Brustkrebs, medizinisch auch Mammakarzinom genannt, ist ein bösartiger Tumor in der Brust. Es handelt sich um die mit Abstand häufigste Krebsform bei Frauen. In Deutschland erkrankt statistisch gesehen jede 8. Frau im Laufe ihres Leben an Brustkrebs. Es ist die häufigste Krebstodesursache in der weiblichen Bevölkerung. Männer können auch an Brustkrebs erkranken. Dies ist aber sehr selten und kommt nur bei etwa einem von 800 Männern vor.

Medizinalcannabis wird in der Behandlung von Brustkrebs-Patientinnen eingesetzt, um Beschwerden wie Schmerzen, Übelkeit und Appetitverlust zu lindern. Es gibt aber auch einige vielversprechende Studien, die darauf hinweisen, dass Cannabinoide in der Lage sein können, den Tod von Krebszellen hervorzurufen.

Brustkrebs: Ursachen und Risikofaktoren

Ältere Frauen sind eher von Brustkrebs betroffen als jüngere. Das Risiko steigt mit dem Alter an: Im Mittel ist eine Frau 64 Jahre alt bei der Diagnosestellung. Allerdings sind auch fast drei von zehn Betroffenen jünger als 55 Jahre, wenn ein Mammakarzinom erkannt wird [1]. Ab circa 70 Jahren sinkt das Risiko wieder.

Die genauen Ursachen für Brustkrebs sind bisher ungeklärt – wie bei vielen anderen Krebsarten auch. Mediziner definieren aber verschiedene Risikofaktoren, die sich in drei Gruppen einteilen lassen:

  • Hormonelle Risikofaktoren
  • Genetische (erbliche) Risikofaktoren
  • Lebensstil und andere Risikofaktoren

Risikofaktoren: Hormone

Frauen, die als Mädchen sehr früh ihre erste Monatsblutung bekommen haben und sehr spät ihre letzte vor der Menopause, sind durch diesen langen hormonell aktiven Zeitraum gefährdet, ein Mammakarzinom zu entwickeln. Wenige und späte Schwangerschaften oder auch Kinderlosigkeit sind weitere Risikofaktoren.

Die Einnahme von Hormonersatzpräparaten gegen Beschwerden in den Wechseljahren soll ebenso das Brustkrebsrisiko steigern, besonders bei längerer Dauer und kombi­nierter Östrogen-Gestagen-Einnahme. Hormonelle Verhütungsmittel (“Pille”) stehen im Verdacht, das Risiko leicht zu erhöhen.

Risikofaktoren: genetische Veranlagung

Ein Teil der Mammakarzinome ist auf ein erhöhtes genetisches Risiko zurück­zuführen: Wenn nahe Verwandte an Brust- oder Eier­stock­krebs erkrankt sind, steigt das Risiko, ebenfalls zu erkranken. Hierfür sind besonders Mutationen (Veränderungen) der Gene der BRCA1, BRCA2 oder PALB2 verantwortlich. Daneben gibt es noch weitere Brustkrebsgene, deren Einfluss aber geringer zu sein scheint.

Risikofaktoren: Lebensstil und Sonstiges

Neben dem höheren Alter und dem weiblichen Geschlecht zählt sehr dichtes Brustdrüsengewebe ebenfalls zu den Risikofaktoren. Außerdem wirken sich Übergewicht, eine fettreiche Ernährung, Diabetes mellitus Typ II und Bewegungsmangel negativ aus. Alkohol und Rauchen stehen ebenfalls im Verdacht, das Brustkrebsrisiko zu erhöhen.

Symptome

Ein Tumor in der Brust wird häufig von der betroffenen Frau selbst oder dem Gynäkologen als Knoten ertastet, der sich nicht verschieben lässt. Auch Veränderungen an der Brust wie ein Einziehen der Haut, Rötungen oder ein Hautödem können Brustkrebs-Symptome sein. Größenveränderungen der Brust oder Ausfluss aus der Brustwarze sind ebenfalls potenzielle Anzeichen.

Zur Diagnosestellung stehen dem Arzt neben der Tastuntersuchung die Ultraschalluntersuchung (Sonografie) der Brust sowie die Röntgenuntersuchung (Mammografie) zur Verfügung. Allerdings ist bei Weitem nicht jede Veränderung in der Brust bösartig. Häufiger kommen gutartige Knoten vor. Wenn sich der Gynäkologe Sicherheit verschaffen will, macht er eine Biopsie, bei der Gewebe entnommen und in einem Labor untersucht wird.

Da die Heilungschancen bei Brustkrebs stark davon abhängen, wie früh der Tumor erkannt wird, sollten Frauen ihren Gynäkologen für routinemäßige Vorsorgeuntersuchungen aufsuchen. Neben der Tastuntersuchung empfehlen Experten ab dem 50. Lebensjahr ein Mammografie-Screening. Die Kosten werden von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen.

Brustkrebs-Therapie

Die Behandlung eines Mammakarzinoms ist sehr individuell. Sie ist abhängig von vielen unterschiedlichen Faktoren, sowohl in Bezug auf den Krebs wie auch auf die Patientin. So richtet sich der Therapieplan nach der Art des Tumors und danach, wie stark er sich bereits im Körper ausgebreitet hat. Das Alter der betroffenen Frau, ihr Hormonstatus und eventuelle weitere Erkrankungen werden ebenfalls bedacht.

Eine Krebstherapie ist multimodal – sie besteht aus mehreren Bausteinen. Eine Operation ist in den meisten Fällen unentbehrlich. Früher bedeutete dies häufig eine radikale Entfernung der Brust, heutzutage ist der Erhalt oft möglich. Die Operation erfolgt meist direkt nach der Diagnosestellung. Manchmal führen Mediziner aber auch zuerst eine Chemotherapie durch, um den Tumor zu verkleinern, sodass er anschließend besser operativ entfernt werden kann.

Bei Brustkrebs stehen prinzipiell die folgenden Behandlungsoptionen zur Wahl:

  • Operation
  • Chemotherapie
  • Bestrahlung
  • (Anti-)Hormontherapie
  • Antikörpertherapie (Immunbehandlung)
  • zielgerichtete Krebstherapie, bei der spezielle Arzneimittel gegen Tumorzellen vorgehen

Medizinalcannabis: Hilfe bei Nebenwirkungen der Chemotherapie

Viele Krebspatienten profitieren von der Anwendung von Cannabinoiden auf mehrere Weise.  So kann Cannabis nachweislich Tumorschmerzen reduzieren. Außerdem kann es die starken Nebenwirkungen einer Chemotherapie lindern: Häufig leiden die betroffenen Krebspatientinnen an Übelkeit, Erbrechen, Appetitverlust und Schlaflosigkeit. Cannabinoide werden hier schon seit Längerem eingesetzt, um die Lebensqualität zu verbessern. Auch die stimmungsaufhellende (antiresignative) Wirkung des THC spielt hier eine wichtige Rolle.

In Deutschland ist derzeit das Fertigarzneimittel Canemes zur Behandlung von erwachsenen Krebspatienten mit Übelkeit und Erbrechen infolge einer Chemotherapie zugelassen. Der darin enthaltene Wirkstoff Nabilon ist eine vollsynthetische Variante von Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC).

Cannabinoide in der Krebstherapie

Studien weisen darauf hin, dass Cannabinoide neben ihrer Fähigkeit, den schweren Nebenwirkungen entgegenzuwirken, auch in der Lage sein könnten, die therapeutischen Optionen einer Krebsbehandlung zu ergänzen. Professor Dr. Burkhard Hinz und Dr. Robert Ramer von der Universität Rostock haben 2018 eine Übersichtsarbeit zum Antitumor-Verhalten von Cannabinoiden erstellt, in der sie die Ergebnisse der vorliegenden Studien zum Thema zusammengefasst haben [2]. Die Wissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass Cannabinoide als mögliche systemische Krebsmedikamente von Interesse sind.

Ergebnisse aus Laborstudien deuten darauf hin, dass Cannabinoide auf verschiedenen Ebenen wirken und wichtige Effekte erzielen können. Hier hat Cannabidiol (CBD) eine herausragende Rolle. So schreiben die Autoren der Studie:

“Besonderes wissenschaftliches Interesse haben nicht-psychoaktive Cannabinoide wie das CBD geweckt, das nachweislich ein breites Spektrum an antikanzerogenen Eigenschaften besitzt (…)” [2]

Anti-Krebs Merkmale von Cannabinoiden

Zu den krebsbekämpfenden Eigenschaften von Cannabinoiden gehören:

  • Hemmung des Wachstums von Krebszellen (Proliferation)
  • Verringerung der Lebensfähigkeit von Tumorzellen
  • Antimetastasische Wirkung
  • Auslösung des Zelltodes (Apoptose)
  • Auslösung der “Selbstverstümmelung” von Zellen (Autophagie)
  • Erhöhung der Sensibilisierung von resistenten Krebszellen gegenüber Chemotherapien

Die Zusammenhänge sind komplex, wichtig ist aber, dass neuartige Medikamente auf Basis von Cannabinoiden die Metastasierung bösartiger Zellen blockieren könnten. Somit besteht die Möglichkeit, dass “diese Substanzen als praktikable Zusatzoptionen” zu den derzeit verwendeten Chemotherapien dienen, so Hinz und Ramer.

So betrachten viele Wissenschaftler heute Cannabinoide als ein vielversprechendes Mittel bei der Behandlung von Krebserkrankungen – und “nicht nur als Palliativmittel, sondern auch als Antitumor-Medikamente” [3]. Zwei der Krebsarten, bei denen Cannabinoide eine hohe krebsbekämpfende Wirkung gezeigt haben, sind Brust- und Prostatatumore.

CBD gegen Brustkrebs

In Großbritannien untersuchten Wissenschaftler den potenziellen Nutzen von CBD für Krebspatienten. Dafür erhielten 119 Personen mit einer fortgeschrittenen Krebserkrankung synthetisches CBD in pharmazeutischer Qualität. Das Ergebnis der Studie: Bei 92 Prozent der Personen zeigten sich positive Reaktionen, wie die Verringerung der Tumorzellen oder eine reduzierte Tumorgröße [4].

Die Behandlung mit CBD-Öl dauerte mindestens sechs Monate, viele Patienten nahmen das Medikament auch länger ein. Ein kürzerer Zeitraum zeigte keine nennenswerten positiven Effekte. Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet.

An der Untersuchung nahmen Patienten mit unterschiedlichen Krebsformen teil, darunter auch Frauen mit Brustkrebs. Bei diesen Patientinnen reduzierte sich teilweise die Größe der Tumore deutlich. Die Autoren der Studie ziehen daher das Fazit: “Pharmazeutisch-synthetisches CBD ist ein Kandidat zur Behandlung von Patienten mit Brustkrebs oder einem Gliom.”

CBD und Chemotherapie

Eine neuartige Rolle von CBD im Kampf gegen Krebs untersuchte 2018 eine wissenschaftliche Studie der London Metropolitan University. Die Forscher zeigten in vivo, dass Cannabidiol die Freisetzung von Exosomen und Mikrovesikeln (EMV) bei Prostatakrebs, Leberzellkarzinom und Adenokarzinom der Brust hemmt. Durch dieses Hemmen von EMV werden Krebszellen empfindlicher gegenüber Chemotherapeutika und das Krebswachstum kann begrenzt werden. Dabei war die Wirkung dosisabhängig. [5]

Die Forscher ziehen den Schluss, dass CBD verwendet werden kann, um Krebszellen anfälliger für eine Chemotherapie zu machen und diese zu optimieren. Eventuell könnte Cannabidiol dabei helfen, dass bereits eine geringere Dosis der Chemotherapie für die Behandlung ausreichend ist und den gewünschten Erfolg erzielt.

Aber nicht nur CBD ist von großem Interesse für die Wissenschaft, inzwischen rückt auch Cannabidiolsäure (CBDA) in den Fokus. Forscher der Hiroshima International University in Japan haben Hinweise darauf gefunden, dass CBDA dazu fähig sein könnte, die Produktion eines bestimmten Enzyms zu hemmen. Damit wäre es ein relevantes Hilfsmittel im Kampf gegen Krebs. [6] Allerdings bedarf es auch hier noch weiterer Forschung, bevor die Zusammenhänge wissenschaftlich geklärt sind.

Welche Bedeutung hat der Entourage-Effekt?

Der „Entourage-Effekt“ beschreibt die Tatsache, dass ein Gemisch aus mehreren Pflanzenstoffen eine höhere biologische Aktivität besitzt, als eine isolierte Reinsubstanz. Die Cannabispflanze enthält eine große Zahl von Phytocannabinoiden und Terpenen, die bei diesem synergetischen Effekt eine entscheidende Rolle spielen.

Eine wissenschaftliche, präklinische Untersuchung der Universität Madrid führte zu dem Ergebnis, dass der Entourage-Effekt auch im Kampf gegen Brustkrebs einen Effekt haben könnte. Die Forscher verglichen die Wirkung von reinem THC mit der eines Cannabis-Präparates. Es zeigte sich, dass dieses Arzneimittel in Zellkultur- und Tiermodellen bei Brustkrebserkrankungen potenter als reines THC war. [7]

Für die Wissenschaftler deuten diese Ergebnisse daraufhin, dass standardisierte Cannabis-Arzneimittel anstelle von reinen Cannabinoiden als Teil einer Brustkrebs-Therapie in Betracht gezogen werden sollten.

Fazit: Brustkrebs und Cannabinoide

Cannabinoide haben heutzutage eine anerkannte Rolle in der Krebsbehandlung. Sie können bei Tumorschmerzen, Schlaflosigkeit und Depression helfen. Außerdem können sie die Nebenwirkungen der Chemotherapie, wie Übelkeit, Erbrechen und Appetitverlust lindern. Damit leisten Cannabinoide als Add-on-Therapie einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität von Krebspatienten.

Aber auch für die Primärbehandlung von Krebs sind Cannabinoide in der Wissenschaft von Interesse. Cannabinoide können nachweislich die Vermehrung und Ausbreitung von Krebszellen reduzieren. Brust- und Prostatakrebs sind zwei Krebsarten, bei denen Cannabis eine hohe krebsbekämpfende Wirkung gezeigt hat. Allerdings wurden die Mechanismen, die dafür verantwortlich sind, noch nicht vollständig geklärt.

Weitere wissenschaftliche Untersuchungen sind nötig, um Cannabinoide optimal im Kampf gegen den Krebs einsetzen zu können. Ihr Potenzial ist aber bereits jetzt deutlich – nicht nur in der palliativen Therapie, sondern auch im Einsatz gegen Krebszellen.

[1] Robert Koch Institut, Zentrum für Krebsregisterdaten, Stand: 17.12.2019

[2] Hinz, B.: Anti‐tumour actions of cannabinoids. British Journal of Phamacology 2018. Doi: 10.1111/bph.14426

[3] Fraguas Sánchez, A. I.: Phyto-, Endo- And Synthetic Cannabinoids: Promising Chemotherapeutic Agents in the Treatment of Breast and Prostate Carcinomas. Expert Opin Investig Drugs 2016. 25(11):1311-1323.doi: 10.1080/13543784.2016.1236913.

[4] Kenyon, J.: Report of Objective Clinical Responses of Cancer Patients to Pharmaceutical-grade Synthetic Cannabidiol. Anticancer research 2018. 38(10):5831-5835. doi: 10.21873/anticanres.12924.

[5] Kosgodage, U. S.: Cannabidiol (CBD) Is a Novel Inhibitor for Exosome and Microvesicle (EMV) Release in Cancer. Frontiers in Pharmacology 2018. 9:889. doi: 10.3389/fphar.2018.00889.

[6] Takeda, S.: Cannabidiolic acid-mediated selective down-regulation of c-fos in highly aggressive breast cancer MDA-MB-231 cells: possible involvement of its down-regulation in the abrogation of aggressiveness. Journal of Natural Medicines 2017. 71(1):286-291. doi: 10.1007/s11418-016-1030-0.

[7] Blasco-Benito, S.: Appraising the “entourage effect”: Antitumor action of a pure cannabinoid  versus  a botanical drug preparation in preclinical models of breast cancer. Biochemical Pharmacology 2018. 157:285-293. doi: 10.1016/j.bcp.2018.06.025.