Weltweit leiden laut dem Global Asthma Report 2018 mehr als 339 Millionen Menschen unter Asthma bronchiale. Etwa 250.000 Betroffene sterben an dieser chronischen Erkrankung, obwohl dies durch eine adäquate Therapie vermeidbar wäre.

Studien zum therapeutischen Potenzial von Cannabis als Medizin bei Atemwegserkrankungen gibt es bereits seit den 70er Jahren. Hier konnte gezeigt werden, dass medizinische Cannabinoide die mit Asthma einhergehenden Symptome lindern können.

Was ist Asthma?

Bei der chronischen Atemwegserkrankung verengen sich die Atemwege infolge einer Entzündung. Gleichzeitig wird auch die Schleimproduktion angeregt, sodass Asthmatiker unter Symptomen wie Atemnot und Hustenanfällen leiden. Häufig verschlimmern wiederkehrende Atemwegsinfektionen noch die Krankheit.

Die Ursachen sind bis heute noch nicht geklärt. Es existieren jedoch verschiedene Faktoren, die das Risiko an Asthma zu erkranken, erhöhen können. Hierzu gehören beispielsweise erbliche Faktoren, Atemwegsinfektionen oder die Einnahme von bestimmten Medikamenten in der Schwangerschaft (z. B. Antibiotika). Aber auch das Rauchen von Tabak sowie das regelmäßige Einatmen von Schadstoffen (z. B. Schwefeldioxid) sind Risikofaktoren.

Welche Asthma-Formen gibt es?

Asthma wird in verschiedene Formen unterteilt. Hierzu gehören unter anderem:

  • Extrinsisches Asthma bronchiale (allergisches Asthma): Bei dieser Asthma-Form kommt es zu einer allergischen Reaktion durch ein oder mehrere Allergene (z. B. Tierhaare, Hausstaub, Pollen, Nahrungsmittel). Zwar sind diese Allergene normalerweise harmlos, das Immunsystem stuft diese jedoch als schädlich ein und reagiert mit einer überschießenden krankhaften Abwehrreaktion.
  • Intrinsisches Asthma (nicht-allergisches Asthma): Hier sind die Auslöser beispielsweise Atemwegsinfektionen oder das regelmäßige Einatmen von Luftschadstoffen wie Abgase oder das Rauchen von Tabak. Meist entsteht solch eine chronische Atemwegserkrankung erst im Erwachsenenalter.
  • Asthma-Mischform: Allergene oder auch andere Reize können ursächlich für die Mischform aus allergischem und nicht-allergischem Asthma sein, an dem der Großteil der Erwachsenen leidet.
  • Belastungsasthma: Diese Form des Asthmas ist weit verbreitet. Oft kommt es unter körperlicher Belastung zu einem Asthmaanfall. Zudem kann trockene oder kalte Luft einen Asthmaanfall begünstigen. Betroffen sind vor allem Kinder und Jugendliche.
  • Infektasthma: Infolge einer Virusinfektion können sich die Atemwege akut oder chronisch entzünden. Auslösende Viren können beispielsweise Influenza-, Adeno- oder Coronaviren sein. Auch Kleinkinder können vom Infektasthma betroffen sein. Ursächlich hierfür sind oftmals RS-Viren (Respiratory-Syncytial-Viren), die Erkältungssymptome hervorrufen.

Welche Symptome treten bei der Asthma-Erkrankung auf?

Wenn ein Asthma-Patient in Kontakt mit einem Allergen oder einem anderen Auslöser kommt, schwellen die Bronchien an und es bildet sich zäher Schleim. Daraufhin verengen sich die Atemwege und die Atemmuskulatur verkrampft. In der Folge ist die Atmung erschwert, besonders beim Ausatmen. Typische Anzeichen für eine Asthma-Erkrankung können sein:

  • Husten mit oder ohne zähem Auswurf
  • beschleunigter Atem
  • Engegefühl in der Brust
  • pfeifendes oder rasselndes Geräusch beim Ausatmen

Diese Symptome treten in der Regel anfallsartig auf. Nach einem Anfall sind Asthmatiker in der Regel symptomfrei. Beschwerden treten dann erst beim nächsten Anfall wieder auf.

Diagnose und Behandlung

Verschiedene Erkrankungen, wie beispielsweise Keuchhusten, Mukoviszidose oder eine Bronchitis, können ähnliche Symptome wie bei einem akuten Asthma-Anfall auslösen. Deshalb ist eine umfangreiche Diagnose besonders wichtig. Der behandelnde Arzt wird zunächst eine körperliche Untersuchung durchführen und die Lunge abhören. Weitere Untersuchungen wie ein Allergietest, ein Lungenfunktionstest, Bluttests und das Röntgen der Lungen folgen.

Heilbar ist eine Asthmaerkrankung nicht, sodass die Therapie darauf abzielt, die Häufigkeit und die Stärke der Anfälle zu reduzieren. Eine wichtige Säule der Therapie ist, die Leistungsfähigkeit und die Lungenfunktionsfähigkeit des Patienten zu erhalten. Regelmäßiger Sport und Atemübungen sollten deshalb für den Patienten auf der Tagesordnung stehen.

In der medikamentösen Behandlung kommen vor allem bronchienerweiternde Medikamente (Bronchodilatatoren) zum Einsatz. Kurzwirksame Beta-2-Sympathomimetika (z. B. Salbutamol oder Terbutalin) finden bei akuten Asthmaanfällen Anwendung. Diese Wirkstoffe kann der Patient bei schwerer Atemnot mithilfe eines Sprays inhalieren. Neben dieser Bedarfsmedikation erhalten Patienten häufig auch langwirksame Beta-2-Sympathomimetika (z. B. Formoterol oder Salmeterol), die ungefähr zwölf Stunden lang wirken.

In der langfristigen Therapie spielen auch entzündungshemmende Arzneimittel wie Kortikosteroide eine wichtige Rolle. So können Wirkstoffe wie Budesonid oder Fluticason die Schwellung der Atemwege und die Schleimbildung reduzieren. Als Zusatztherapie können auch Antileukotriene Anwendung finden, da diese ebenfalls entzündungshemmend wirken können.

Wie jedes Medikament können auch Asthma-Medikamente schwere Nebenwirkungen auslösen. Hierzu gehören unter anderem Husten, Heiserkeit, Magen-Darm-Probleme, Schlafstörungen, Unruhe, Tachykardie (Herzrasen), Arrhythmie (Herzrhythmusstörungen) und Tremor.

Studien zu Asthma und Cannabis

Zu Beginn des Artikels wurde bereits erwähnt, dass sich Forscher seit den 70er Jahren mit der bronchienerweiternden Wirkung von Cannabis beschäftigen. Im Jahr 1974 führten US-Forscher eine Studie durch, in der eine Teilnehmergruppe das Cannabinoid Tetrahydrocannabinol (THC) und eine andere Gruppe Isoproterenol bekam (1). Hier zeigte sich, dass die bronchienerweiternde Wirkung von THC zwar schwächer war, jedoch hielt die Wirkung länger an.

Eine weitere Studie zeigt, dass der Wirkstoff Salbutamol einen schnellen bronchienerweiternden Wirkungseintritt zeigte. Hingegen trat die Wirkung unter der Gabe von THC langsamer ein (2).

Cannabinoide können entzündungshemmend wirken

Die Bronchien können bei Patienten auch in einer anfallsfreien Zeit entzündet sein (chronische Entzündung). Bei einem akuten Asthmaanfall ist es möglich, dass kann sich diese Entzündung verschlimmert, sodass entzündungshemmende Arzneimittel verordnet werden. Hier könnten Cannabinoide aus Cannabis, insbesondere das Cannabinoid Cannabidiol (CBD), eine entzündungshemmende Wirkung entfalten.

Im Jahr 2015 erklärten brasilianische Forscher, dass in der Lunge von Asthma-Patienten T-Helfer-2-Lymphozyten nachgewiesen werden konnten (3). Diese T-Helfer-Zellen sind für die Erkennung von Antigenen zuständig und an der Produktion von Zytokinen beteiligt. Aufgrund dessen, dass die Interaktion von T-Helfer-Zellen mit Antigenen/Allergenen für die Entwicklung von entzündlichen Erkrankungen eine Schlüsselrolle übernehmen könnte, war das Ziel der Studie, das entzündungshemmende Potenzial von CBD zu bewerten.

Bei Ratten wurde dann eine Asthmaerkrankung durch Ovalbumin (OVA) induziert. Anschließend erhielten die Tiere 5 Milligramm CBD pro Kilogramm Körpergewicht. 24 Stunden später wurden die Zytokine im Serumspiegel bestimmt und es stellte sich heraus, dass CBD ein potenzielles neues Medikament zur Modulation der Entzündungsreaktion bei Asthma sein könnte.

Bei einer weiteren Studie an der University of Florence in Italien stand die Beteiligung von Cannabinoiden an Entzündungsprozessen und die Wechselwirkungen mit Endocannabinoiden im Focus (4). Die Forscher erklärten, dass die Aktivierung des Cannabinoid-Rezeptors 2 (CB2) eine entzündungshemmende Wirkung haben könnte. Einen bronchienerweiternden Effekt wäre mit dem Aktivieren des Cannabinoid-Rezeptors 1 (CB1) möglich. Somit könnte das Endocannabinoidsystem ein potenzielles Ziel für Medikamente auf Cannabis-Basis sein.

Behandlung mit medizinischem Cannabis

Das Rauchen von medizinischen Cannabisblüten ist für Asthmatiker nicht zu empfehlen. Denn hierdurch kann sich beispielsweise eine Bronchitis entwickeln, was die asthmatischen Beschwerden verschlimmern kann. Im Rahmen einer medizinischen Cannabis-Behandlung wird deshalb das Verdampfen/Inhalieren mithilfe eines Vaporiziers oder die orale Einnahme empfohlen.

(1) American Review of Respiratory Disease, Volume 109, 1974, Donald P. Tashkin et al,“Acute effects of smoked marijuana and oral delta-9-tetrahydrocannabinol on specific airway conductance in asthmatic subjects

(2) Williams SJ, Hartley JP, Graham JD, 1976, “Bronchodilator effect of delta1-tetrahydrocannabinol administered by aerosol of asthmatic patients

(3) Laboratoire de Pharmacologie Respiratoire, France, Grassin-Delyle S1 et al., 2014, “Cannabinoids inhibit cholinergic contraction in human airways through prejunctional CB1 receptors

(4) University of Florence, Italy, Pini A1 et al., 2012, “The role of cannabinoids in inflammatory modulation of allergic respiratory disorders, inflammatory pain and ischemic stroke