Anorexie, Kachexie und medizinisches Cannabis

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Was ist Anorexie?

Anorexie ist definiert als der Verlust von Appetit und Gewicht einer Person; während Kachexie sich auf einen Zustand extremer Unterernährung und Verlust von Muskelmasse bezieht, der von Müdigkeit und Schwäche begleitet wird. Diese Symptome treten häufig bei Autoimmun- und Infektionskrankheiten und vor allem bei Menschen auf, die an Krebs leiden, da Gewichtsverlust ein Symptom in fortgeschrittenen Stadien dieser Krankheit sein kann. In der Tat ist Magersucht die häufigste Ursache für Gewichtsverlust bei jungen Frauen und der Grund für die Krankenhauseinweisung von Kindern und Jugendlichen.

Was ist Kachexie?

Kachexie hingegen ist ein Zustand der extremen Unterernährung, dessen Ursache in erster Linie auf den Rückgang der Muskelmasse zurückzuführen ist. Weitere typische Symptome von Kachexie-Patienten sind: Appetitlosigkeit, ein Schwächegefühl, Übelkeit, Müdigkeit, Unwohlsein und ein deutlicher Rückgang der Nahrungsaufnahme.

Mehrere Studien haben gezeigt, dass die Anwendung von Cannabinoiden bei Anorexie- oder Kachexie-Patienten einen signifikanten Anstieg des Appetits bewirken und somit zur Gewichtszunahme beitragen können. Menschen mit Krankheitsbildern, bei denen Appetitlosigkeit und Unterernährung zu den Symptomen gehören (u.a. bei Autoimmunerkrankungen, Infektionskrankheiten, Krebspatienten), können von den medizinischen Vorteilen der Cannabinoide profitieren. Zudem haben Cannabinoide nur schwach ausgeprägte Nebenwirkungen und sind wenig toxisch.

Die Wirkung von Cannabinoiden zur Linderung einiger Symptome von Anorexie / Kachexie

Häufig treten die Symptome von Anorexie und Kachexie bei Menschen auf, die an Autoimmun- oder Infektionserkrankungen leiden. Ein weiterer Auslöser können Krebserkrankungen im fortgeschrittenen Stadium sein. Hierbei hängt die Intensität der Symptome allerdings auch von der Art des Tumors ab. [2] Bei AIDS-Patienten tritt Kachexie häufig zusätzlich zu Beschwerden wie Depressionen, Stimmungsschwankungen oder Angstzuständen auf.

Mehrere klinische Studien haben gezeigt, dass medizinisches Cannabis für HIV-Patienten vorteilhaft sein kann. So können sowohl die Symptome der Krankheit selbst, als auch die Nebenwirkungen der antiretroviralen Medikamente behandelt werden. Cannabinoide wirken schmerzlindernd und steigern den Appetit, wodurch die Symptome von Anorexie und Kachexie (Müdigkeit, Schwäche, Asthenie, Unwohlsein) bekämpft werden können. Zudem können sie Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen lindern, die häufig durch HIV-Medikamente oder Chemotherapien hervorgerufen werden.

In diesem Sinne haben Cannabinoide zahlreiche Eigenschaften, von denen Patienten mit Appetitlosigkeit profitieren könnten und die auch ihre Lebensqualität verbessern.

Das Endocannabinoid-System und die Appetitregulierung

Das Endocannabinoidsystem ist an der Regulierung des Appetits beteiligt und scheint eine wichtige Rolle bei Essstörungen wie Anorexia nervosa [3],[4] einzunehmen. Endocannabinoide wie Anandamid können mit den CB1-Rezeptoren im Gehirn in Wechselwirkung treten, und auf diese Weise den Appetit und die Nahrungszufuhr anregen  [5],[6] . Störungen dieser Endocannabinoid-Signale können zur Entwicklung von Essstörungen führen.

Behandlung von Anorexie und Kachexie mit Cannabinoiden

Klinische Studien haben gezeigt, dass, durch die Wirkung der Cannabinoide, der Appetit angeregt und auf diese Weise die Nahrungszufuhr erhöht werden kann. Dies zeigte sich z.B. in der offenen Pilotstudie von Pharmacol Biochem Behav. In dieser „konnte eine orale Verabreichung von THC, über einen Zeitraum von fünf Monaten, bei 7 von 10 HIV-Patienten den Appetit und die Gewichtszunahme verbessern“. [10]

Des Weiteren hat das International Journal of Geriatric Psychiatry eine Placebo-Studie veröffentlicht, an der 15 Alzheimer-Patienten teilnahmen. Die Patienten hatten in der Vergangenheit aufgrund von Appetitlosigkeit, kaum mehr Nahrung zu sich genommen.

In der Studie zeigte sich, dass THC zur Behandlung von Anorexie ein geeignetes Mittel sein kann und auch die Symptome der Alzheimer-Krankheit bekämpfen kann.

Zudem wurde in der Studie ersichtlich, dass das Körpergewicht der Patienten, die Cannabinoide erhielten, im Vergleich zu denen, die ein Placebo bekamen, signifikant anstieg. [11]

Zu guter Letzt, kam auch das Journal of Palliative Care in der Studie „Phase-II-Studie von Delta-9-Tetrahydrocannabinol zur Appetitanregung bei Krebs-assoziierter Anorexie“, zu dem Ergebnis, dass THC appetitanregend wirkt. Vor allem bei Krebspatienten, die sich bereits in fortgeschritten Stadien befanden und deren Lebenserwartung nicht länger als vier Wochen war, konnten Verbesserungen bezüglich der Zunahme des Körpergewichtes erzielt werden. „In geringen Dosen ist THC wirksam und verträglich, dennoch sind weitere Studien erforderlich, damit genauere Aussagen bezüglich der idealen Verabreichung getätigt werden können“. [12]

Bibliographie über Anorexie oder Kachexie und die Verwendung von medizinischem Cannabis

[1] J. Morris (2007). Anorexia nerviosa. BMJ 2007;334:894

[2] D. Cardona(2006). Tratamiento farmacológico de la anorexia – caquexia cancerosa. Nutr. Hosp. vol.21 supl.3 Madrid may. 2006

[3] Matias I1, Bisogno T, Di Marzo V.Endogenous cannabinoids in the brain and peripheral tissues: regulation of their levels and control of food intake. 2006 Apr;30 Suppl 1:S7-S12.

[4] Monteleone P1, Matias I, Martiadis V, De Petrocellis L, Maj M, Di Marzo V.. Blood levels of the endocannabinoid anandamide are increased in anorexia nervosa and in binge-eating disorder, but not in bulimia nervosa..Neuropsychopharmacology. 2005 Jun;30(6):1216-21.

[5] Aaron NA Verty,1, Megan J Evetts,1 Geraldine J Crouch,1 Iain S McGregor,2 Aneta Stefanidis,1 and Brian J Oldfield1. The Cannabinoid Receptor Agonist THC Attenuates Weight Loss in a Rodent Model of Activity-Based Anorexia. Neuropsychopharmacology. 2011 Jun; 36(7): 1349–1358.

[6] Kirkham TC1. Endocannabinoids in the regulation of appetite and body weight. Behav Pharmacol. 2005 Sep;16(5-6):297-313

[7] Richard D.Mattes∗, KarlEngelman†, Leslie M.Shaw†, Mahmoud A.Elsohly. Cannabinoids and appetite stimulation.Volume 49, Issue 1, September 1994, Pages 187-195.

[8] Sansone RA1, Sansone LA1.Marijuana and body weight. Innov Clin Neurosci. 2014 Jul;11(7-8):50-4

[9] University of Washington. Marihuana and appetite April 18, 2012

[10]Plasse TF, Gorter RW, Krasnow SH, Lane M, Shepard KV, Wadleigh RG Recent clinical experience with dronabinol. Pharmacol Biochem Behav. 1991 Nov;40(3):695-700.

[11] Volicer L, Stelly M, Morris J, McLaughlin J, Volicer BJ Effects of dronabinol on anorexia and disturbed behavior in patients with Alzheimer’s disease. International Journal of Geriatric Psychiatry 1997;12(9):913-919

[12] Nelson, K., Walsh, D., Deeter, P., & Sheehan, F. (1994). A phase II study of delta-9-tetrahydrocannabinol for appetite stimulation in cancer-associated anorexia Journal of Palliative Care, 10(1), 14-18.

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