Cannabinoide bei Schlafstörungen

cannabis medical

Wenn Schäfchen zählen nicht mehr hilft: Schlaflosigkeit (Insomnie) ist für viele Menschen ein gravierendes Problem. Gemäß einer Auswertung der Barmer Krankenkasse hat sich die Zahl der Deutschen, die unter Ein- und Durchschlafstörungen leiden, von 2005 bis 2017 um 111 Prozent erhöht [1]. Die Corona-Pandemie scheint laut einer aktuellen Studie aus Großbritannien darüber hinaus ein weiterer Treiber für schlechten Schlaf zu sein [2]. Doch es gibt Anlass zur Hoffnung: Auch wenn die empirische Datenbasis nach wie vor eher gering ist, mehren sich die Hinweise auf eine Verbesserung der Schlafqualität bei einer Therapie mit medizinischem Cannabis.

Welche Ursachen haben Schlafstörungen?

Die Ursachen für gestörten Schlaf sind vielfältig. Auffällig ist die Häufigkeit von sekundären Schlafstörungen, die als Folge von Herz-Kreis-Erkrankungen, Multipler Sklerose, Parkinson oder dem Restless-Legs-Syndrom entstehen. Eine besondere Rolle spielen alle Arten von chronischen Schmerzen: Sie haben ein hohes Potenzial, die Nachtruhe der Betroffenen erheblich zu beeinträchtigen. Zudem besteht ein enger Zusammenhang zwischen diagnostizierten Schlafproblemen und psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen, Psychosen oder Schizophrenie [1].

Häufig lässt sich bei Insomnie schwer zwischen Ursache und Folge unterscheiden, es handelt sich um ein sogenanntes multifaktorielles Geschehen.

Medizinisches Cannabis: Bei Schlaflosigkeit wirksam?

Mehrere jüngere Studien legen eine Wirksamkeit von pharmazeutischem Cannabis bei Schlafstörungen nahe. Allerdings haben die meisten Untersuchungen nicht primär die Schlafprobleme der Betroffenen im Fokus, sondern unterschiedliche andere Erkrankungen, die mit gestörter Nachtruhe einhergehen.

Übersichtsarbeit zu Cannabis und Schlaf aus dem Jahr 2019

Im Rahmen einer Meta-Analyse kamen kanadische Forscher*innen zu dem Ergebnis, dass Cannabinoide die Schlafqualität verbessern, Schlafstörungen verringern und die Einschlafphase verkürzen können. In die Auswertungen flossen Daten von an Multiple Sklerose, posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) und chronischen Schmerzen erkrankter Patient*innen ein [3].

Positive Effekte von Medizinalcannabis auf die Schlafqualität:

  • Verkürzt die Einschlafphase
  • Erhöht den Tiefschlaf
  • Verbessert die Schlafqualität insgesamt

CBD hat eine beruhigende Wirkung

In einer retrospektiven Studie wurde eine beruhigende Wirkung von CBD auf das zentrale Nervensystem bei Patient*innen mit Angst- und Schlafstörungen festgestellt. Allerdings nahm der Effekt auf den Schlaf nach einigen Monaten wieder ab [4]. Das Interesse an diesem Cannabinoid für ein breites Spektrum an neuropsychiatrischen Störungen ist besonders hoch.

Medizinisches Cannabis reduziert das Gefühl von Müdigkeit und Stress

Im Rahmen einer neueren randomisierten Doppelblindstudie des Centre for Sleep Science der University of Western Australia untersuchten Wissenschaftler*innen die Wirksamkeit eines medizinischen Cannabis-Produktes auf die Behandlung chronischer Insomnie (Schlaflosigkeit). Dabei fiel besonders eine verbesserte Lebensqualität bei den Patient*innen in der Behandlungsgruppe auf. Die Teilnehmer*innen des Panels berichteten über das Gefühl, sich weniger gestresst und müde sowie insgesamt ausgeruhter zu fühlen [5].

Fazit

Verschiedene Studien weisen darauf hin, dass Medizinalcannabis die Qualität des Schlafes bei verschiedenen Grunderkrankungen verbessert. Allerdings fehlen bislang empirische Untersuchungen, die sich mit der primären Wirkung von Cannabinoiden wie CBD und THC auf Schlafstörungen befassen. Medizinische Fachleute erhoffen sich von einer breiteren empirischen Datenlage unter anderem Hinweise auf die richtige Darreichungsform und eine passende Dosierung.

Quellen:

[1] Barmer Gesundheitsreport Schlafstörungen 2019: Schriftenreihe zur Gesundheitsanalyse – Band 17. Thomas G. Grobe, Susanne Steinmann, Julia Gerr.

[2] Pieh, C., Budimir, S., Delgadillo, J., Barkham, M., Fontaine, J. R. J., & Probst, T. (2020b). Mental health during COVID-19 lockdown in the United Kingdom. Psychosomatic Medicine, Publish Ahead of Print(4). https://doi.org/10.1097/PSY.0000000000000871.

[3] Kuhathasan, N., Dufort, A., MacKillop, J., Gottschalk, R., Minuzzi, L., & Frey, B. N. (2019). The use of cannabinoids for sleep: A critical review on clinical trials. Experimental and Clinical Psychopharmacology, 27(4), 383–401. https://doi.org/10.1037/pha0000285

[4] Shannon, S. (2019). Cannabidiol in Anxiety and Sleep: A Large Case Series. The Permanente Journal, 23. https://doi.org/10.7812/tpp/18-041

[5] Walsh, J. H., Maddison, K. J., Rankin, T., Murray, K., McArdle, N., Ree, M. J., Hillman, D. R., & Eastwood, P. R. (2021). Treating insomnia symptoms with medicinal cannabis: a randomized, crossover trial of the efficacy of a cannabinoid medicine compared with placebo. Sleep. https://doi.org/10.1093/sleep/zsab149

About Mirjam Hübner

Mirjam Hübner ist Diplom-Journalistin und arbeitet als Redakteurin und Kommunikationstrainerin. Sie verfügt über langjährige Erfahrung in Journalismus und Unternehmenskommunikation, vor allem in den Bereichen Gesundheit und Finanzdienstleistung.