciences, Faculty of Agriculture, Dalhousie University, Truro, Nova Scotia, B2N 5E3, Canada

(2) Cannabissorten in Deutschland und ihre Inhaltsstoffe, 2020, Dr. Franjo Grotenhermen