Heutzutage gewinnt medizinisches Cannabis bei vielen Menschen mit unterschiedlichen Krankheiten schnell an Interesse. Aber hilft Cannabis auch bei Brustkrebs? Brustkrebs ist eine der häufigsten Todesursachen bei Frauen. Früherkennung und die Entwicklung neuer Therapien haben die Prognose deutlich verbessert, aber viele Patienten haben angeborene oder erworbene Resistenzen gegen aktuelle Therapien. Neue therapeutische Ansätze sind daher von großer Bedeutung für die Behandlung der Krankheit.

Cannabinoide können Anti-Tumor-Reaktionen auslösen

Umfangreiche Forschungen haben gezeigt, dass Cannabis bei Brustkrebs hilfreich sein könnte, da Cannabinoide, die in Cannabispflanzen vorkommenden Wirkstoffe, Antitumorreaktionen in verschiedenen Krebssimulationen bei Tieren auslösen können. Die meisten Studien wurden mit Δ9-Tetrahydrocannabinol (THC) durchgeführt, der wichtigsten psychoaktiven Komponente der Pflanze. Allerdings produzieren die Cannabispflanzen noch unzählige andere Verbindungen mit eigenem therapeutischem Potenzial. Eine kombinierte Verwendung aller Komponenten der Cannabispflanze löst eine synergistische Reaktion aus, den so genannten „Entourage-Effekt“, der eine größere medizinische Wirkung bietet, als die Verwendung eines einzelnen isolierten Cannabinoids.

Darüber hinaus wurde beobachtet, dass der Einsatz von Cannabinoiden zusammen mit aktuellen Therapiemedikamenten gegen Brustkrebs eine bessere antiproliferative Wirkung in Laborzellen hat, als bei reinen THC-Verabreichungen. Durch die Kombination dieser Behandlungen zeigten sich keine Wechselwirkungen. Zusammenfassend deuten die Ergebnisse darauf hin, dass standardisierte Cannabispräparate anstelle von reinen Cannabinoiden zur Behandlung von Brustkrebs verwendet werden könnten[1].

CBD für die Reduzierung der Chemoresistenz

Cannabidiol (CBD), ein nicht-psychoaktives Phytocannabinoid, das von den Cannabispflanzen produziert wird, hat antioxidative, entzündungshemmende und antiproliferative Eigenschaften gezeigt.

Laut einer aktuellen Studie der Metropolitan University in London war CBD wahrscheinlich in der Lage, die Freisetzung von Exosomen und Mikrovesikeln (EMV) auf Adenokarzinomzellen (eine Art Brustkrebs) zu hemmen. EMV sind von Zellen freigesetzte, in Lipid-Doppelschichten eingeschlossene Strukturen, die an der Kommunikation durch den Transfer von Proteinen und genetischem Material beteiligt sind. Die Freisetzung von EMV ist auch mit Krebs verbunden, wo eine hohe Freisetzung unter anderem mit Chemoresistenz und aktiver Übertragung von Krebsgenen verbunden ist.

Neue Studien zeigen, dass EMV-inhibierende Wirkstoffe Krebszellen empfindlicher auf Chemotherapeutika machen und das Krebswachstum begrenzen können. CBD reduzierte signifikant die Exosomenfreisetzung von Krebszellen und hemmte signifikant die Freisetzung von Mikrovesikeln.

Darüber hinaus deuten Hinweise darauf hin, dass Veränderungen in der mitochondrialen Funktion, einschließlich der Modulation von STAT3 (ein Protein, das die Expression bestimmter Gene erhöht), und des Prohibitins (PHB – ein mitochondriales Protein, das die Expression bestimmter Gene moduliert) mit der Hemmung der EMV-Freisetzung verbunden sein können. Dies führt zu dem Schluss, dass CBD verwendet werden kann, um Krebszellen anfälliger für eine Chemotherapie zu machen[2].

CBDA verhindert die Ausbreitung von Brustkrebszellen.

In Cannabispflanzen kommt CBD zunächst in seiner sauren Form vor, bekannt unter dem Akronym CBDA. Das Cannabinoid Cannabidiosäure (CBDA) rückt immer mehr in den Mittelpunkt vieler Forschungen. Einige Studien haben gezeigt, dass CBDA die Hemmung der Cycloocygenase-2 (COX-2)-Aktivitäten ermöglicht. COX-2 wurde bei 40% der invasiven Brustkrebserkrankungen des Menschen nachgewiesen und seine Funktionen wurden mit der Migration von Tumorzellen verknüpft.

In einer kürzlich durchgeführten Studie identifizierten die Forscher einen möglichen Mechanismus, mit dem CBDA die Expression von COX-2 aufhebt, indem es den c-fos, eine Komponente des Aktivator-Protein-1 (AP-1) Dimer-Komplexes, verringert. AP-1 ist ein Transkriptionsfaktor (ein Makroprotein), der die COX-2-Genexpression im Zellkern der Zellen steuert. Dies führt zu dem Schluss, dass CBDA als Anti-Migrationsmittel bei aggressiven menschlichen Brustkrebszellen sehr nützlich sein kann, indem es die COX-2-Aktivität verringert[3].

Verschiedene Studien berichteten über die Evidenz, dass medizinisches Cannabis die aktuelle Behandlung gegen Brustkrebs unterstützen kann, aber um eine genaue Aussage darüber zu treffen, inwieweit es hilfreich ist und wie genau es verwendet werden sollte, ist es notwendig, weitere Untersuchungen und Studien am Menschen durchzuführen.

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[1] Blasco-Benito, S., et alt. (2018). Appraising the “entourage effect”: Antitumor action of a pure cannabinoid  versus  a botanical drug preparation in preclinical models of breast cancer. Biochemical Pharmacology. doi:10.1016/j.bcp.2018.06.025

[2] Kosgodage, U. S., et alt. Cannabidiol (CBD) Is a Novel Inhibitor for Exosome and Microvesicle (EMV) Release in Cancer. Frontiers in Pharmacology, 9.doi:10.3389/fphar.2018.00889

[3] Takeda, S., et alt. (2016). Cannabidiolic acid-mediated selective down-regulation of c-fos in highly aggressive breast cancer MDA-MB-231 cells: possible involvement of its down-regulation in the abrogation of aggressiveness. Journal of Natural Medicines, 71(1), 286–291. doi:10.1007/s11418-016-1030-0

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Neue Studien bestätigen die Wirksamkeit von Cannabis bei Brustkrebs
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Neue Studien bestätigen die Wirksamkeit von Cannabis bei Brustkrebs
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Neue Studien untersuchen die Wirksamkeit von Cannabis bei der Behandlung von Brustkrebs. Es könnte Krebszellen empfindlicher auf Chemotherapeutika machen und könnte als Hemmstoff für die Bildung neuer Zellen dienen.
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Kalapa Clinic
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