Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leben mehr als 1 Milliarde Menschen mit Sehbehinderungen wie Kurz- und Weitsichtigkeit, Glaukomen (grüner Star) und Katarakten (grauer Star).  In den meisten Fällen hätten diese leicht verhindert oder durch eine Operation des Grauen Stars, des Tragens einer Brille oder den Zugang zu einer kostengünstigen Gesundheitsversorgung behandelt werden können. Ein Bericht stellt jedoch fest, dass eine stärkere Integration der Ophthalmologie in die nationalen Gesundheitsdienste durch Prävention, Früherkennung, Behandlung und Rehabilitation erforderlich ist. Heute wollen wir analysieren, ob medizinisches Cannabis bei der Behandlung von Glaukomen nützlich sein kann.

Was ist ein Glaukom?

Ein Glaukom, auch grüner Star genannt, wird durch einen zu hohen Augeninnendruck (IOD) verursacht.  Der IOD ist der Flüssigkeitsdruck im Inneren des Auges.  Der hohe Druck führt auf der Retina und dem Sehnerv zum Verlust des Sehvermögens. [1]

Glaukome bleiben bei 9 von 10 Leuten undiagnostiziert und 50% dieser undiagnostizierten Fälle stammen aus Industrienationen.  Daher sollte die frühzeitige Erkennung dieser Krankheit verbessert werden. Es wird davon ausgegangen, dass ein Glaukom nur dann vorliegt, wenn mindestens ein Auge sowohl eine Schädigung des Sehnervenkopfes als auch einen Sichtfeldverlust aufweist. Die Kombination dieser Schädigungen kann hinreichend auf das Absterben einer erheblichen Anzahl von retinalen Ganglienzellen und einer Verminderung des Sehnervs hinweisen.[2]

Das Endocannabinoid-System im Auge

Das Endocannabinoid-System (ECS) kommt im Auge sowohl im vorderen als auch im hinteren Augengewebe vor, einschließlich der Netzhaut, des Ziliarkörpers, des Trabekelmaschenwerks und des Schlemm’schen Kanals.  Das ECS umfasst Cannabinoid-Rezeptoren, kognitiv degradierende und biosynthetische Enzyme (Proteine) und Endocannabinoide, wie Anandamid (AEA) und 2-Arachidonoylglycerin (2-AG). Das Vorhandensein all dieser Komponenten unterstützt eine wichtige Rolle für die Augenfunktion, wie z.B. eine verminderte Tränenproduktion und eine Senkung des IOD.

Gibt es eine Behandlung für Glaukome?

Langzeiteffekte von Cannabinoiden auf Glaukome

Die traditionelle Behandlung umfasst die Verschreibung von Medikamenten, Laserbehandlungen oder sogar Operationen. Diese Behandlungsansätze erfordern normalerweise eine jahrzehntelange Behandlung, daher muss jedes medizinische Cannabis-Produkt, das entwickelt wurde, sicher und wirksam sein, wenn es an Personen mit Glaukom verabreicht wird. Bisher haben Studien zur Bewertung der Wirksamkeit von medizinischem Cannabis im Langzeitgebrauch gemischte Ergebnisse erzielt. Die meisten Studien haben über den Verlust der Wirkung der IOD-senkenden Eigenschaften innerhalb weniger Stunden berichtet. Eine Studie von Hosseini und seinen Kollegen stellte jedoch fest, dass die chronische äußere Anwendung von 0,5% WIN 55.212-2 (synthetisches THC) bei Ratten eine wirksame Senkung des IOD für einen Monat bewirkte.[3]

Darüber hinaus hat eine andere Forschung aus dem Jahr 2018 gezeigt, dass das Endocannabinoid-System nicht nur den Augeninnendruck senken, sondern auch auf bestimmte Rezeptoren wirken kann, um als Neuroprotektor Schäden am Sehnerv vorzubeugen.[4] Dies ist jedoch keine Neuigkeit, da eine Studie aus dem Jahr 2009 zeigte, dass die Cannabinoid-Rezeptoren CB1 und CB2  in den Prozess des Überlebens und Absterbens von Netzhautzellen involviert sind.[5]

Wenn sich mehr Forschung diesem Thema widmet, bietet sie das Potential, Glaukome oder andere neurodegenerative Erkrankungen der Netzhaut zu verhindern.

Unabhängig davon „unterstützt die Kanadische Ophthalmologische Gesellschaft die medizinische Verwendung von Cannabis zur Behandlung von Glaukomen nicht, da die Wirkungsdauer kurz ist, unerwünschte psychotrope und andere systemische Nebenwirkungen auftreten können und es keine wissenschaftlichen Beweise gibt, die eine positive Wirkung auf den Krankheitsverlauf zeigen“.[6]

Weltglaukomtag

Der Weltglaukomtag findet am 12. März statt und die Woche der Sensibilisierung für das Jahr 2020 findet vom 8. bis 14. März statt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es zwar Studien gibt, die belegen, dass Cannabis bestimmte Eigenschaften hat, die (als unterstützende Behandlung) helfen könnten, Glaukomen vorzubeugen oder sogar das Potenzial haben, sie zu behandeln. Aber es müssen noch weitere Untersuchungen durchgeführt werden, um eine tragfähige Behandlung von Glaukomen, die Dosierung und die Vermeidung von Nebenwirkungen zu finden.

[1] Tomida, I. (2004). Cannabinoids and glaucoma. British Journal of Ophthalmology, 88(5), 708–713. doi:10.1136/bjo.2003.032250

[2] Quigley, H. A. (2011). Glaucoma. The Lancet, 377(9774), 1367–1377. doi:10.1016/s0140-6736(10)61423-7

[3] Cairns, E. A., et alt. (2016). The Endocannabinoid System as a Therapeutic Target in Glaucoma. Neural Plasticity, 2016, 1–10. doi:10.1155/2016/9364091doi:10.2174/1570159X15666170724104305

[4] Rapino C, et alt. Neuroprotection by (endo)Cannabinoids in Glaucoma and Retinal Neurodegenerative Diseases. Curr Neuropharmacol. 2018;16(7):959-970. doi:10.2174/1570159X15666170724104305

[5] Yan Wei et al. Presence and regulation of cannabinoid receptors in human retinal pigment epithelial cells. Mol Vis. 2009; 15: 1243–1251.

[6] Rafuse, P., & Buys, Y. M. (2019). Medical use of cannabis for glaucoma. Canadian Journal of Ophthalmology, 54(1), 7–8. doi:10.1016/j.jcjo.2018.11.001